Die beiden Rückkehrer Daniel Tarone (links) und Marcello Stellato übernehmen das Ruder beim FC Dietikon.
Die beiden Rückkehrer Daniel Tarone (links) und Marcello Stellato übernehmen das Ruder beim FC Dietikon. – Foto: PD

"Es soll nicht vom Geld abhängig sein, dass ein Spieler kommt"

Zwei Rückkehrer wollen den FC Dietikon umkrempeln

Trotz jeweils vieler Spielerwechsel ist der FC Dietikon in der 1. Liga eine feste Grösse. Die neue Führungsriege um Daniel Tarone und den Marcello Stellato will das Team festigen und den Limmattaler Traditionsverein als Ganzes weiterentwickeln. Das Geld soll dabei nicht im Vordergrund stehen.

Der FC Dietikon ist ein Phänomen. Seit Jahren spielt der Club in der 1. Liga. Der grösste Sportverein des Limmattals mit knapp 1000 Mitgliedern ist denn auch die fussballerisch attraktivste Adresse für Aktive und Junioren in der Gegend.

Dietikon ist die fünftgrösste Stadt des Kantons, das Einzugsgebiet für den FCD entsprechend gross. Und dieses schöpft der Verein aus – im Gegensatz zur drittgrössten Stadt Uster und zur Viertgrössten Dübendorf, deren Fanionteams beide in der 2. Liga herumdümpeln, wohl jedoch das Potenzial hätten, um wieder in der 2. Liga interregional zu spielen.

Seit 2008 setzt Dietikon allerdings mitunter auf bezahlte, externe Spieler und geniesst im Zürcher Amateurfussball einen zweifelhaften Ruf. Dem Fanionteam haftet das Etikett einer Wechselbörse, eines Durchlauferhitzers an. Saison für Saison vermeldet der FCD eine Vielzahl an Neuzuzügen und Abgängen.

Zwei Rückkehrer

Ein neues Duo ist bei den Dietikern fortan für die sportliche Zukunft besorgt. Als neuen Cheftrainer hat der Club ab der Saison 2021/2022 Daniel Tarone verpflichtet. Er hat für drei Jahre unterschrieben.

Der 45-Jährige hat als Profi weit über 300 Partien in der Super League absolviert – er spielte für seinen Stammverein, den FC Zürich, den FC Aarau und später vor allem für den FC Schaffhausen. Danach war er als Co-Trainer beim FC St. Gallen tätig, ehe er den deutschen Bezirksligisten aus dem knapp 1300-Seelendorf Gutenstetten in der bayrischen Region Mittelfranken trainierte, bei dem er aktuell noch immer engagiert ist. Tarone hat die Uefa-Pro-Lizenz und ist ausgebildeter Konditionstrainer.

Bis 2005 kickte Mittelfeldspieler Daniel Tarone unter Lucien Favre für den FC Zürich.
Bis 2005 kickte Mittelfeldspieler Daniel Tarone unter Lucien Favre für den FC Zürich. – Foto: Datenbank FC Zürich


An seiner Seite amtet Marcello Stellato als Leiter Fussball, der primär die Nachwuchsabteilung neu gestalten und entwickeln soll. Stellato war als Trainer unter anderem beim FC Zürich, Blue Stars und Horgen tätig und coacht zurzeit das U15-Juniorenteam Limmattal des Grasshopper Clubs.

Eine Herzensangelegenheit

Die beiden kennen sich von vergangenen Zeiten beim FC Zürich. Stellato fungierte damals als Goalietrainer unter Lucien Favre, Tarone bildete häufig zusammen mit Spielern wie Blerim Dzemaili, Daniel Gygax, Xavier Margairaz oder Almen Abdi das Mittelfeld. Zuletzt tauschten sie sich vor allem über die sozialen Medien aus. Für beide ist das Engagement auf der Dornau eine Rückkehr zu den Wurzeln. Tarone ist Dietiker. Seine Eltern wohnen noch immer am gleichen Ort. "Meine Familie kennt man hier natürlich."

Auch Stellato nennt die Nähe als wichtigen Grund für die Zusage. "Nun habe ich 5 Minuten mit dem Velo zum Trainingsplatz." Für beide ist das Engagement deshalb eine Herzensangelegenheit. "Ich fühle mich hier wohl und freue mich auf die Aufgabe", sagt Tarone, der sich selber als Arbeitertypen bezeichnet.

