Dennis Nowak (vorne) ist Iggensbachs Kapitän und Dauerbrenner.
Dennis Nowak (vorne) ist Iggensbachs Kapitän und Dauerbrenner. – Foto: Rockinger

Dennis, der Dauer(b)renner: Iggensbacher Nächte sind lang

Helden der Kreisklasse: FuPa erzählt die Geschichte von Kickern, die Sonntag für Sonntag Fußball leben

Fußball ist ihr Leben! Die Helden der Kreisklasse sind selten im Fokus, aber ohne sie wäre der Sport mit dem runden Leder nur halb so liebenswert. Die dritte Halbzeit nach dem Spiel ist dabei mindestens so wichtig wie die 90 Minuten davor. Heute mit Dennis Nowak vom FC Handlab-Iggensbach.

Unglaublich, aber wahr: In den vergangenen zehn Jahren hat er ganze zwei (!) Ligapartien versäumt. Angesprochen auf diese unfassbare Konstanz muss Dennis Nowak kurz nachdenken: "Ja, das kann tatsächlich hinkommen. Recht oft habe ich nicht gefehlt", schmunzelt er und verrät dann, wie so eine stolze Bilanz zustande kommt: "Unter der Saison fahre ich nie in den Urlaub. Mittlerweile bin ich verheiratet, und dann wird über dieses Thema natürlich eifrig gestritten. Aber da muss meine Frau durch. Und zum Glück war ich auch noch nie schwerer verletzt." Fußball ist dem Vater von zwei kleinen Töchtern (1 und 2 Jahre alt) heilig, da muss auch im Zweifel mal die Familie zurückstecken.

Nicht viel Talent, aber dafür eine Pferdelunge.

Mit übermäßig viel Talent ist der 29-Jährige allerdings nicht gesegnet, das gibt er offen zu. Das erkannte schon sein Vater und versuchte dem kleinen Dennis, etwaige Alternativen schmackhaft zu machen. "Mein Papa hat damals gefragt: Willst du nicht vielleicht doch was anderes machen? So viel dazu", muss Nowak lachen. Nein, wollte er nicht. Und auch wenn er wahrscheinlich in diesem Leben kein Virtuose am Ball mehr werden wird, eines hat er vielen Kreisklassenkickern voraus. "Von elf Spielern sind wahrscheinlich acht fußballerisch besser als ich, läuferisch macht mir aber so schnell keiner etwas vor. Ich kann 90 Minuten marschieren. Ich habe eine Pferdelunge", grinst er. In der Innenverteidigung hat der bekennende Anhänger des TSV 1860 München seinen Platz gefunden. Hier kann er auch seine Zweikampfstärke in die Waagschale werfen. Wenn`s brennt, kann er eingedenk seiner Ausdauerqualitäten auch mal im defensiven Mittelfeld Kilometer "fressen". Kabinettstückchen hingegen sollten die Fans des FC Handlab-Iggensbach aber nicht unbedingt erwarten. "Ich bin eher der Typ: Spiel die Kugel sicher zum Nebenmann. Die komplizierten Pässe überlasse ich anderen", grinst er vielsagend. So schlecht kann er seine Sache in den letzten Jahren aber nicht gemacht haben, ansonsten würde er die Iggensbacher nicht schon seit geraumer Zeit als Kapitän aufs Feld führen.

Dennis Nowak (Bildmitte) führt den FC Handlab als Kapitän aufs Feld.
Dennis Nowak (Bildmitte) führt den FC Handlab als Kapitän aufs Feld. – Foto: Rindler

Das Vereinslogo hat er sich auf die Brust tätowieren lassen.

Seine Fußballerlaufbahn begann der Sechzger-Fan mit polnischen Wurzeln in Deggendorf. Zeitig zog die Familie nach Iggensbach. Seitdem kickt Dennis für den FC. Eine Liebe, die unter die Haut geht - wortwörtlich: "Ich habe mir das Vereinslogo auf die linke Brust tätowieren lassen." Mehr Identifikation geht kaum. Die Frage, ob es denn woanders nicht auch mal interessant wäre, erübrigt sich daher von selbst. Legt jetzt nicht gerade eine Pandemie das gesamte gesellschaftliche Leben lahm, sind die Freitagabende bei Dennis Nowak, der beruflich bei der Firma Webasto in Hengersberg als CNC-Fräser arbeitet, fest verplant: Abschlusstraining heißt das Zauberwort, aber nach der Einheit auf dem Platz ist noch lange nicht Schluss: "Nach der Spielerversammlung ging`s oft geschlossen nach Passau oder Deggendorf zum Weggehen. Mit den Jahren bin ich ein wenig ruhiger geworden, aber die Abende im Sportheim mit den Kumpels sind nach wie vor ein Muss. Das weiß auch meine Frau und akzeptiert das auch. Da kann`s durchaus mal 6 oder 7 Uhr morgens werden."

– Foto: Enzesberger

Auch Dennis Nowak wird in diesem Jahr 30 Jahre alt. Was kommt da noch? "So lange mich die Füße tragen, möchte ich in der ersten Mannschaft auflaufen", wirft er schmunzelnd einen Blick in die Zukunft. Es muss nicht unbedingt jedes Jahr um den Aufstieg gehen, aber: "Also A-Klasse möchte ich nicht mehr spielen, das sag`ich ganz ehrlich. Bissl in der untersten Liga rumbolzen und Bierchen trinken, das ist mir zu wenig." Die Kreisliga haben sie in Iggensbach durchaus im Visier. "Dafür tun wir auch einiges", versichert Nowak. Der Lockdown erfordert Kreativität, und die FC`ler haben sich einiges einfallen lassen. Eine Lauf-Challenge soll in diesen Tagen gestartet werden. Erreicht das Team eine vorgegebene Kilometeranzahl, lässt der Vorstand ein 50 Liter Fass Bier springen. Wäre jetzt nicht überraschend, wenn Dennis Nowak der Dauer(b)renner mit dafür sorgen würde, dass der Gerstensaft auch bei der Mannschaft ankommt.

2974 Aufrufe20.2.2021, 05:00 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor

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