Das Geheimrezept der Aunkirchener Helden: Die Spieler um Reinhard Föckersperger (oben) und Robert Rothmeier verstanden sich nicht nur auf dem Platz blind.
Das Geheimrezept der Aunkirchener Helden: Die Spieler um Reinhard Föckersperger (oben) und Robert Rothmeier verstanden sich nicht nur auf dem Platz blind. – Foto: FC Aunkirchen

FC Aunkirchen in der Landesliga - nicht nur sportlich ein Highlight

1987 bis 1990 spielte der FC Aunkirchen in der Landesliga und erlebte nicht nur auf dem Platz eine unvergessliche Zeit, wie der damalige Spieler und heutige 2. Vorsitzende Thomas Wagenpfeil berichtet

Drei Jahre Landesliga, von 1987 bis 1990, damals die vierthöchste Spielklasse überhaupt - und das in einem Dorf mit knapp 1.500 Einwohner, das nicht Mal eine eigene Postleitzahl hat. Natürlich hat allein der größte Erfolg in der 60-jährigen Vereinsgeschichte des FC Aunkirchen an sich eine Geschichte verdient. Doch irgendwie reiht sich dieser Triumph einer Goldenen Generation in die Reihe vieler solcher Heldenstorys ein. Viel interessanter als Tore, Statistiken und Spieldaten sind da schon die Hintergrundgeschichten, die sich rund um den FCA Ende der Achtziger zugetragen haben.

Thomas Wagenpfeil ist 52 Jahre alt, 2. Vorsitzender des Fußballclubs und Betreiber des Vereinslokals. Er weiß also, wie der aktuelle Hase läuft beim Verein aus dem Ortsteil von Vilshofen. Er hat aber nicht nur die Gegenwart im Blick, sondern ist auch Zeitzeuge der eingangs angesprochenen Landesliga-Zeit. Gerade von der Bayernliga-A-Jugend des FC Vilshofen zu seinem Heimatverein zurückkehrt, war der damals 19-Jährige Teil der FCA-Elf, die für Schlagzeilen sorgte. "Wir sind unendlich stolz auf das, was seinerzeit hier passiert ist", betont Wagenpfeil mehr als 30 Jahre später.

Der große Star im kleinen Dorf: Die erste Trainingseinheit unter Ex-Profi und Spielertrainer Fred Arbinger (weißes Shirt, Mitte).
Der große Star im kleinen Dorf: Die erste Trainingseinheit unter Ex-Profi und Spielertrainer Fred Arbinger (weißes Shirt, Mitte). – Foto: FC Aunkirchen


Für ihn war es Ende der Achtziger eine Ehre, überhaupt mit Legenden wie Reinhard Föckersperger, der eine beachtliche Spieler- und Trainerkarriere hingelegt hat, Spielertrainer Fred Arbinger oder den Gebrüdern Giermeier und Heringlehner zusammenspielen zu dürfen. "Ich war fast schon etwas schüchtern angesicht dieser großen Namen", erinnert sich Wagenpfeil, der bis weit in die 2000er hinein im grünen Trikot auflief. Schnell war der Jungspund aber einer von ihnen. Zum einen, weil er wie der überwiegende Großteil des Kaders in der Ortschaft wohnte. Zum anderen, weil der heutige Vereinswirt selber ein großes Talent war und sich schnell frei schwamm in der Aunkirchener Truppe.

Zum Derby gegen Vilshofen kamen 2.500 Zuschauer


Insgesamt 48 Einsätze während der Landesliga-Zeit konnte er verbuchen. Nicht schlecht für einen, der zunächst nur herangeführt werden sollte, zu Beginn deutlich im Schatten von Manfred Weißenberger, Rudolf Weinberger & Co. stand und den prominenten Spielertrainern Fred Arbinger und Edi Kirschner gegenüber fast schon als Fan auftrat. "Unvergesslich" ist ein Wort, das Wagenpfeil immer wieder verwendet, wenn er sich an seine ersten Schritte im Seniorenbereich erinnert als Bigplayer des bayerischen Fußballs wie die SpVgg Fürth, der 1. FC Nürnberg oder Jahn Regensburg nach Aunkirchen kamen.



Und der FC schlug sich mehr als nur beachtlich: Ehe man 1990 den dennoch irgendwie logischen Abstieg hinnehmen musste (Tabellenplatz 14; vor Freyung und Ruhmannsfelden), erreichte man in der 4. Liga einen zehnten und einen elften Platz. "Seitdem ist unser Dorf über die Landkreis-Grenzen hinaus bekannt. Alleine die Zuschauerzahlen waren damals irre. Zum Derby gegen Vilshofen im August 1987 kamen 2.500. Solche Tage bleiben für immer." Tage für die Ewigkeit gab es damals mehr, nicht nur auf dem Platz, sondern auch abseits des Spielfeldes, wie Thomas Wagenpfeil mit einem Augenzwinkern andeutet.

Neben Toren, Punkten, Ergebnissen und Aufstellungen hat der Vereinsarchivar auch die Randerscheinungen akribisch für die Nachwelt festgehalten. Selbst der Vereinswirt, der eigentlich hautnah dabei war, vertieft sich gerne in diese Statistiken - vor allem, weil diese Zahlen mit Abstand immer mehr verblasen. Dass aber beispielsweise das Spiel gegen Jahn Forchheim wegen einbrechender Dunkelheit abgebrochen werden musste, weil die fränkischen Gäste schlicht und einfach den Sportplatz nicht fanden, und deshalb verspätet ankamen, ist in der Chronik vermerkt, aber auch tief im Inneren des 52-Jährigen. Genauso die Rauferei mit Fans der SpVgg Fürth nach Spielschluss, die später im Wirtshaus mit Verbrüderungen endete oder die Live-Einblendung der Partie gegen den SSV Jahn Regensburg bei Bayern 1 - extra dafür musste im angrenzenden Tennisheim ein Telefon installiert werden.

