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FC Bierstadt trauert um Gert Kramp

FCB nach Tod des Co-Trainers unter Schock +++ Genialer Fußballer und prägender Mensch mit positiver Ader

von Stephan Neumann · 10.03.2026, 14:30 Uhr · 0 Leser
Als Spieler und Trainer in Wiesbaden und Umgebung bekannt und beliebt - nun ist Gert Kramp unerwartet verstorben. Bis zuletzt war er als Co-Trainer beim FC Bierstadt tätig gewesen.
Als Spieler und Trainer in Wiesbaden und Umgebung bekannt und beliebt - nun ist Gert Kramp unerwartet verstorben. Bis zuletzt war er als Co-Trainer beim FC Bierstadt tätig gewesen. – Foto: Willi Roth (Archiv)

Wiesbaden. Diese Nachricht erschüttert und trifft alle bis ins Mark im Lager des FC Bierstadt und in der gesamten Fußball-Gemeinschaft rund um Wiesbaden: FCB-Co-Trainer Gert Kramp wurde im Alter von 62 Jahren in seiner Wohnung leblos aufgefunden. Bierstadts Chefcoach René Keutmann bestätigt die traurige Gewissheit. „Das ist nicht zu greifen, hammerhart“, ringt er um Worte. Gert Kramp war Freund, Partner, ein genialer Fußballer, ein Typ mit schier endlosem Repertoire an Sprüchen und vor allem ein prägender Mensch mit positiver Ader. Die Lücke, die er beim FCB hinterlässt, ist von der Dimension nicht zu ermessen.

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Als Gert Kramp am Sonntag im Vorfeld des Spiels gegen Spitzenreiter VfB Unterliederbach nicht wie gewohnt zur Stelle war, schwante René Keutmann schon nichts Gutes. Er wusste, dass sein Partner und Freund sonntags zuvor stets für die Landhaus-Küche Essen ausfährt, um danach direkt zum Sportplatz zu fahren.

Diesmal war es anders. Christian Schirmer, Sportlicher Leiter des FCB, forschte nach. Bei Gert Kramps früheren Club Spvgg. Amöenburg herrschte Besorgnis. Ein Amöneburger AH-Spieler und Freund schaltete sich ein. Es gelang schließlich, Gert Kramps Tochter Lisa zu kontaktieren. Sie suchte sofort die Wohnung ihres Vaters auf. Für ihn kam aber jede Hilfe zu spät.

Vor rund vier Jahren hatte René Keutmann seinen Spezi angerufen, machte ihm dem Part des Torwarttrainers beim FC Bierstadt schmackhaft. „Ich komme“, war damals die kurze Antwort, erinnert sich der Chefcoach. So wurde der FCB für den herausragenden Techniker zum Anker und zur Rückkehr auf den Fußballplatz, auf dem er schon früh einen Triumph erlebte. Am 7. Juli 1980 zählte Gert Kramp im Endspiel um die deutsche B-Jugendmeisterschaft beim FC Schalke 04 zur Startformation der Frankfurter Eintracht, die nach Toren von Uwe Müller und Andreas Hofmann in Gelsenkirchen mit 2:1 gewann. Unter Eintracht-Trainer Klaus Mank zählt auch der spätere Weltmeister Thomas Berthold zur Frankfurter Mannschaft. Bei Schalke coachte Eintracht-Legende Fahrudin Jusufi, der auch Spieler bei Germania Wiesbaden war.

Glanzvolle Zeiten als Spieler beim FV Biebrich

Gert Kramp sollte später mit seiner technischen Brillanz und seiner Übersicht bei Biebrich 02 glanzvolle Zeiten erleben. „Seine letzten Pässe kamen millimetergenau“, weiß René Keutmann noch ganz genau. Er, der eigentlich seinem Mittelfeld-Gefährten den Rücken freihalten sollte, wurde so in einer Verbandsliga-Saison zum 16-fachen Torschützen. Der Fußball lag Gert Kramp schlicht im Blut, genauso wie das lockere Mundwerk. „Wenn der Gert angefangen hat, Hochdeutsch zu sprechen, wurde es meistens ernst“, weiß René Keutmann nur allzu gut. Und wie es ohne seinen Kompagnon jetzt bei der FCB-Ersten weitergehen soll, dazu fehlt ihm im Moment noch der Ansatz.

Rene Keutmann (rechts) und Gert Kramp agierten als Duo an der Seitenlinie beim FC Bierstadt.
Rene Keutmann (rechts) und Gert Kramp agierten als Duo an der Seitenlinie beim FC Bierstadt. – Foto: Leandra Schmidt (Archiv)

Doch der Coach weiß auch: „Der Gert würde sagen, geht raus und spielt.“ Ob das auch für das anstehende Pokalspiel an diesem Mittwoch bei Hellas Schierstein gilt, darüber werden sie in Bierstadt noch eingehend beraten. Zu tief sitzt der Schock über den Verlust eines leidenschaftlichen Menschen und Fußballers.

Ein fairer Teamplayer, als Spieler und als Trainer

Bei allen Sprüchen und Frotzeleien, Gert Kramp bestach als Teamplayer und durch Fairness. Er spielte auch bei der SGN Diedenbergen und der SG Görsroth, gab sein Faible für den Fußball als Coach beim FC Freudenberg, in Diedenbergen, bei der Sportvereinigung Amöneburg mit dem Aufstieg in die Gruppenliga weiter. Vier Gruppenliga-Jahre bei Germania Weilbach und die Station TV Wallau kommen hinzu, ehe ihn René Keutmann zum FC Bierstadt lotste. Es war eine Freundschaft, die auf gegenseitigem Respekt beruhte. Das wurde bei einer Begegnung mit Gert Kramp in der Wiesbadener Fußgängerzone deutlich, als er mit größter Anerkennung vom Engagement seines Freundes René Keutmann in Bierstadt sprach. Ein starker Fußballer und eine starke Stimme – Gert Kramp hinterlässt eine große Lücke, aber auch ein Füllhorn an prägenden Erinnerungen bei allen, die ihn als Fußballer und Coach kennengelernt haben.