Profis und Amateure: In der Regionalliga Bayern gehen die Blickwinkel teils auseinander.
Profis und Amateure: In der Regionalliga Bayern gehen die Blickwinkel teils auseinander. – Foto: Imago Images / Eibner

Regionalliga-Klubs toben: Profiliga ohne Abstimmung - Keine Einigkeit, keine Winterpause

BFV-Spielleiter erklärt umstrittene Corona-Entscheidung

Die Regionalliga Bayern ist eine Profiliga. Ihre Spieler aber größtenteils nicht. Etliche Trainer schimpfen über die Fortsetzung. Der BFV verweist auf Uneinigkeit in der Liga.

München - Keine Winterpause für Bayerns Regionalligisten. Der aktuellen Entwicklung der Corona-Pandemie zum Trotz. Der Fußballverband schickt alle Amateurligen in den Winterschlaf, nimmt die als professionell deklarierte Regionalliga aber von den Maßnahmen aus.

Kritische Stimmen zu dieser Entscheidung häufen sich. „Um uns verrecken die Leute - und wir spielen Fußball“, prangert Rosenheims Trainer Florian Heller an. „Das ist weltfremd“, schimpft Heimstettens Christoph Schmitt über die Entscheidung des Bayerischen Fußballverbands. Kollegen aus Burghausen, Buchbach, Rain, Eichstätt und Pipinsried haben sich bereits ähnlich geäußert.

Corona: Regionalliga Bayern setzt Spielbetrieb fort - „Und was, wenn was passiert auf dem Sportplatz?“

Nach dem Spiel gegen den FC Bayern München* schloss sich auch Memmingens Thomas Reinhardt dem O-Ton an. Und das, obwohl es bei seinem Team aktuell gut läuft. „Ich bin schon bei ein paar Trainerkollegen“, ordnete er ein, „wenn wir es rein sportlich sehen, sage ich, lasst uns die paar Spiele noch mitnehmen. Weil wir jetzt ganz gut drauf sind. Aber, wenn man die ganzen anderen Sachen sieht, kann man das schon verstehen. Viele Krankenhäuser sind voll. Und was, wenn was passiert auf dem Sportplatz?“

„Ja, da hätte man uns schon in die Winterpause schicken können“, schließt Reinhardt. Trainer und Verantwortliche aus acht Vereinen haben diese Haltung bereits offen mitgeteilt. Wieso läuft der Spielbetrieb in Bayerns Regionalliga trotzdem?

Regionalliga Bayern ist Profiliga: Nur sieben Teams aber keine Amateure - Fortsetzung wegen Uneinigkeit

Der BFV hat sie im Sommer als Profiliga eingestuft. Die aktuellen Verordnungen betreffen die Regionalliga Bayern deshalb nicht. Eine frühzeitige Winterpause wäre zwar möglich, ist aber nicht rechtlich nicht notwendig.

„Wenn von staatlicher Seite aus gespielt werden darf, haben die Vereine den Anspruch, das auch zu tun“, sagt Verbandsspielleiter Josef Janker. Die beiden Ligasprecher und Janker haben eine Umfrage unter den Regionalligisten gestartet. Ein einheitliches Bild habe sie aber nicht ergeben. Manche Vereine wollen spielen, andere nicht. „Wir sind froh, die nächsten zwei Spiele spielen zu dürfen“, sagte beispielsweise Bayerns Martin Demichelis. Sechs seiner 19 Kollegen trainieren ebenfalls Profimannschaften und dürften das ähnlich sehen. Der Verband halte sich jetzt strikt an die offiziellen Vorgaben der Staatsregierung, erläutert Janker.

Janker merkt an: „Die Liga hat sich den Status einer Profiliga gegeben. Wir wissen: Die Spieler sind größtenteils keine Berufsfußballer. Das ist aber nicht entscheidend und müsste jedem bewusst sein.“ Der Verband zwinge keinen Verein zu spielen. Verlegungen sind möglich, wenn sich beide Seiten einig sind. So sei es in der Regionalliga ohnehin immer gewesen.

„Wir haben nicht abgestimmt“: BFV deklarierte Regionalliga zu Profiliga um ersten Lockdown zu umgehen

Aber wieso ist die Regionalliga Bayern überhaupt eine Profiliga, wenn der Großteil der Teams nicht aus Profispielern besteht? „Wir haben nie für eine Profiliga votiert. Wir wurden weder gefragt, noch stehen wir dahinter. Dass wir jetzt weiterspielen, wurde über unsere Köpfe hinweg entschieden“, schimpfte Markus Clemens, sportlicher Leiter des SV Schalding-Heining bei „beinschuss.de“.

„Wir haben nicht abgestimmt - dafür gibt es auch keine Grundlage“, sagt Verbandsspielleiter Janker: „Im Sommer haben wir die Vereine informiert, dass die Regionalliga weiterhin als Profiliga eingestuft bleibt.“ Ein Verein hatte nachgefragt, ob dann notfalls auch Geisterspiele stattfinden sollen. Die Antwort sei ein klares „Ja“ gewesen und die Einstufung zur Profiliga damit einhergegangen. Das Protokoll zur betreffenden Sitzung im Juni halte das auch unmissverständlich fest: „Daran sollten wir uns alle erinnern und nicht jetzt so tun, als hätte es das niemals gegeben“, sagt Janker.

Regionalliga-Fortsetzung erst 2022? „Die drei Spiele hätten wir jetzt auch noch untergebracht“

Memmingens Trainer Thomas Reinhardt hätte sich aktuell dennoch mehr Mitsprache gewünscht: „Wir sind gut durchgekommen mit der Saison. So viele Spiele fehlen nicht. Die drei Spiele hätten wir jetzt auch noch untergebracht.“ *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Aufrufe: 030.11.2021, 09:05 Uhr
Moritz BletzingerAutor

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