Stefan Kufner und sein FC Handlab-Iggensbach steigen am grünen Tisch in die Kreisliga auf.
Stefan Kufner und sein FC Handlab-Iggensbach steigen am grünen Tisch in die Kreisliga auf. – Foto: Reinhold Rockinger

Spezialisten für skurrile Aufstiege

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Fußball ist ihr Leben! Die Helden der Kreisklasse sind selten im Fokus, aber ohne sie wäre der Sport mit dem runden Leder nur halb so liebenswert. Die dritte Halbzeit nach dem Spiel ist dabei mindestens so wichtig wie die 90 Minuten davor. In dieser Ausgabe befassen wir uns mit Stefan Kufner vom FC Handlab-Iggensbach.

Der Triumph ist zum Greifen nahe, der Aufstieg fast perfekt. Was in normalen Zeiten bei Amateurfußballern für fiebrige Vorfreude sorgt, ist in diesen Tagen nur noch ein zur Kenntnis nehmen. Von Partystimmung keine Spur. Nachdem die Spielzeit 2019/21 nun mit größter Wahrscheinlichkeit abgebrochen wird, steigt der FC Handlab-Iggensbach wohl über die Quotientenregel in die Kreisliga auf. Üblicherweise Anlass für Bierduschen, Humba auf dem Platz, feucht-fröhliche Feierlichkeiten bis in die frühen Morgenstunden oder noch länger. Und dieses Mal: Dröhnende Tristesse auf den Sportanlagen und Sportheimen wohin man blickt. Wie fühlt sich so ein Erfolg auf dem Papier an? "Das ist schon ein sehr, sehr komischer Aufstieg", meint Stefan Kufner nachdenklich.


Kurios: Als das Bezirksliga-Spiel Passau II gegen Osterhofen über den Kreisliga-Aufstieg des FC Handlab entschied.


Dabei kennt sich Iggensbachs gefühlte Ewig-Nummer eins, der zusammen mit Dennis Fischl das das Team coacht, mit skurrilen Aufstiegen aus. Noch sehr präsent ist bei ihm in der Erinnerung der erste Sprung ins Kreisoberhaus: "Das war in der Saison 2012/13. Hinter dem ASV Degernbach sind wir Vizemeister geworden, das entscheidende Relegationsspiel gegen den SV Haidlfing haben wir dann aber verloren. Die Enttäuschung war natürlich groß, doch plötzlich ging ein Hintertürchen auf. Eine Konstellation mit einem freien Platz in der Landesliga setzte sich nach unten fort, und so wurde auch in der Kreisliga noch ein Platz frei."

Er erinnert sich lebhaft, als wäre es gestern gewesen: "Ich weiß es noch genau, Passau II spielte gegen Osterhofen um den Aufstieg bzw. den Klassenerhalt in der Bezirksliga. Osterhofen musste gewinnen, dann würden auch wir aufsteigen. In der Verlängerung schoss Stefano Gigliola dann Osterhofen zum Sieg. Auch wir Iggensbacher jubelten wie verrückt. Wer es nicht besser wusste von den anwesenden Zuschauern, musste denken, wir würden den Sieg der SpVgg bejubeln. Dabei feierten wir unseren Aufstieg", lacht Kufner auch noch Jahre später.

So sehen Aufstiegsfeiern in der Regel aus. Das wird aber für Stefan Kufner (li.) und Kollegen in diesem Jahr anders sein.
So sehen Aufstiegsfeiern in der Regel aus. Das wird aber für Stefan Kufner (li.) und Kollegen in diesem Jahr anders sein. – Foto: Werner Grübl


An Trainingsbetrieb ist im Moment nicht zu denken. Was dem FCI-Goalie derzeit Zuversicht gibt in dieser so schwierigen Zeit? "Wir bauen gerade unser Sportheim um. Ein zweiter Stock kommt drauf, das wird richtig schön. Im September soll der Bau abgeschlossen sein." Träfe sich gut: Die Einweihungsfeier könnte dann auch gleich als Aufstiegsparty dienen. "Das wäre natürlich eine optimale Geschichte", schmunzelt Kufner.


Covid-Erkrankung steckt Kufner noch in den Knochen.


Auch Stefan Kufner würde lieber heute als morgen wieder seinen geliebten Hobbys nachgehen - mit allem was dazugehört: "Freilich würde ich gerne mal wieder auf ein Volksfest gehen und mit Freunden eine Maß Bier trinken." Er ist aber vorsichtig geworden. Am eigenen Leib erfahren, was es heißt, sich mit dem Virus angesteckt zu haben. Vor einem guten Jahr hatte es ihn erwischt. "Am 18. März 2020 wurde ich positiv getestet. Und ich muss sagen, ich hatte lange Zeit Probleme." Fieber, Atemnot, starke Gelenkschmerzen peinigten ihn. Auch heute, 13 Monate danach, spürt er noch die Langzeitfolgen. "Ich bin mittlerweile wieder soweit hergestellt, dass ich zufrieden bin. Zuletzt habe ich zwei Stunden am Stück Tennis spielen können ohne gravierende Probleme, aber ich gerate viel schneller außer Atem als früher. Ein leichter Schaden ist mir geblieben, es ist nicht mehr so wie vorher." Auch ihn nerve die Thematik und die daraus resultierenden Einschränkungen, aber "da müssen wir alle durch". Eines noch nicht absehbaren Tages wird das Leben hoffentlich wieder in normalen Bahnen verlaufen. Und dann könnten Kufner und seine Spezialisten für skurrile Aufstiege auch sicher mit einer frischen Maß Bier auf den jüngsten Coup anstoßen.


3229 Aufrufe18.4.2021, 06:00 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor

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