– Foto: Rolf Schmietow

Kein Modell für die Zukunft: Der Staffel-Modus und seine Schwächen

Der Spielmodus der Staffeleinteilung offenbart schwächen und hemmt den Wettbewerb

Der Amateurfußball nähert sich der Winterpause. Das ist ein Erfolg. Denn noch im letzten Jahr ruhte die Kugel pandemiebedingt schon am letzten Oktoberwochenende. Mit dem Ende der Hinrunde in der Landesliga, den Bezirksligen und einigen Kreisligen mündet die Staffeleinteilung in Auf- und Abstiegsrunden. Im Moment beweist der Modus Schwächen, er ist kein Modell für die Zukunft.

Es gibt unterschiedliche Aspekte, unter denen Vereine leiden. In der Landesliga Lüneburg hat es die SV Ahlerstedt/Ottendorf am härtesten erwischt. Während die Landkreis-Konkurrenz in der Staffel 2 Derby um Derby spielt, reist Ahlerstedt 151 Kilometer nach Westercelle, 140 nach Breese oder 124 nach Uelzen. Den Keller-Krimi zwischen Hedendorf und Estebrügge sehen 250 Zuschauer, zum Tabellenzweiten Ahlerstedt/Ottendorf gegen den Vierten Gellersen verirren sich nur 70 Fans.

Der Grund dafür ist, dass die Einteilung vor der Spielzeit per Schachmuster vorgenommen wurde. Ahlerstedt landete zufällig unter der Konkurrenz aus anderen Landkreisen, die Ortsnachbarn tummeln sich hingegen in der anderen Staffel. Durch diese Auswahl sollte garantiert werden, dass die verschiedenen Staffeln über die gleiche Spielstärke verfügen. Allerdings hat sich die Kaderqualität der Mannschaften über die abgebrochenen Spielzeiten verschoben. Es drängt sich die Vermutung auf, dass die Staffeln keineswegs ausgeglichen, sondern teilweise sehr unterschiedlich stark sind. Zumindest nicht flächendeckend in allen Spielklassen.

Zum anderen haben einige Spiele ihre sportliche Relevanz verloren. In den beiden Staffeln der Kreisliga Harburg sind die Fronten über Auf- und Abstieg beispielsweise weitestgehend geklärt. Dass der VfL Jesteburg bei Kellerkind Ramelsloh mit 0:1 schwer stolperte, hat für beide Teams keinerlei Effekt, weil die Mannschaften nur die Punkte aus den Duellen gegen die direkte Konkurrenz mit in die Auf- bzw. Abstiegsrunde nehmen. Obwohl Jesteburg in seiner Staffel vier Punkte hinter Primus Neu Wulmstorf steht, würden die Rüsselkäfer in der Meisterrunde nach jetzigem Stand mit drei Zählern Vorsprung auf die Roten Teufel in die Rückserie starten. Am Wochenende kommt es zwischen den beiden zum direkten Duell, fast schon spannender für den Aufstiegskampf ist aber, ob sich Holvede nicht doch noch an Heidenau vorbeischiebt, als Vierter mit in die Meisterrunde geht und die Ausgangslage durcheinanderwürfelt. Dann geht die Rechnerei von vorne los, dann wären wiederum der FC Este und die SG Estetal aus der Parallelstaffel die Gewinner.

Die Frage ist, welchen sportlichen Anreiz es für die Konkurrenz hat, oben mitzuspielen. Der TSV Heidenau würde mit 0 Zählern in die Rückserie starten und hätte damit einen fast uneinholbaren Rückstand auf den Rest. Klar, der Klassenerhalt wäre zur Winterpause gesichert, doch wie attraktiv wirkt die Konstellation für das eigene Publikum, auf Dauer aber auch auf die Spieler?

Diese Fragen werden sich auch die Landesligisten Elstorf und Hedendorf, Gellersen und Etelsen oder die Bezirksligisten Suderburg und Bodenteich nach der Hinrunde stellen: Ist die sportliche Sicherheit attraktiver als der spannendere Wettbewerb? Für die Vereinsverantwortlichen ist das garantiert der Fall. Eine sehr gute Ausgangslage hätten die Teams aber auch in einer Abstiegsrunde.

Immerhin könnten sich einige Mannschaften als Meistermacher inszenieren. Es wäre sicherlich kurios, wenn Trainer Hartmut Mattfeldt mit seinen Elstorfern seiner langjährigen Liebe der SV Ahlerstedt/Ottendorf zum Aufstieg verhelfen würde – oder ihr dabei ein Bein stellt. Ob die verbleibende Spielzeit ohne Verlustängste aber wirklich Bonusspiele sind oder die nötige Spannung verloren geht, wird die Rückrunde zeigen. Es droht eine sichere aber blutleere Restspielzeit.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Das ist keine Kritik an den Niedersächsischen Fußball-Verband (NFV), die durch diesen Modus mit viel Detailarbeit die Wiederaufnahme des Spielbetriebs erarbeitet haben. Weil es keine Absteiger, dafür, im Sinne des Fairplays, aber Aufsteiger gab, wurde die Staffelgröße aufgebläht. Als der NFV vor den Saisons 2020/21 und 2021/22 die Staffelaufteilung bekannt gab, war die Pandemie-Lage zu ungewiss, um eine andere Lösung zu wählen.

Dennoch ist vieles geblieben, was durch die Pandemie eingeführt wurde. Erinnert Ihr Euch zum Beispiel noch daran, dass im Profifußball vor weniger als zwei Jahren nur drei Wechsel erlaubt waren? Die fünffache Wechseloption hat sich etabliert, auch wenn sie offiziell noch gar nicht nicht als Dauerlösung verabschiedet ist. Sie fühlt sich nach Normalität an, doch auch bei ihr gibt es ein Für und ein Wider.

Im Beispiel der Staffelteilung muss der NFV zur Saison 2022/23 zu eingleisigen Spielklasse zurückkehren. Der Modus war ein sinnvolles Mittel zur Überbrückung, er hat aber keine Zukunft. Das zeigen viele bedeutungslose Spiele am Wochenende und werden vermutlich noch mehr Duelle in der Rückrunde offenbaren. Der Fußball lebt vom Wettbewerb und seiner Spannung, die einige Teams schon im Winter verlieren. Das ist kurz für einige ein großer Erfolg, aber danach? Wir haben lange auf den Fußball verzichtet. Ich persönlich würde mir in der nächsten Saison auch das eine oder andere Spiel mehr anschauen.

Aufrufe: 010.11.2021, 13:00 Uhr
Moritz StuderAutor

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