Jann-Fiete Arp hat beim FC Bayern einen schweren Stand.
Jann-Fiete Arp hat beim FC Bayern einen schweren Stand. – Foto: Imago Images

Umgang mit Talenten: Was wird jetzt aus Jann-Fiete Arp beim FC Bayern?

In München auf dem Abstellgleis

Jann-Fiete Arps Karriere ist ins Stocken geraten. Reinhard Hübner macht sich in seiner Kolumne „Zwischentöne“ Gedanken über den Umgang mit Talenten beim FC Bayern.

München - Ein wenig ungewöhnlich ist schon, dass sich Fußball-Fans von Hamburg bis München um die sportliche Zukunft eines Reservisten, besser: Ergänzungsspielers, eines Drittliga-Absteigers sorgen. Jann-Fiete Arp aber ist kein normaler Kicker, sondern ein Talent, das noch vor drei Jahren als bester deutscher Nachwuchsspieler mit der Fritz-Walter-Medaille in Gold ausgezeichnet wurde, der mit 17 erst den HSV vor dem Abstieg retten sollte, später dann Fußball-Deutschland.

Mit 21 aber beim FC Bayern in der Drittklassigkeit versunken, in die vierte Liga abgestiegen ist, fürstlich entschädigt mit kolportierten fünf Millionen Euro im Jahr und Vertrag bis 2024. Neulich hat Arp dem „kicker“ gesagt, er sei „an sich selbst gescheitert“. Ist er das? Arp soll blitzgescheit sein, geerdet, ohne Allüren, obwohl er in Hamburg als Abiturient auf dem Schulhof Fünft- und Sechstklasslern Autogramme geben, Selfies machen musste. Wie sollte so einem bodenständigen Jungen der frühe Ruhm in den Kopf gestiegen sein?

Jann-Fiete Arp: Wechsel vom Hamburger SV zum FC Bayern war Anfang vom Ende

Er ist, obwohl schon heftig vom FC Bayern* umgarnt, mit dem HSV in die zweite Liga gegangen, er war nicht nur Spieler, er war Fan dieses Vereins. Er trug, wie man sagt, „die Raute im Herzen“. In der zweiten Liga aber konnte er nicht wie erhofft glänzen, nach verpasstem Aufstieg ging er dann doch nach München. Wegen des vielen Geldes? Menschen, die Arp nahestehen, glauben das nicht. Also wegen der tollen Perspektiven, die ein Klub wie der FC Bayern bietet, so jedenfalls Arps Berater. Wie dem auch sei, der (viel zu) frühe Wechsel zum ungünstigsten Zeitpunkt war der Anfang vom Ende, das bei einem 21-Jährigen selbstredend nur vorläufig sein kann.

Status quo ist nun, dass er gerade, statt bei der EM für Deutschland zu kicken oder zumindest für die U21 bei der EM in Ungarn, über seine Zukunft nachdenken muss. Regionalliga mit dem FC Bayern dürfte keine Option sein, ein Schritt zurück aber würde ihn unfassbar viel Geld kosten. Was läuft da schief?

FC Bayern: Schon mehrere Talente gerieten beim Rekordmeister auf das Abstellgleis

Nun kann man sich beklagen über den steinreichen FC Bayern, der zuletzt immer wieder die größten Talente der Republik mit viel Geld nach München gelockt und häufig frustriert wieder weggeschickt hat. Und man kann fragen, ob es immer der richtige Weg war für einen Sinan Kurt etwa, einen Mitch Weiser oder einen Leon Dajaku, die sich in Gladbach, Köln oder Stuttgart vielleicht besser entwickelt hätten.

Man hat sie nicht gezwungen, vielleicht aber waren sie einfach falsch beraten. Glaubt ein 18-Jähriger wirklich selbst, sich auf Anhieb im internationalen Starensemble der Bayern durchsetzen zu können? Hat etwa ein Alexander Nübel* wirklich gedacht, hinter einem Manuel Neuer* die dringend nötige Spielpraxis zu bekommen? Oder hat nur ein gieriger „Berater“ die Chance auf richtig dicke Kohle gesehen?

Karim Adeyemi wurde behutsam an den Fußball der Großen herangeführt

Sicher kann man dem FC Bayern nicht vorwerfen, hoffnungsvolle deutsche Talente, ohnehin nur mehr spärlich gesät, zu zerstören, das wäre übertrieben. Die Frage aber muss man schon stellen, ob der Verein nicht ein ziemlich perfides Spiel treibt mit den Träumen junger Menschen, in der vagen Hoffnung, aus der Masse irgendwann doch das eine Juwel wie damals Kimmich rauszupicken. Und der Rest? Kann ja wieder gehen. Knallhart ist das System.

Wie man Schritt für Schritt, aber nachhaltig, nach oben kommen kann, zeigt gerade Karim Adeyemi. Mit zehn von den Bayern nach Unterhaching gewechselt, dort behutsam, sportlich wie persönlich, geformt, bei RB Salzburg* früh an den Fußball der Großen herangeführt, inzwischen schon Champions League*-erfahren. Und jetzt mit 19 bei der U21-EM. Die Fußball-Welt steht ihm weit offen. Was aber wird aus Jann-Fiete Arp*? (VON REINHARD HÜBNER) *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

Aufrufe: 07.6.2021, 10:56 Uhr
Reinhard HübnerAutor

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