Doppel-Faxe

Der fußballverrückte Keeper des FC Einheit Rudolstadt, der auf den Spitznamen "Faxe" hört, ist ein Double-Player. Denn Christian Unbehaun spielt Fußball und Futsal...

Christian Unbehaun ist ein Double Player. Damit umschreibt man in Fußballkreisen für gewöhnlich den Umstand, dass derjenige sowohl Fußball als auch Futsal spielt.

BERICHT von Hartmut Gerlach // FC Einheit Rudolstadt

Letzteres ist eine Form des Hallenfußballs, wonach seit wenigen Jahren in allen DFB-Landesverbänden bei Meisterschaften gespielt wird. Zum traditionellen Hallenfußball bestehen einige Unterschiede. So gibt es unter anderem einen sprungreduzierten Ball, bestimmte Strafstoßregeln und Vorschriften für den Torhüter oder auch eine verschärfte Rückpassregel.

Christian Unbehaun besitzt Spielberechtigungen für den Fußball beim FC Einheit Rudolstadt und für die Futsal-Mannschaft des FC Carl Zeiss Jena. Die gehört seit der Saison 2019/20 als einzige Thüringer Vertretung der aktuell höchsten Spielklasse, der Regionalliga Nordost, an.

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Diese für deutsche Verhältnisse relativ neue Form, auf dem Parkett zu spielen, gefiel Christian Unbehaun, Torhüter der 2. Mannschaft des FC Einheit, im Gegensatz zu manchen Teamgefährten und Kickern in Thüringen auf Anhieb. Und als der Futsal-FIFA-Schiedsrichter Swen Eichler im Verein auftrat und die Regeln erklärte, beschäftigte sich der gelernte Mechatroniker, der in einem Saalfelder Unternehmen für Medizintechnik im Bereich der Logistik arbeitet, endgültig mit der neuen Sportart.

– Foto: Kathrin Kürbs

„Futsal hat sich für mich als eine sehr attraktive Form des Fußballs entpuppt. Doch das, was wir bei den Meisterschaften gespielt hatten, geschah auf niedrigem Futsal-Niveau und ohne taktische Finessen. Es blieb beim klassischen Hallenfußball mit Futsal-Regeln“, erklärt er und erläutert auch, wie er zum FC Carl Zeiss Jena kam: „Als Marcel Reinhardt, der Co-Trainer der 1. Mannschaft, als Physiotherapeut mit der TFV-Futsalauswahl zum Länderpokal nach Duisburg gefahren ist, habe ich erst mitbekommen, dass es beim FC Carl Zeiss das Futsal-Projekt gibt. Dafür werde, das teilte Reinhardt seinem Vereinsmitglied mit, noch ein Torhüter gesucht." Der Jähnisch-Assistent wörtlich: „Für so einen Verrückten wie dich wäre das doch genau das Richtige.“

Das „Angebot“ habe er zwar zuerst mit einem Lachen abgetan, aber sich dann doch etwas mehr damit beschäftigt. Es folgten Kontaktaufnahmen über die sozialen Medien zu den Jenaer Spielern und dann ein unverbindliches Probetraining, sagt „Faxe“, wie er in Anspielung auf eine Biersorte bzw. eine Fernsehserie nicht nur im Verein gerufen wird. Mancher kennt seinen tatsächlichen Namen vielleicht gar nicht.

– Foto: © FC Carl Zeiss Jena Futsal

Er habe nicht unbedingt die Idealmaße für einen Torhüter, räumt er ein. Aber das spielte für die Jenaer Futsaler keine Rolle und sie freuten sich offensichtlich über den Zugang. Unbehaun betont: „Seitdem bin ich mit Freude und Leidenschaft bei der Sache.“ Das kann Spielertrainer Dominik Naujoks nur bestätigen: „Faxe ist in unserer Mannschaft der motivierteste und ehrgeizigste Mann.“ Aber, das weiß auch der Einheit-Kreisliga-Keeper, Björn Engmann, oft verletzungsgeplagt, ist die Nummer im Kasten des Regionalligisten.

In der Regel finden die Spiele der Futsal-Regionalligamannschaft sonntags statt. Nur wenn es Überschneidungen geben sollte und keiner der insgesamt drei anderen Torhüter beim FCC zu Verfügung steht, gehört die Priorität den Zeiss-Städtern. Aber eigentlich hat für Christian, der seit dieser Saison der Kapitän der Zweiten ist, der Rudolstädter Kreisligist Vorrang. „Die Zweite ist und bleibt meine Mannschaft“, bekräftigt er. So habe er auch das Futsal-Spiel gegen Potsdam verpasst. Man müsse immer im konkreten Fall abwägen, wer zur Verfügung stehe und was Sinn mache, so Unbehaun zu möglichen Entscheidungen in solchen Fällen.

Mit Unterstützung der Freundin koordiniert er für sich selbst das Training in Jena und beim FC Einheit. Es gab Zeiten, da habe er neben der Arbeit fünf Mal trainiert. Zwei Mal in Jena und an drei Abenden in der Ersten, wo er häufig beim Trainingsspielchen zweiter Keeper war, und der 2. Mannschaft. „Ich stand permanent unter Strom“, sagt er rückblickend. Deshalb war der Lockdown von 100 auf null besonders für ihn ein sehr schwieriger Schritt. Verständlich, dass ihm der Ball, auch wenn er unterschiedlich ist, fehlt.

Das mit der Fußballverrücktheit, von der Marcel Reinhardt sprach, hat in vielerlei Hinsicht ihre Berechtigung. Christian Unbehaun, der mit nur einer kurzen Unterbrechung seit dem 6. Lebensjahr bei der Einheit spielt und seit 2013 dem Männerbereich angehört, ist auf vielen Mannschaftsfotos des Vereins zu finden. Nicht, weil er sich gern ablichten lässt, sondern weil er bei den betreffenden Teams im Nachwuchs- oder Männerbereich entweder als Übungsleiter, Assistent oder Betreuer im Ehrenamt tätig war. Bei der Einheit ist er ein Stück weit die gute Seele des Vereins, weil er viele Aufgaben im Ehrenamt erfüllt. Diese Rolle will der Double-Player auch künftig spielen.

Aufrufe: 016.4.2021, 17:00 Uhr
H. Gerlach // Einheit RudolstadtAutor

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