Bernhard "Bernd" Roth brachte frischen Wind bei Arminia Tegel rein.
Bernhard "Bernd" Roth brachte frischen Wind bei Arminia Tegel rein. – Foto: Christoph Lehner

"Heute steht nicht mehr der Mensch im Vordergrund sondern der Erfolg"

Bernhard "Bernd" Roth über seinen Wechsel zu einem Berliner Verein, seine Ambitionen und Vorstellungen und einer möglichen Rückkehr auf die Trainerbank.

Ein Interview von Marcel Peters - https://www.facebook.com/AmateurberichterstattungMarcelPeters/ - regelmäßig Berichte über Berliner und Brandenburger Amateurfußballer oder Vereine. Gesprächspartner: Bernhard "Bernd" Roth
Bernd, lang bist du noch nicht in Berlin und bei Arminia Tegel, zwischenzeitlich sogar kurz wieder weg. Lass uns doch zu Beginn etwas von dir wissen?
Ich bin im Juni 2020 aus der ältesten Stadt Deutschlands, „TRIER“, nach Brandenburg gezogen. Da ich den persönlichen Kontakt schätze und mich mit dem mittlerweile „Fußballgeschäft“ identifiziere, suchte ich in meiner Region einen Verein, der mich mit meiner Vita (UEFA-A Lizenz) akzeptieren würden, ohne mich zu kennen. Durch eine Anzeige im Internet stieß ich dann auf den Verein Arminia Tegel 1977 e.V.. Hier passte das Verhältnis, das Verständnis, die Wertschätzung auf Anhieb, sodass ich als Fußballtrainer der 1. Herren in der Kreisliga A anfing und kurz später die kommissarische Leitung des Kassenwartes übernahm. Ende September 2020 warf mich dann eine Krankheit für einige Wochen total aus der Bahn. Ich musste das Traineramt aus persönlichen Gründen niederlegen. Nachdem die Krankheit „positiv behoben“ werden konnte, nahm ich die Gespräche mit dem Präsidenten und Vorstand von Arminia Tegel wieder auf.

Und diese Gespräche liefen scheinbar positiv?
Wir waren schnell einer Meinung, dass der Verein weiter an sich arbeiten sollte und ein neues Konzept erstellt werden muss. So wurde in den Hinterräumen des Vereinsheims eine Geschäftsstelle eingerichtet, deren Leiter ich im Moment bin, das Vereinsheim wurde in Eigenleistung renoviert und zu einem richtigen „Schmuckkasten“. Hier nochmals ein Dankeschön an alle Sponsoren und Helfer.

Bist du dem Verein dankbar, dass er dich nach der Genesung „wieder aufgenommen“ hat und die nun die Chance gibt, deine Ideen mit einzubringen?
Nun, da wir auch während meiner Abwesenheit im Kontakt geblieben waren, ehrliche und offene Gespräche führten, war es relativ schnell klar, dass ich zurückkomme. Mein Herz schlägt für den Fußball, mein beruflicher Hintergrund und meine Erfahrungen bieten aber noch weitere Einsatzfelder für den Verein. Auch administrative Arbeiten, wie das Führen der Geschäftsstelle oder als Kassenwart, liegen mir einfach.

Und nun möchtest du nicht Trainer, sondern neuer starker Mann im Verein werden?
Nein, auf keinen Fall. Das Konzept beinhaltet u. a., dass der Verein auf solide Beine gestellt werden muss, die Arbeit auf mehreren Schultern verteilt werden, einige Positionen/Funktionen müssen neu installiert werden, ein Marketingkonzept musste erstellt werden und die Außendarstellung des Vereins muss in Zukunft noch mehr in den Vordergrund rücken. All diesen Aufgaben habe ich mich in Abstimmung mit dem Präsidenten und einigen Vorstandsmitgliedern angenommen, um allerdings in spätestens ein Jahr diese Verantwortungen auf mehreren Schultern zu verteilen.

Und wie läuft die Umsetzung nach den ersten Wochen?
Der Start im Januar 2021 lief vielversprechend. Einige Projekte laufen dieses Jahr noch an, u. a. die Trainer mit entsprechenden Lizenzen auszustatten und auf weitere Lehrgänge zu entsenden. All das benötigt Planung und Zeit. Auch gewisse sportliche Erfolge stellen sich nicht von heute auf Morgen ein. Jeder Fußballsachverstand weiß aber auch, dass die Jugend das Kapital eines Vereins ist. Wir wollen die Jugend fördern und dann wird sich auch der Erfolg einstellen. Ziel des Vereins wird es in naher Zukunft sein, in jeder Kategorie, von den Bambini bis zur A.- Jugend mindestens eine Mannschaft melden zu können. Wir möchten unsere Frauen-, Mädchenabteilung vergrößern, soll heißen, auch hier begeisterungsfähige Mädchen zu generieren, denen wir in den verschiedensten Alterskategorien eine Mannschaft anbieten können. Wir möchten unseren Social-Media Auftritt verbessern und unsere Homepage überarbeiten. Wichtige Sponsoren konnten gehalten und neue gewonnen werden. Noch läuft natürlich nicht alles perfekt, ich sehe das Projekt „WIR der Arminia“ auch erst am Anfang, aber die Richtung stimmt.

Struktur, Sponsoren, Verteilung der Last, Herren, Jugend, Damen – eigentlich sollen alle profitieren. Brauchte der Verein für dieses „Facelift“ erst frischen Wind von außen, oder woran hat es bisher gehakt?

