
Am morgigen Samstag empfängt der F.C. Hansa Rostock um 16:30 Uhr am 33. Spieltag der 3. Liga den abstiegsbedrohten SSV Ulm 1846 Fußball zum kräftezehrenden Finale der englischen Woche. Im Kampf um den Aufstieg zählt für die Mannschaft von Trainer Daniel Brinkmann nur ein Sieg, um den Druck auf die direkten Konkurrenten weiter zu erhöhen. Die Gäste kämpfen verzweifelt gegen den Absturz in die Regionalliga und reisen unter Ex-Hansa-Coach Pavel Dotchev dennoch mit dem Rückenwind aus drei ungeschlagenen Partien in Serie an.
Endspiele um den Aufstieg
Für die Kogge bricht die entscheidende Phase der Saison an. Ab sofort sind alle verbleibenden sechs Partien absolute Endspiele um den Aufstieg. Mit fünf Punkten Rückstand auf Rot-Weiss Essen und vier Zählern Abstand zu FC Energie Cottbus zählt für die Mannschaft von Trainer Daniel Brinkmann nur noch die volle Punkteausbeute.
Der knappe 2:1-Erfolg unter der Woche gegen den SC Verl, bei dem Christian Kinsombi und Emil Holten die Führung von Berkan Taz drehten, muss zwingend der Startschuss für eine neue Siegesserie sein. Ohne diesen wichtigen Dreier hätte man sich wohl bereits aus dem Aufstiegsrennen verabschieden müssen.
Nächtliche Erholung als Schlüssel
Um nach der weiten Auswärtsreise die nötigen Kräfte für das Samstagspiel zu sammeln, wählte der Trainerstab ungewöhnliche, aber effektive Maßnahmen. Unmittelbar nach der späten Rückkehr am Mittwochabend wurde das Regenerationsprogramm in die Nacht verlegt. „Wir sind relativ spät wiedergekommen und haben dann mit den Spielern gesprochen. Für einen Großteil der Spieler war es dann wichtiger, dass wir direkt regenerieren“, erklärte Brinkmann in der heutigen Pressekonferenz.
Die schnelle Maßnahme zeigte Wirkung: „Wir haben also bei Ankunft hier in der Nacht sofort Regenerationsmaßnahmen eingeleitet. Die Spieler haben Behandlungen bekommen und konnten unsere Regenerationsmöglichkeiten nutzen, gerade in Bezug auf Sauna, Kälte und Wärme, sodass sie da dann maximal regenerieren können.“
Anschließend bekamen die Profis frei: „Wir wollten ihnen dann den Tag auch geben, um gut zu schlafen. Wir haben das Spiel noch kurz abgehakt. Das war auch mal was Neues. Hat sich irgendwie so angefühlt, als wäre man wie am Tag da.“
Fokus auf die eigenen Hausaufgaben
Auch wenn der Konkurrenz noch mögliche Stolpersteine bevorstehen, bleibt der Fokus in Rostock voll auf der eigenen Leistung. „Ja gut, das beobachten wir natürlich. Spätestens in zwei Wochen, wenn Cottbus und Essen gegeneinander spielen, wird irgendwer Federn lassen“, analysierte der Coach nüchtern.
Dennoch mahnt er zur höchsten Konzentration: „Am Ende müssen wir fokussiert sein. Wenn uns das gelingt und wir einen Großteil, fast alle Spiele gewinnen, wenn wir am Ende oben stehen wollen, dann müssen wir auch nicht nach links und rechts schauen.“
Die Schwere der aktuellen Aufgabe führt er auf den Saisonstart zurück: „Am Ende ist bei uns eher das Problem, dass wir so den ersten zehn Spielen hinterherrennen. Da haben wir zu wenig gepunktet. Am am Ende haben wir uns das selbst eingebrockt. Und dementsprechend dürfen wir uns nicht mehr viel erlauben. Und so müssen wir auch die Spiele angehen.“
Ein Gegner im Überlebenskampf
Mit den Ulmern kommt ein Gegner ins Ostseestadion, der sportlich ums sportliche Überleben im Profifußball kämpft. Erst in der vergangenen Saison stieg Ulm aus der 2. Bundesliga ab, nun droht der direkte Durchmarsch nach unten. Dennoch reisen die Gäste mit frischem Mut an: Sie sind seit drei Ligaspielen ungeschlagen.
Nach einem Sieg am vergangenen Wochenende gegen Verl rettete man sich unter der Woche durch ein Tor von Lucas Röser zu einem 1:1-Unentschieden gegen die ambitionierte Mannschaft des VfB Stuttgart II, für die Nicolas Sessa traf. Genau diese Erfolgserlebnisse nähren die Hoffnungen auf das „Wunder Klassenerhalt“.
Verantwortlich dafür ist der erfahrene Ulmer Trainer Pavel Dotchev, der bereits der vierte Ex-Hansa-Coach ist, der in dieser Spielzeit versuchen wird, die drei Punkte an seiner alten Wirkungsstätte zu entführen.
Warnung vor der gegnerischen Stabilität
Brinkmann erwartet eine gefestigte Ulmer Mannschaft und sieht keinen Grund für taktische Experimente der Gäste: „Ich glaube, es gibt auch für Pavel keinen Grund, jetzt etwas umzustellen. Die Mannschaft fühlt sich damit sicher. Sie standen jetzt recht stabil und haben immer wieder sehr gute Umschaltmomente.“
Besonders im Mittelfeld warnt der Rostocker Coach vor der gegnerischen Qualität: „Ich finde auch, dass sie im Zentrum Spieler haben, die das Spiel schon an sich reißen können, mit Mirnes Pepic, oder Max Julian Brandt.“
Trotz der Sperre des wichtigen Offensivmanns Dennis Chessa sieht Brinkmann Gefahren auf seine Defensive zukommen, insbesondere durch schnelle Umschaltaktionen über Leon Dajaku: „Insofern ist es eine Mannschaft, die über eine gewisse Kontrolle kommen kann. Aber gerade in Umschaltmomenten mit Leon Dajaku, da haben sie schon auch ihre Stärken. Zwei Außenverteidiger, zwei Schienenspieler, die sehr viel Offensivdrang haben. Darüber können sie schon immer wieder gefährliche Situationen produzieren.“
Das Hinspiel spielt keine Rolle mehr
Wer angesichts der Tabellenkonstellation an das deutliche Hinspiel denkt, wird vom Hansa-Trainer sofort eingebremst. Damals fegte die Kogge die Ulmer auswärts sensationell mit 5:0 vom Platz. Kenan Fatkic, Andreas Voglsammer, ein Doppelpack von Ryan Naderi sowie Emil Holten sorgten für klare Verhältnisse.
Doch dieses Schützenfest spielt in den Köpfen der Rostocker heute keine Rolle mehr. Brinkmann wischt jegliche Vergleiche rigoros beiseite: „Nein, es ist eine komplett andere Mannschaft. Ein anderer Trainer, von den Spielertypen hat ein bisschen was gewechselt. Da werde ich keinen Vergleich mehr herstellen.“
Die Uhren stehen auf null, der Kampf um den Aufstieg duldet keinen Blick in den Rückspiegel.