Richards (r.) ist Stammspieler in Hoffenheim- Zirkzee (l.) konnte bei Parma noch keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen.
Richards (r.) ist Stammspieler in Hoffenheim- Zirkzee (l.) konnte bei Parma noch keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen. – Foto: dpa

Leih-Talente des FC Bayern im Check: Ein Youngster darf träumen

Bei welchen Spielern macht eine Rückkehr Sinn?

Der FC Bayern München hat derzeit acht Talente ausgeliehen. Nur eines davon könnte nach aktuellem Stand in Zukunft eine Rolle bei den Profis spielen.

München - Es ist nicht einfach, im Staresamble des deutschen Rekordmeisters Fuß zu fassen. Deshalb versuchen immer wieder aufstrebende Talente, bei andren Klubs einen Zwischenschritt zu gehen. Acht junge Burschen sind vom FC Bayern derzeit an andere Klubs verliehen. Dort sollen sie Spielzeit sammeln und sich mit guten Leistungen für eine Rückkehr an die Isar empfehlen. Die Bilanz bisher ist jedoch ernüchternd. Nur zwei der Talente sind bei ihren Klubs gesetzt, der Rest kommt auf sporadische Einsätze.

Chris Richards ist Stammspieler bei der TSG 1899 Hoffenheim unter Sebastian Hoeneß

Chris Richards dürfte der einzige Leihspieler sein, der in der kommenden Saison eine echte Alternative im Profikader der Bayern sein kann. Der US-Amerikaner wechselte im Winter zur TSG 1899 Hoffenheim und ist dort seitdem sowohl in der Bundesliga als auch in der Europa League gesetzt. Unter Trainer Sebastian Hoeneß, der ihn bereits in der vergangenen Saison bei den Bayern Amateuren trainierte, kam er bislang insgesamt acht Mal zum Einsatz.

Seine Flexibilität könnte Richards zum Vorteil werden. Der 20-Jährige kann als Innen- und Rechtsverteidiger spielen. Im November 2020 feierte Richards, der im Winter 2019 für 1.1 Millionen Euro vom FC Dallas in die Jugend des FC Bayern wechselte, sein Debüt für die amerikanische Nationalmannschaft. Zuletzt hat Richards allerdings betont, dass er sich einen längeren Verbleib in Hoffenheim vorstellen kann. Eine Verlängerung der Leihe scheint möglich. Sein Vertrag in München läuft noch bis Sommer 2023.

Lars Lukas Mai überzeugt bei Darmstadt - Interesse von italienischem Spitzenklub

Neben Richards ist nur noch Lars Lukas Mai Stammspieler, allerdings in der 2. Bundesliga. Seit Sommer ist der 20-Jährige an Darmstadt 98 ausgeliehen und hat seitdem 22 von 26 möglichen Ligaspielen bestritten. Aktuell fehlt der Innenverteidiger mit Oberschenkelproblemen.

Der deutsche U21-Nationalspieler durfte in der Saison 2017/18 zweimal für die Profis des FC Bayern in der Bundesliga ran, für mehr hat es nicht gereicht. Selbst als die Bayern große Personalprobleme in der Defensive hatten, war Mai nach der Ära Jupp Heynckes außen vor. Eine dauerhafte Rückkehr ist deshalb eher unwahrscheinlich. Seine Leistungen sollen zuletzt aber sogar den italienischen Topklub Lazio Rom auf den Plan gerufen haben.

Joshua Zirkzee auch bei Parma nur Ersatz

Mit Richards wurde im Winter auch Joshua Zirkzee verliehen. Der Niederländer war mit drei Treffern in seinen ersten Einsätzen für die Profis der Shootingsstar des FC Bayern in der vergangenen Spielzeit. Im Anschluss stagnierte seine Entwicklung jedoch. Bei Parma Calcio sollte der Stürmer wieder auf sich aufmerksam machen.

