Warten auf den nächsten Einsatz: Die Falken (hier im Oktober 2020) müssten im Falle eines Saisonabbruchs dann in der A-Klasse ran
Warten auf den nächsten Einsatz: Die Falken (hier im Oktober 2020) müssten im Falle eines Saisonabbruchs dann in der A-Klasse ran – Foto: Christian Riedel

FC Falke Markt Schwaben: Gemeinschaft ist wichtiger als Abstieg

Ehemaliger Bayernligist vor Sturz in A-Klasse

Der FC Falke Markt Schwaben würde bei einem Saisonabbruch aufgrund der Quotientenregelung in die A-Klasse absteigen. Die Vorgehensweise des BFV wird nicht kritisiert.

Markt Schwaben – Einst war der FC Falke das Fußball-Flaggschiff des Landkreises, spielte lange Zeit Bayernliga und vor allem Landesliga. Nach den Turbulenzen von 2014, dem Abstieg in die Bezirksliga und dem freiwilligen Abgang in die Kreisklasse, hatten sich die Markt Schwabener auf Kreisebene sportlich konsolidiert. Der Verein war jedoch verschuldet, musste sich darum intern umkrempeln, veraltete Strukturen brechen und leitete 2018 mit der Wahl von Wolfgang Kirmaier (30) an die Spitze des FC einen Neuaufbau ein.

Nun, drei Jahre später und „unterstützt“ von Corona, droht das wachsende Gebilde eine böse Delle zu erhalten. Denn wenn das Zukunftsszenario, das der Bayerische Fußballverband (BFV) mit seinem Vier-Punkte-Plan skizziert hat (wir berichteten), umgesetzt werden muss, droht der einst ruhmreiche FC Falke im Falle eines Saisonabbruchs inklusive Quotientenregelung in die Niederungen der Buchstabenligen abzusteigen.

FC Falke Markt Schwaben: Abstieg in A-Klasse bei Saisonabbruch

Dass es möglicherweise in die A-Klasse hinab gehen könnte, findet der Markt Schwabener Präsident überhaupt nicht schön: „Das wäre für uns bitter und hart.“ Aber Jammern helfe in dieser Lage auch nicht. „Wir können es, wenn es denn nach dem 3. Mai so kommt, nicht ändern“, betont der 30-Jährige, der selber bis zuletzt noch in der Falke-Zweiten kickt. „Vor der Wiederaufnahme des Spielbetriebs im vergangenen Herbst waren wir in der Kreisklasse auf einem sicheren Nichtabstiegsplatz, eine Niederlage später sind wir aufgrund eines mehr absolvierten Spiels im Falle einer Quotientenregelung es halt nicht mehr.“

Es werde dem Verband nicht gelingen, die Saison regulär zu Ende zu bringen, meint Kirmaier. „Wenn die Regierung das Okay fürs normale Training und Spiele gibt, sollen bestimmt so viele Spiele wie möglich noch gemacht werden.“ Dass aber über den 30. Juni hinausgespielt wird, glaube er nicht. „Der BFV wird die Wechselfrist nicht nach hinten schieben.“ Die Saison sei aus seiner Sicht aufgrund zu vieler ausstehender Spiele eigentlich nicht mehr zu retten.

Kirmaier: „Gerecht für alle ist es nie“

Die aufkommende Kritik am Verband kann Kirmaier trotzdem nur bedingt nachvollziehen. „Das Wann und Wie der Entscheidungen, ob vor ein paar Monaten oder jetzt gefällt, spielt doch nur eine nebensächliche Rolle, denn gerecht für alle ist es nie.“ Es werde immer Benachteiligte geben, so wie eben den FC Falke.

Wie es dabei mit dem Ligapokal weitergeht (BFV-Deadline 19. April), ist Kirmaier „egal, das war eh nur ein Zuckerl“. Der Falke-Chef hat die gesamte Entwicklung des Vereins im Blick. „Unsere Prio läuft nicht auf irgendeine Ligenzugehörigkeit hinaus. Wir müssen schauen, dass wir unsere internen Hausaufgaben machen“, sagt er. Derzeit heißt es die Spieler im Hometraining zu beschäftigen und mit Videokonferenzen in die zukünftigen Umstrukturierungen – darunter unter anderem auch eine mögliche Spielgemeinschaft mit dem Ortsnachbarn BSG (Bericht folgt) – miteinzubeziehen.

FC Falke: Identifikation wichtiger als Ligenzugehörigkeit

Kirmaier will also keineswegs kurzfristig denken, „dass die A-Klasse uns alles kaputt macht. Nein, wir müssen viel weitsichtiger denken“, betont er. Beispiel gefällig? „Gehen Sie mal durch Markt Schwaben und fragen die Leute, in welcher Liga der FC Falke heute spielt. Keiner wird wissen, ob es Kreis- oder A-Klasse ist.“ Spielerisch sei es sowieso kein großer Unterschied mehr. „Ich weiß, dass uns die Sponsoren und Mitglieder die Stange halten – egal welche Klasse. Die unterstützen uns immer noch tatkräftig, sei es Buchstaben-Liga oder nicht.“

Ihm ist die Identifikation mit dem Verein ein wesentlich wichtigeres Thema als irgendeine bestimmte Klasse. „Wir wollen wieder mehr für die Gemeinschaft im Ort machen, zum Beispiel durch Aktionen wie die der Laufchallenge.“ Hier wurden 5000 Euro an wohltätige Zwecke erlaufen und gespendet. „Da ist die Liga nebensächlich“.

FC Falke Markt Schwaben: Jugendarbeit steht im Vordergrund

Vorerst. Natürlich ist Kirmaier bewusst, „dass für die jungen Spieler die A-Klasse lange nicht so attraktiv ist wie die Bezirksliga“. Irgendwann soll es wieder in höhere Gefilde gehen. Darum wolle man dem Nachwuchs eine geordnete sportliche Perspektive bieten. Man müsse zum Beispiel das Problem mit der A-Jugend in den Griff kriegen.

Im Vorjahr musste der Jugendverein SpVgg Markt Schwabener Au mangels Spielern die U19 abmelden, woraufhin sich die Mannschaft in alle Himmelsrichtungen verstreut hat. „Wir wollen unsere Jungs wieder zurückholen, damit sie wieder für Markt Schwaben spielen“, erklärt Kirmaier. Diese sollen bei den Herren schleunigst integriert werden. Zudem soll das A-Jugendloch im Herbst mit einem neuen Team im Herbst wieder gefüllt werden.

„Wir wollen sukzessive Etwas aufbauen“, betont er, „und daran arbeiten wir derzeit mit Hochdruck“. Denn Wolfgang Kirmaiers Ziel bei der Amtsübernahme vor drei Jahren war auch: „Den FC Falke wieder attraktiv für Jugendspieler und talentierte Spieler im Landkreis zu machen.“ Derzeit ruht das einstige Flaggschiff aber noch im Trockendock und wartet aufs Flottmachen.

(Olaf Heid)

504 Aufrufe8.4.2021, 07:17 Uhr
Ebersberger Zeitung / Olaf HeidAutor

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