Ich werde hier selbstverständlich keine internen Dinge Preistragen, aber genau das denke ich. Es muss frischer Wind von außen her und diesen frischen Wind verspürt der Verein. In diesen Bereichen kenne ich mich aus, auch aufgrund meiner Vita. Ich kann andere Menschen motivieren und begeistern. Jedoch ist das primäre Ziel, die Aufgaben auf viele Schultern zu verteilen, die Grundlage muss jedoch auch mal geschaffen sein.

Die Konkurrenz rund um Tegel ist auch nicht klein. Borsigwalde, Füchse, Nordberliner, Frohnau, auch Hermsdorf oder Wittenau. Ist es daher eher schwieriger die Vorhaben umzusetzen oder kann man sich etwas angucken?
Ich drücke mich mal so aus, in der Vergangenheit ist nicht alles gut gelaufen bei Arminia. Viele Dinge wurden angestoßen, aber leider nicht umgesetzt, weil auch das entsprechend geschulte Personal fehlte. Aber auch „nicht geschulte“ können gerne Aufgaben in unserem Verein übernehmen. In Zukunft sollen interne Schulungen, genauso wie externe Schulungen forciert werden. Nun zu unseren Nachbarvereinen, hier möchte ich eigentlich keinen bestimmten Verein herausheben, aber in Bezug auf Tegel wohnen alleine dort ca. 37.000 Mitbürger. Hier sollte es jedoch möglich sein, auch junge Spieler für Tegel attraktiv zu machen, um bei Arminia zu spielen. Auf der anderen Seite muss ich auch die Eltern in die Pflicht nehmen und sagen, ist es tatsächlich nötig, dass mein Sohn im Nachbarverein in der E6 spielt und in Tegel könnte er in der E1 spielen und noch wesentlich mehr an Spielzeit erhalten. Nur Talent zählt heute nicht alleine. Vor allen Dingen beachten wir in Tegel bei Arminia, dass wir auch ein Breitensportverein sind, also auch den Kindern das Fußballspielen anbieten, die keine Profis werden. Diese Erfahrungen teilte ich auch mit meinem 15-jährigen Sohn, der als Torwart in einem Nachwuchsleistungszentrum in der U17 ußball spielen darf. Ich denke, hier sollten diese Vereine noch näher zusammenrücken, vielleicht auch Vereinbarungen getroffen werden. Hier schweben mir einige Ideen vor.

Du erwähntest die Außendarstellung des Vereins. Welches Image haftet dem Club an und wie kann diese aufgearbeitet werden?
Ich denke und das ist das Wichtigste, der Verein hat ein gutes Image. Mit der Außendarstellung meine ich, dass der Verein auf die Menschen zugehen muss, sich als Verein auch präsentiert und das geht nicht unbedingt vom Bürostuhl aus. Informationsveranstaltungen, Tag des offenen Trainings und der offenen Tür, sich sehen lassen und ins Gespräch kommen auf regionalen Veranstaltungen. Denn ich bin immer noch der Meinung, Worte sagen mehr als 1000 Bilder.

Ich lese immer „Wir“. Mich interessiert an dieser Stelle aber mal, wie deine persönliche Hingabe zum Verein nach dieser kurzen Zeit entstanden ist und sich entwickelt hat?
Ich bin ein offener und ehrlicher Mensch, man sagt mir auch manchmal nach, dass ich zu Gut für den Fußball bin. Aber bisher bin ich eigentlich immer gut damit gefahren. Ich hatte mir einen Verein ausgewählt, auch wenn sicherlich höherklassigere Vereine in meinen Gesprächen als Trainer dabei waren, der sportlich zu mir passt, wo ich als Trainer frei meiner Vorstellungen arbeiten kann. Mit Leistungsdruck ja, aber das MUSS sollte/musste nicht sein. Das passt in Tegel hervorragend, vor allem mit dem 1. Präsidenten. Für mich ist dann das Zwischenmenschliche sehr, sehr wichtig und hier kann ich nur sagen, auch wenn ich schon einige Male vorher in anderen Vereinen (vor allem in Luxemburg) enttäuscht wurde, passte es hier von der ersten Sekunde an. Das habe ich bis dato selten erleben dürfen.

Welches Potenzial steckt noch im Verein?
Es steckt sehr viel Potenzial im Verein. Es wird viel zusammen gearbeitet, allerdings müssen die vorhandenen Strukturen teilweise erneuert oder ergänzt werden.

Apropos Trainer: würdest du gerne wieder für eine Mannschaft an der Seitenlinie stehen? Mit deinem Know-how auch höherklassig?
Ich sage hier ein ganz klares „JA“, wobei ich mein/unser Projekt in Tegel noch nicht beendet sehe. Das Problem für einen nicht aus Brandenburg oder Berlin stammenden Trainer ist, eine Chance zu erhalten, als Trainer zu arbeiten. Heute steht nicht mehr der Mensch im Vordergrund des Fußballs, sondern nur noch der Erfolg und der muss binnen eines Jahres erzielt werden. Ich bekam auch oft zu hören, wir wollen endlich mal einen Trainer verpflichten, der unbefangen an die Saison herangeht, sich nicht auskennt, den Berliner Fußball nicht kennt. Hierzu waren allerdings nur zwei höherklassige Vereine wirklich bereit, dort scheiterte es aber an anderen Dingen und da möchte ich betonen, nicht am finanziellen! Man kann und sollte über alles reden können.
Aufrufe: 1.3.2021, 08:23 Uhr
Marcel PetersAutor

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