Der SG Sonnenhof fehlt Timo Röttger (vorne) bereits seit einiger Zeit.
Der SG Sonnenhof fehlt Timo Röttger (vorne) bereits seit einiger Zeit. – Foto: Tobias Sellmaier

Tatenlosigkeit schmerzt Vollblutfußballer

Seit Ende Februar fällt SG-Torjäger Timo Röttger verletzt aus und erlebt von der Tribüne aus mit, wie Aspachs Drittliga-Fußballer den Kampf um den Drittliga-Verbleib verlieren

„Ich mache eigentlich nichts lieber als Fußball spielen, aber im Moment habe ich schon arge Probleme.“ Erst recht, da Timo Röttger von der Tribüne aus mitansehen musste, wie Großaspach den Kampf um den Drittliga-Verbleib verlor. Er, der in den vergangenen Jahren zu den Lebensversicherungen der SG Sonnenhof zählte. Nun spielt der Knöchel nicht mit. Daran hat die Coronapause nichts geändert. Seit dem 1:0 am 29. Februar gegen Halle war der 34-Jährige nicht mehr am Ball und wird es heute ab 19 Uhr im letzten Heimspiel der Saison gegen den TSV 1860 München ebenfalls nicht sein. Für den Stürmer eine sehr bittere Zeit. Es könnte ein leiser Abschied für jemand werden, der mehr als ein Jahrzehnt einer der Köpfe der Liga war.

Wie es bei ihm weitergeht, das kann Timo Röttger nicht genau sagen. Fakt ist, dass sein Vertrag bei dem Klub aus dem Fautenhau ausläuft. Was wird? „Ich sehe erst einmal, dass ich fit werde. Ich werde hier wohnen bleiben, meine Reha machen und schauen, was mir mein Körper mitteilt.“ Momentan sei es so, dass er bereits das Treppensteigen spüre. Das endgültige Aus als Fußballer will er daraus aber nicht abgeleitet sehen, obwohl er sich schon Gedanken über die Karriere danach macht. Die Rolle als Co-Trainer hat er diese Saison neben der als Stürmer bei der SG ja bekanntlich bereits gespielt. „Ich kann mir durchaus vorstellen, in Großaspach was zu machen, Co-Trainer aber erst mal nicht, das wäre zu früh“, sagt Röttger dazu. Das Zeug dafür hätte er angesichts der Erfahrung aus 41 Zweitliga-Spielen für den SC Paderborn, 237 Drittliga-Partien für Dynamo Dresden, RB Leipzig und Aspach sowie einem Drittliga-Aufstieg (Leipzig) und zwei Zweitliga-Aufstiegen (Dresden, Leipzig).

„Bis zur Coronapause haben wir es einfach verkackt“

Derzeit plagt sich der Angreifer, der es aufgrund seiner Schlitzohrigkeit, seines Einsatzes und seines Wesens in Dresden, in Leipzig und in Aspach zum Fanliebling gebracht hat, allerdings mit den Doppelschmerzen wegen der verletzten Syndesmose und des Abstiegs herum. Zur Verletzung sagt Röttger: „Das sind Altlasten.“ Über den bitteren Gang in die Regionalliga urteilt er: „Bis zur Coronapause haben wir es einfach verkackt.“ Dass es besser geht, hätten die vergangenen Wochen gezeigt. „Da haben wir es gut gemacht, jedoch auch ein bisschen Pech gehabt.“ Vielleicht auch, weil der Angreifer fehlte, der bis zu dieser Saison für die SG in drei Runden jeweils zehn Treffer und einmal vier Tore erzielt hat. Insgesamt waren es in 155 Partien für die Elf aus dem Fautenhau 40 Treffer und 25 Vorlagen. Im Abstiegskampf der Vorsaison war Röttger einer der Vorkämpfer und Garanten, dass es Aspach auf den letzten Metern noch reichte. Diesmal klappte es nicht, obwohl die Leistung gerade wieder passt. Einen
Grund dafür sieht er in Trainer Hans-Jürgen Boysen: „Mit ihm ist Struktur in die Mannschaft zurückgekehrt. Er geht auf die Spieler zu, spricht mit ihnen, sieht aber auch, wenn Zeichen gesetzt werden müssen.“ Gerne hätte er mitgeholfen, das rettende Ufer erneut zu erreichen, doch der Fuß spielt einfach nicht mit.

Tatenlosigkeit sorgt für große Schmerzen

Deshalb sieht er entsprechend kritisch, was der DFB seinen Drittliga-Kollegen mit fünf englischen Wochen in Folge gerade zumutet: „Das ist eine Frechheit. Wenn bei dieser Überbelastung was passiert, ist allein der Spieler der Leidtragende. Er bekommt eventuell keinen neuen Vertrag, wenn er sich jetzt eine Verletzung zuzieht.“ Röttger fehlt das Verständnis vor allem dafür, dass „der Verband die Spieler nicht mit ins Boot geholt hat, und wenn er nur eine Umfrage unter allen Kapitänen gemacht hätte“. Ebenfalls nicht einverstanden ist der im Bergischen Land aufgewachsene und in der Jugend von Bayer Leverkusen groß gewordene Fußballer damit, dass der DFB zudem beschlossen hat, bei der Lizenzierung die wirtschaftlichen Fakten der Klubs zu ignorieren, und nicht einmal die Schulden berücksichtigte, die sich schon vor Corona angehäuft hatten. „Die finanziellen Geschichten mancher Klubs sind ein Unding“, ärgert sich einer, der seit über einem halben Jahrzehnt im Profigeschäft unterwegs ist. Wobei sich eines in all der Zeit nicht geändert hat: der Spaß an der Kickerei. Deshalb kommen zu den Schmerzen im Knöchel und denen wegen des Abstiegs noch die dazu, die einen zur Tatenlosigkeit verurteilten Vollblutfußballer plagen. Daran ändert sich auch im Alter von 35 Jahren nichts, wie Timo Röttger gesteht: „Am liebsten stehe ich auf dem Platz, und wenn ich das nicht kann, dann tut das weh.“

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Aufrufe: 01.7.2020, 09:00 Uhr
Backnanger Kreiszeitung / Uwe FlegelAutor

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