In der Oberliga, hier Walldorf (blau) und Backnang (rot), steht der Saisonabbruch bevor.
In der Oberliga, hier Walldorf (blau) und Backnang (rot), steht der Saisonabbruch bevor. – Foto: Foto Pfeifer

Sonderregelung in der Oberliga

Oberliga +++ Vermutlich gibt es doch Aufsteiger – Absteigen muss aber niemand bei Abbruch

Aufsteiger trotz Abbruch und Annullierung – in der Fußball-Oberliga könnte es diese Runde dazu kommen. Frank Fürniß, der Teammanager des FC-Astoria Walldorf II, rechnet spätestens seit Freitagabend damit, als sich die 21 Vertreter aus drei verschiedenen Verbänden virtuell austauschten.

"Wir hatten eine Videositzung aller Oberliga-Vereine und dabei kam das Thema auf, selbst bei einem Abbruch Aufsteiger zuzulassen", erklärt Fürniß. Der Stein des Anstoßes liegt in Hessen und Rheinland-Pfalz/Saar begründet. In diesen Oberligen sollen die Aufstiegsberechtigten auch nach teilweise nur rund zehn absolvierten Partien in die Regionalliga aufsteigen dürfen. In Baden-Württemberg sind im Schnitt 13 von 40 Begegnungen pro Team absolviert. Ein Umstand, der die drei baden-württembergischen Verbände zum Handeln zwingt, zumal es aus der Regionalliga Absteiger geben soll. Die Vereine aus Deutschlands vierthöchster Liga haben sich vor Rundenbeginn darauf geeinigt, ihre Staffelstärke von 22 auf 18 zu verringern.

Für die Oberliga hieß es im letzten Sommer, wenn nicht mindestens 50 Prozent der Spiele absolviert sind, wird in der Regel die Saison abgebrochen. Der Zusatz "in der Regel", lässt nun allerdings genügend juristischen Handlungsspielraum, um doch Aufsteiger zuzulassen. "In der Online-Sitzung wurde uns gesagt, dass man es aus sportlicher Fairness eigentlich nicht machen dürfe, aus Gleichbehandlungsgründen gegenüber den anderen Oberligen allerdings schon", klärt Fürniß auf.

Er ist sich darüber bewusst, dass immer auch auf die sportliche Ausgangslage geblickt wird, wenn ein Vereinsvertreter in solchen Sitzungen etwas sagt. "Bei uns ist es klar, würde es Aufsteiger in die Regionalliga geben, wäre ein Abstieg unserer ersten Mannschaft deutlich wahrscheinlicher und dann müssten wir mit unserer U23 ebenfalls eine Klasse runter in die Verbandsliga", erläutert der 50-Jährige und muss beim Gedanken an die vorherige Spielzeit sogar ein wenig Schmunzeln, "damals haben wir als Tabellenführer von der Regelung profitiert und durften aufsteigen. Wenngleich zum Abbruchzeitpunkt erheblich mehr Spiele absolviert waren als in der jetzigen Runde."

Die aktuellen Gewinner hießen SGV Freiberg als Tabellenführer und die zweitplatzierten Stuttgarter Kickers, die über eine eventuell noch durchführbare Aufstiegsrunde in die Regionalliga kommen könnten. Beide Klubs haben bereits deutlich gemacht, einen Aufstieg auch annehmen zu wollen. Rein sportlich fände Fürniß das nicht fair: "Wenn in diesen Pandemie-Zeiten eine Mannschaft nach 13 Spielen aufsteigt, wäre das nicht in Ordnung, auch mit Blick auf die Mannschaften, die knapp dahinterliegen."

Im Tabellenkeller könnte Walldorfs Zweite ebenso wie die U23 des SV Sandhausen bei einem Abbruch profitieren. Allerdings droht dem FCA-Nachwuchs dennoch der Abstieg, sollte sich de Erste nicht in der Regionalliga halten können.

Wie man es dreht und wendet, es ist eine komplexe Angelegenheit in der Oberliga und noch ist ja nichts entschieden. Bis Donnerstag haben die 21 Vereine Zeit, sich zum Sachverhalt zu äußern. "Wobei man davon ausgehen darf, dass es so kommt wie vorgeschlagen", rechnet Walldorfs Teammanager mit einem Abbruch ohne Ab-, dafür aber mit Aufsteigern.

972 Aufrufe31.3.2021, 14:00 Uhr
red.Autor

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