Die Aufstiegsmannschaft 1987: Stehend von links: Xaver Giermeier (Abteilungsleiter), Georg Huber (Bezirksspielleiter), Georg Salatmeier, Rudi Weinberger, Kurt Zweckberger, Reinhard Heringlehner, Reinhard Birkeneder, Markus Aschenbrenner, Rudi Loibl, ein Fan, Robert Heringlehner, Gust Nagl, Reinhard Föckersberger,  Mitglied der Vorstandschaft und Dr.Josef Maydl   Kniend von links: Xaver Giermeier, Guido Giermeier, Walter Kirschner, Manfred Weißenberger, Erwin Bernkopf, Robert Rothmeier, Fred Arbinger.
Die Aufstiegsmannschaft 1987: Stehend von links: Xaver Giermeier (Abteilungsleiter), Georg Huber (Bezirksspielleiter), Georg Salatmeier, Rudi Weinberger, Kurt Zweckberger, Reinhard Heringlehner, Reinhard Birkeneder, Markus Aschenbrenner, Rudi Loibl, ein Fan, Robert Heringlehner, Gust Nagl, Reinhard Föckersberger, Mitglied der Vorstandschaft und Dr.Josef Maydl Kniend von links: Xaver Giermeier, Guido Giermeier, Walter Kirschner, Manfred Weißenberger, Erwin Bernkopf, Robert Rothmeier, Fred Arbinger. – Foto: FC Aunkirchen


All diese Erlebnisse sind 30 Jahre nach den Hochzeiten des FC Aunkirchen in der Erzähl-Rangliste fast schon vor den Minuten, in denen um den Ball gekämpft wurde. Insgesamt wird deutlich: Das damalige Team ist nicht wegen der Erfolge zusammengewachsen, sondern war wegen des Zusammenhalts erfolgreich. "Das waren alles klasse Fußballer", stellt Thomas Wagenpfeil fest. "Keiner hat jedoch daran gedacht, wegzugehen, weil alle aus dem Dorf kamen und alle unendlich gerne miteinander gespielt haben." Bevor die 3. Halbzeit überhaupt zu einem Mythos wurde, waren Sammereier, Rothmeier & Co. darin bereits Profis. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen war das Motto. Und genauso ehrgeizig, wie sich der FCA in Stollenschuhen präsentierte, waren die Mannen auch bei den Feierlichkeiten.

Die Macher im Hintergrund: Hans Asen, Xare Giermeier und Gust Nagl



"Auf einer Heimreise haben wir einen Autobahn-Parkplatz angesteuert und sind dort zufällig auf eine ungarische Reisegesellschaft getroffen. Die Folge war ein Folklore-Treffen mit Musik, das doch etwas länger gedauert hat", erzählt der 2. Vorsitzende und schmunzelt. Auch gemeinsame Urlaube mit Frauen und Kindern waren eher die Regel als die Ausnahme. Wer beim FC Aunkirchen spielte, der lebte den Verein - das war damals so, und ist auch noch heute der Fall. Ex-Profi Edi Kirschner, von 1989 bis 1991 Spielertrainer beim Vilshofener Ortsteil-Fußballclub: "Hans Asen, Xare Giermeier und Gust Nagl haben hervorragende Arbeit im Hintergrund geleistet. Es waren schöne Zeiten, sehr schöne Zeiten. Der Zusammenhalt war überragend."

Die Verantwortlichen hätten damals alles in die Waagschale geworfen, um in die Landesliga zukommen, weiß Wagenpfeil. Genauso war ihnen jedoch klar, dass die Zugehörigkeit zur 4. Liga eine temporäre Erscheinung bleiben wird, eine absolute Ausnahme. Deshalb waren waghalsige finanzielle Manöver nicht mal im Ansatz angedacht. "Um diese Spielklasse länger halten zu können, hätte man ordentlich Geld in die Hand nehmen müssen. Doch das haben wir Gott sei Dank nicht gemacht", macht der 52-Jährige deutlich. So ist der FC Aunkirchen ohne Altlasten in der Gegenwart angekommen und für die Zukunft gewappnet.

Damals Spieler, heute 2. Vorsitzender und Vereinswirt: Thomas Wagenpfeil.
Damals Spieler, heute 2. Vorsitzender und Vereinswirt: Thomas Wagenpfeil. – Foto: Wagenpfeil


In der Kreisklasse fühle man sich wohl, wenn auch die Kreisliga-Rückkehr das große Ziel sei. Man ist zufrieden im Vilshofener Umland mit dem, was man hat und wo man steht - auch und vor allem wegen der glorreichen Vergangenheit. Einige frühere Helden haben ihre zweite Karriere ebenfalls beim FCA bestritten. Reinhard Föckersperger war lange Jahre Trainer, Markus Aschenbrenner, Rudolf Weinberger und eben Thomas Wagenpfeil gehören der Vorstandschaft an. "Wir können stolz auf das sein, was unsere Spieler und Verantwortlichen früher geschaffen haben. Das war eine einmalige Geschichte für unseren kleinen Verein", macht 1. Vorsitzender Markus Krenn deutlich, der ebenso erzählt, dass gerne über "damois" geredet wird, die Viertklassigkeit aber keine Bürde für die heutige Generation sei. Thomas Wagenpfeil: "Es läuft prima bei uns - sportlich und gesellschaftlich. So kann es gerne noch einige Zeit bleiben."

Aufrufe: 05.1.2021, 09:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor