Dunkle Wolken über der Fußball-Oberliga (so wie hier am Binger Hessenhaus): Unter der Annullierung der Runde würde auch die Verbandsliga leiden.
Dunkle Wolken über der Fußball-Oberliga (so wie hier am Binger Hessenhaus): Unter der Annullierung der Runde würde auch die Verbandsliga leiden. – Foto: Mario Luge

Warum die Verbandsliga vor einem Oberliga-Abbruch zittert

Wann und wie geht es in der Fußball-Oberliga weiter? Das Zeitfenster wird von Woche zu Woche kleiner. Und auf einmal zittert auch die Verbandsliga mit.

EDENKOBEN - Wer hat den Plan? Wie es in der Fußball-Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar nach der Corona-Zwangspause weitergeht, darüber sprachen in dieser Woche erneut die Verantwortlichen des Fußball-Regionalverbands Südwest (FRV). Der Spielausschuss diskutierte: Geht es weiter? Wenn ja, wann? Und vor allem, wie?
Eines vorneweg: Konkrete Entscheidung gab noch nicht. Die sind erst in einer Präsidiumssitzung des FRV am 4. Februar zu erwarten - alles abhängig von Politik und Corona.

Dennoch scheint eins bereits jetzt sicher: Auf- und Abstiegsrunden wird es in der Oberliga nicht geben. "Unser vorrangiges Ziel ist es, die Vorrunde (alle Spiele der beiden Staffeln, Anm. d. Red.) durchzubringen, um die Saison werten zu können", sagt FRV-Geschäftsführer Oliver Herrmann. Doch ist das ein realistisches Ziel? Das ist nicht die einzige Frage.

Eure Meinung ist gefragt: Kann die Saison in der Fußball-Oberliga sportlich zu Ende gebracht werden?

Was ist der Staus quo in den beiden Staffeln der Oberliga? Sowohl in der Nord- als auch der Südstaffel sind offiziell neun Spieltage über die Bühne gegangen. Ergo müssten alle 24 Teams neun Partien absolviert haben. Theoretisch. In der Praxis sieht die Lage jedoch etwas anders aus. Während in der Südstaffel bis auf den FC Speyer und den FV Eppelborn (jeweils acht Spiele) alle Mannschaften ihr Soll erfüllt haben, haben dies im Norden mit Hassia Bingen, der TuS Koblenz und dem FSV Salmrohr gerade mal drei Teams. Der FV Engers und die SG Mülheim-Kärlich haben sogar erst sechs Mal gespielt.

Wann rollt der Ball wieder? Das kann aktuell niemand genau sagen und ist abhängig von den Verfügungen der Politik in Bezug auf die Corona-Pandemie. Eins dürfte aber klar sein: Der geplante Re-Start am Wochenende des 27./28. Februar steht aktuell nur noch auf dem Papier. Auch beim Verband scheint man sich bereits mit einem späteren Termin für die Wiederaufnahme des Spielbeginns angefreundet zu haben. FRV-Geschäftsführer Herrmann spricht in diesem Zusammenhang verdächtig oft von "Ostern". Wie viele Spieltage stehen zur Verfügung? Sollte - so wie es aussieht - an Ostern wieder gespielt werden, stehen elf Wochenenden für 13 Spieltage zur Verfügung.

Wann ist letzter Spieltag für die "normale" Saison? Spätestens am 13. Juni muss die Runde beendet sein, um noch Platz für mögliche Entscheidungsspiele zu haben.

Wie wahrscheinlich ist eine Auf- und Abstiegsrunde? Die Wahrscheinlichkeit, dass Play-offs gespielt werden können, geht gegen null. Zum einen, weil niemand weiß, wann überhaupt wieder gespielt werden kann. Zum anderen, weil viele Teams noch ein Mammutprogramm zu absolvieren haben. Beispiel FV Engers: Die Rheinländer müssen noch 16 Spiele in der Vorrunde bestreiten und sind zudem im Verbandspokal vertreten. Dort könnten im Idealfall noch einmal sechs Partien für den amtierenden Rheinland-Pokalsieger hinzukommen. Macht in Summe 22 Spiele - ohne Play-offs.

Unter welcher Voraussetzung wird die Saison gewertet? Die Saison 2020/21 wird nur dann gewertet, wenn mindestens die Vorrunde (also alle Spiele in Nord- und Südstaffel) komplett absolviert wurde. Fehlt auch nur eine einzige Partie, wird die Runde annulliert.

Wie wird die Saison gewertet? Beide Staffeln werden in einer Tabelle zusammengefasst und gemäß ihrer Punktzahl geordnet. Im Gegensatz zu den Spielklassen von der Verbandsliga abwärts zählt auch die Tordifferenz.

Wie viele Mannschaften steigen bei einer Wertung nach der Vorrunde auf? Der Tabellenerste der aus Nord- und Südstaffel zusammengefassten Tabelle steigt direkt in die Regionalliga Südwest auf. Der Tabellenzweite bestreitet mit den Tabellenzweiten der Hessenliga und der Oberliga Baden-Württemberg eine einfache Spielrunde mit einem Heim- und Auswärtsspiel um einen weiteren Aufstiegsplatz.

Wie viele Mannschaften steigen in die Verbandsliga ab? Maximal acht, mindestens aber vier Mannschaften steigen am Ende dieser Spielzeit in die Verbandsliga ab. Diese außergewöhnlich hohe Anzahl an Absteigern hängt damit zusammen, dass man in der kommenden Runde 21/22 die Oberliga auf 22 Teams reduzieren möchte.

Was passiert, wenn die Oberliga-Saison annulliert wird? Sollte tatsächlich der "Worst Case" eintreten und die Saison nicht gewertet werden, hätte das vor allem für potenzielle Aufsteiger aus der Verbandsliga fatale Folgen. Bei einer Annullierung nämlich dürften die drei Verbandsliga-Meister nicht in die Oberliga aufsteigen - selbst wenn sie mindestens ihre Vorrunde in der Verbandsliga vollständig absolviert haben. Auf der anderen Seite jedoch darf sich der nach der Quotienten-Regelung ermittelte Oberliga-Meister für die Regionalliga bewerben. Absteiger aus der Oberliga in die Verbandsliga gibt es dagegen keine.

Aufrufe: 1.2.2021, 07:30 Uhr
Marcel Fennel und Mario LugeAutor

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