Bislang kam Zirkzee, auch wegen Rückenproblemen, erst auf vier Jokereinsätzen. Dabei gelang dem 19-Jährigen noch keine Torbeteiligung. Die Nachfolge für Robert Lewandowski oder als dessen Ersatz in der nächsten Saison ist in dieser Form unwahrscheinlich.

Cuisance zeigt sich verbessert - Kaufoption für Marseille zu hoch

Bei Michael Cuisance dagegen zeigte zuletzt die Formkurve nach oben. Der Franzose wurde im Sommer an Olympique Marseille ausgeliehen und erzielte zuletzt seine ersten beiden Treffer. Insgesamt steht er bei 20 Einsätzen, allerdings nur zehn von Beginn an, und dabei zwei Toren und einer Vorlage.

Marseille besitzt eine Kaufoption von 18 Millionen Euro. Aber auch aufgrund von finanziellen Problemen ist es unwahrscheinlich, dass diese gezogen wird. Ein Wechsel unterhalb der Kaufoption ist denkbar. Cuisance selbst hofft auf einen dauerhaften Verbleib in der Heimat.

Adrian Fein spielt beim PSV Eindhoven kaum eine Rolle - Früchtl ohne Einsatz beim 1. FC Nürnberg

Auch bei Adrian Fein ist eine Rückkehr nach München trotz Kaufoption über rund acht Millionen Euro wahrscheinlich. Der gebürtige Münchner spielt seit Sommer bei PSV Eindhoven, kommt aber nicht über die Rolle des Ersatzspielers hinaus. Zuvor konnte er in der 2. Bundesliga bei Jahn Regensburg und dem HSV überzeugen. Ein Verkauf zu geringeren Konditionen im Sommer ist wahrscheinlich.

Christian Früchtl sollte beim 1. FC Nürnberg als Nachfolger für Manuel Neuer reifen. Bei den Franken hat der 20-Jährige allerdings noch keinen Einsatz absolviert. Eine Rückkehr im Sommer nach München ist bereits bestätigt. Dort wird er jedoch maximal um den Stammplatz bei den Amateuren in der 3. Liga kämpfen. Sein Vertrag läuft 2022 aus.

Oliver Batista Meier: Nach starkem Start nur noch Bankdrücker

Oliver Batista Meier galt in den vergangenen Jahren als größtes Offensivtalent des FC Bayern. Nach überzeugenden Leistungen im Jugendbereich und in der 3. Liga sollte der Deutsch-Brasilianer beim SC Heerenveen weitere Spielpraxis im Herrenbereich sammeln.

Nach guten Start mit einem Tor und zwei Vorlagen in seinen ersten Einsätzen kommt der 19-Jährige nach seiner Coronainfektion inzwischen nur noch zu wenigen Einsatzminuten. Ihm droht ab Sommer wieder die 3. Liga oder ein erneuter Abschied.

Dajaku nur mit 35 Minuten bei Union Berlin

Mit Leon Dajaku wechselte im Sommer 2020 für 1.5 Millionen Eur0 die größte Zukunftshoffnung des VfB Stuttgart nach München. Im Winter wurde der Offensivallrounder an Bundesligakonkurrent Union Berlin ausgeliehen, kam dort aufgrund der großen Konkurrenz, unter anderem mit Max Kruse, bisher allerdings nur zu 35 Minuten Einsatzzeit und stand zuletzt häufig nicht einmal im Kader. Die Leihe geht noch bis Sommer 2022. Im Anschluss besitzt der Hauptstadtklub eine Kaufoption.

Abgesehen von Chris Richards scheinen bei allen ausgeliehenen Talenten die Zeichen auf (erneutem) Abschied zu stehen. Die FCB-Youngster sind zwar zu gut für die Amateure und die 3. Liga, als echte Alternative bei den Profis wird es aber voraussichtlich nicht reichen.

(Alexander Nikel)

Aufrufe: 22.3.2021, 17:00 Uhr
Münchner Merkur / tz / Alexander NikelAutor

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