Fans von 1860 München stehen auf der Tribüne und schwenken ihre Schals, der Blick geht auf den Rasen
Fans von 1860 München stehen auf der Tribüne und schwenken ihre Schals, der Blick geht auf den Rasen – Foto: Andreas Gebert/dpa

Wieder Stress ums Grünwalder Stadion: CSU-Politiker spricht von „gebrochenem Wahlkampfversprechen“

Löwen geben sich zahm

Das Grünwalder Stadion ist längst wieder die Heimat der Löwen geworden. Von der Stadt wird der Drittligist aber im Stich gelassen, findet ein Münchner CSU-Politiker.

München - In der unendlichen Geschichte um den geplanten Ausbau des Grünwalder Stadions zeichnet sich nun auch ein politischer Streit ab. Der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Stephan Pilsinger wirft der Stadtspitze Planlosigkeit vor.

Pilsinger hält es zudem für unredlich, dass OB Dieter Reiter und Sport-Bürgermeisterin Verena Dietl (beide SPD) „permanent dem TSV 1860 den Schwarzen Peter in die Schuhe schieben“. Der Parlamentarier: „Gerade wenn man den historischen Wert des Stadions bedenkt, müsste die Stadt selbst Interesse daran haben, die Ertüchtigung anzugehen.“

Maximale Zuschauerzahl im Grünwalder Stadion steigt wohl nur auf 18.100

Zum Hintergrund: Reiter hatte zuletzt gesagt, die Beschlussvorlage für den Stadtrat zum zweitligatauglichen Umbau des Grünwalder Stadions sei fertig. Vorgesehen sind unter anderem eine Komplettüberdachung, VIP-Logen und ein neues Flutlicht. Allerdings würde die maximale Zuschauerzahl von aktuell 15.000 nur auf 18.100 erhöht werden. Der Vorbescheid für den Ausbau liegt seit September 2020 vor.

Laut Reiter hat sich die Stadt mit den Löwen aber noch nicht auf die künftige - wohl wesentlich höhere - Miete einigen können, was der eigentliche Grund für die Verzögerung sei. Das Investment für die Renovierung liegt Reiter zufolge zwischen 40 und 70 Millionen Euro. Kosten, die die Stadt mit einer höheren Miete für die nutzenden Vereine und langfristigen Mietverträgen - vor allem mit 1860 - refinanzieren will.

Bürgermeisterin Dietl legte nun in einem Interview mit der AZ nach und schlug dem Drittligisten vor, den Stadion-Umbau selbst zu übernehmen. Was über einen Erbpachtvertrag geregelt werden könnte.

Pilsinger warnt vor „gebrochenem Wahlkampfversprechen“

Pilsinger wirft der Rathausspitze vor, das Projekt auf die lange Bank zu schieben. „Die grün-rote Rathaus-Regierung hat sich für den Ausbau des Grünwalder Stadions ausgesprochen. Wenn jetzt nicht endlich etwas passiert, muss man das auch als gebrochenes Wahlkampfversprechen bezeichnen.“

Der CSU-Politiker erinnert daran, dass die Stadt beim Bau der Allianz Arena einen Betrag von rund 150 Millionen Euro für die Finanzierung der notwendigen Infrastruktur und die Subventionierung des Grundstücks ausgegeben habe. Es sei daher völlig unverständlich, dass beim Grünwalder Stadion nichts vorangehe. Auch die Stadtrats-CSU hatte zuletzt nachgefragt, wann nun endlich mit einer Behandlung im Stadtrat zu rechnen sei.

1860 will unterdessen kein zusätzliches Öl ins Feuer gießen: Im Sinne einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit sei es zielführend, „wenn sich die jeweiligen Entscheider der Stadt mit der Geschäftsführung von 1860 direkt unterhalten“, heißt es in einer Stellungnahme des Vereins. (kv)

Aufrufe: 025.11.2021, 07:24 Uhr
Klaus VickAutor

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