Früher Goalie-Konkurrenten, heute für die Geschicke des FCD verantwortlich: Marcello Stellato (vorne, Dritter von links) und Renato Casanova (vorne, Zweiter von rechts).
Früher Goalie-Konkurrenten, heute für die Geschicke des FCD verantwortlich: Marcello Stellato (vorne, Dritter von links) und Renato Casanova (vorne, Zweiter von rechts). – Foto: PD


Die Vereinsführung verspricht sich viel von diesem Engagement. Präsident Renato Casanova erhofft sich, "dass die beiden Profis mit ihrem Fachwissen die richtigen Personen für die Zukunft des Erstligisten sind und sich zu 100-Prozent mit der Aufgabe identifizieren." Casanova und Stellato waren übrigens einst erbitterte Konkurrenten auf der Torhüterposition bei den Dietikern.

Die neue sportliche Führungscrew will den FC Dietikon zu einem Stützpunkt mit einheitlichen Strukturen machen. "Wir wollen die Adresse für Fussball-Förderung im Limmattal sein", sagt Stellato. Er spricht auch gerne von einem "fussballerisches Förder- und Kompetenzzentrum" für die Region.

Gemeinsam kümmern sich um das Sportliche, machen die Transfers zusammen, entwickeln Trainingskonzepte, und bieten auch Individualtrainings an, wie dies Tarone bereits mit seiner privaten Fussball-Academy tut.

Nachwuchs gezielter fördern

Im Verein gehe um ein einheitliches Verständnis gewisser Ausbildungsschwerpunkte wie etwa das Zonenspiel, das Spiel ohne Ball und klares Positionsspiel, sagt Tarone. "Wir werden beispielsweise auch gezielt mit Videoanalysen arbeiten." Ein Mittel, das Tarone auch aus der deutschen Bezirksliga kennt, dessen Niveau er irgendwo zwischen 1. Liga und 2. Liga interregional einstuft.

Der FCD hat es sich zum Ziel gesetzt, seine Junioren noch gezielter zu fördern und auf einen möglichst hohen Leistungsgrad zu bringen, um die erste Mannschaft mit Nachwuchskräften zu verstärken.

"Wir wollen, dass sich gerade junge Spieler stark mit dem Verein identifizieren", so Tarone. Die direkte Integration von talentierten A-Junioren aus der Coca Cola League in die 1. Liga sei aber oft schwierig – nur schon aufgrund der körperlichen Intensität.

Deshalb gehe es darum, diese Spieler langsam an die erste Mannschaft heranzuführen, ihnen Teileinsätze zu ermöglichen oder ihnen zunächst Spielpraxis in der zweiten Mannschaft zu gewähren.

Fussballerische Hauptadresse des Limmattals: Die Sportanlage Dornau ist die Heimstätte des FC Dietikon.
Fussballerische Hauptadresse des Limmattals: Die Sportanlage Dornau ist die Heimstätte des FC Dietikon. – Foto: PD

Das Problem: Dietikons Reserven kicken derzeit in der 4. Liga, der Niveau-Unterschied zum Fanionteam ist also riesig. "Ziel ist es, dass die zweite Mannschaft so bald wie möglich den Aufstieg schafft", sagt Tarone. Und Stellato ergänzt, dass man sich in Dietikon längerfristig an Modell orientieren wolle, wie es Red Star oder Wettswil-Bonstetten haben – mit einer ersten Mannschaft in der 1. Liga und den Reserven in der 2. Liga. "Mit unseren Junioren haben wir ein grosses Potenzial", sagt Stellato.

Geld nicht mehr prioritär

Sportlich steht die erste Mannschaft aktuell auf einem Abstiegsplatz. Der Rückstand auf den rettenden Strich beträgt vier Punkte. Es sind noch vier Spiele zu absolvieren, ehe die Hinrunde beendet und die Meisterschaft sportlich gewertet werden kann. In der Qualifikation für den Schweizer Cup treffen die Dietiker auf den Erstligisten FC Biel. Noch ist unklar, ob Tarone bereits für die verbleibenden Partien an der Seitenlinie stehen wird.

"Sobald wir wissen, wann und wie es sportlich weitergeht, müssen wir evaluieren, wer von den Spielern die Dietiker DNA mitbringt und mit dem Verein weiterzieht", sagt Tarone. Er spricht zudem von punktuellen Verstärkungen im Kader. Es laufen schon erste Gespräche. Vieles ist aber noch nicht konkret. "Wir brauchen eine erfahrene, gute Achse, an denen sich gerade eben die jungen Spieler orientieren können."

Auf externe Spieler verzichten wird gleichwohl nicht möglich sein. Doch Tarone stellt klar: "Es soll nicht in erster Linie vom Geld abhängig sein, dass ein Spieler zu Dietikon kommt, sondern von dem was wir an fussballerischer Ausbildung und Infrastruktur bieten können."

Aufrufe: 1.5.2021, 08:11 Uhr
Marco HuberAutor

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