
In der Riethsporthalle herrschten perfekte Rahmenbedingungen: Kunstrasen, Vollbande und eine stimmungsvolle Kulisse sorgten für beste Voraussetzungen für hochklassigen Hallenkick. Das prominent besetzte Teilnehmerfeld ließ im Vorfeld einiges erwarten – und sollte sportlich wie atmosphärisch größtenteils halten, was es versprach.
Besonders im Fokus stand der Lokalmatador FC Rot-Weiß Erfurt, der von einer beeindruckenden „weißen Wand“ aus rund 700 lautstarken Fans durch das gesamte Turnier getragen wurde. Doch während die Anhänger Bestnoten verdienten, blieb die sportliche Ausbeute des Regionalligisten deutlich hinter den Erwartungen zurück.
Die Mannschaft von Fabian Gerber trat nahezu ausschließlich mit U19-Spielern an – ein Umstand, der die Auftritte der Rot-Weißen einordnen hilft, aber die sportliche Bilanz nicht schöner macht. Die jungen Erfurter fanden nie richtig ins Turnier, agierten oftmals nervös und konnten ihr Potenzial nicht abrufen. Bereits im Auftaktspiel gegen Germania Halberstadt zeigte sich das Dilemma: Der Anschlusstreffer kam zu spät, die Partie ging mit 1:2 verloren. Auch in den folgenden Begegnungen blieb RWE ohne Erfolgserlebnis – bis zum letzten Turnierspiel. Dort schossen sich die jungen Kicker beim 7:1 gegen Kreisoberligist Kerspleben zumindest ein wenig den Frust von der Seele und feierten den einzigen Turniersieg.
Für die positiven Schlagzeilen aus Thüringer Sicht sorgten dagegen Qualifikant und Thüringenligist SV 09 Arnstadt sowie der 1. SC 1911 Heiligenstadt. Beide Teams mischten bis tief in die Turnierschlussphase sogar im Kampf um den Turniersieg mit – und beide bezwangen den großen Namen aus Erfurt.
Arnstadt startete furios: Zwei 3:0-Siege gegen Kerspleben und Rot-Weiß Erfurt bedeuteten einen perfekten Turnierauftakt. Gegen RWE stellte Niklas Hoffmann früh die Weichen. In der Folge blieb Erfurt bemüht, doch Arnstadt setzte eiskalte und sehenswerte Nadelstiche. Ein weiter Abschlag von Torhüter Julian Knoll – später zum besten Keeper des Turniers gewählt – wurde von Maxi Seiml per Kopf geistesgegenwärtig verlängert und überraschte RWE-Schlussmann Mensah. Kurz darauf folgte der nächste Höhepunkt: Ben Luca Kunz jagte den Ball kurz hinter der Mittellinie mit einem echten Strahl ins Netz – das 3:0.
Im weiteren Turnierverlauf musste der SV 09 etwas Tribut zollen. Ein 1:1 gegen Halberstadt, die 3:5-Niederlage im torreichsten Spiel des Turniers gegen Regionalligist Hessen Kassel sowie weitere Remis gegen Heiligenstadt und den späteren Turniersieger SpVgg Bayern Hof (jeweils 1:1) führten am Ende zu einem starken vierten Platz. Die von Co-Trainer Maximilian Drößler betreute Mannschaft zeigte sich dennoch hochzufrieden – schließlich ließ der Verbandsligist mit Kassel und Erfurt gleich zwei Regionalligisten hinter sich.

Auch der 1. SC 1911 Heiligenstadt, aktuell Schlusslicht der Oberliga Nordost Süd, nutzte das Turnier, um Selbstvertrauen zu sammeln. Die Mannschaft von Benedikt Seipel überzeugte mit technisch starkem Hallenfußball und gehörte spielerisch zu den besten Teams des Tages. Wilhelm, Bako, Fiedler & Co. setzten immer wieder Akzente. Nach einem Remis gegen Halberstadt und einer Auftaktniederlage gegen Bayern Hof fand die Seipel-Elf mit einem 5:0 gegen Kerspleben und einem 3:2-Erfolg gegen RWE endgültig in die Spur. Es folgten ein Unentschieden gegen Arnstadt und ein 4:2-Sieg gegen Hessen Kassel im letzten Spiel. Am Ende stand ein starker dritter Platz. Besonders herausragend: Adrian Wilhelm, der mit vier Treffern bester Heiligenstädter war und folgerichtig zum besten Spieler des Turniers gewählt wurde. Seipel zog ein positives Fazit: „Wir haben das heute richtig gut gemacht. Die Siege gegen Erfurt und Kassel darf man nicht überbewerten, da beide nicht mit ihren besten Kickern da waren – aber gewinnen muss man solche Spiele trotzdem erst einmal. Vor dem Trainingsauftakt am 13. Januar war das heute eine runde Sache.“

Die Entscheidung um den Turniersieg fiel erst im vorletzten Spiel. Germania Halberstadt hoffte auf Schützenhilfe von Arnstadt, das mit einem Sieg gegen Bayern Hof die Mannschaft von Manuel Rost noch an die Spitze hätte schießen können. Doch es blieb bis zum Schluss spannend: Das 1:1 reichte der SpVgg Bayern Hof schließlich zum Turniersieg. Halberstadt blieb zwar ungeschlagen, musste sich jedoch mit Rang zwei begnügen. Trainer Rost zeigte sich dennoch zufrieden: „Wir hatten Spaß und meine Jungs haben richtig gut gespielt. Wir haben am Ende kein Spiel verloren. Schade, dass es trotzdem nicht zum Turniersieg gereicht hat.“
Anerkennung verdiente sich auch Kreisoberligist Kerspleben. Die Mannschaft von Patrick Krumbholz hielt trotz der Ergebnisse kämpferisch dagegen, verfügte mit Kalmring und Hillwig-Noll über zwei gleichwertige Torhüter und erzielte in den letzten beiden Spielen jeweils einen Treffer. Die beiden Torschützen Noah Glebe (gegen RWE) und Kaoa Khalef (gegen Halberstadt) werden dieses Turnier sicher in Erinnerung behalten.
Vor 1.600 Zuschauern endete somit ein spannendes und hochklassiges Turnier, bei dem die Favoriten aus Kassel und Erfurt sportlich nicht entscheidend eingreifen konnten. Unvergessen bleiben wird das erste Domstadt Banden Masters jedoch auch aus einem anderen Grund: die beeindruckenden Choreografien der RWE-Fans. In allen sechs Turnierspielen der Rot-Weißen sowie im Einlagespiel der Traditionsmannschaft wurde jeweils eine andere Choreo präsentiert – sieben Choreografien für sieben Thüringer Regionen, die Rot-Weiß Erfurt miteinander verbinden. Bilder, die weit über Erfurt hinaus Eindruck hinterließen.
Die Organisatoren Tom Bertram (Kabine38), Christian Hasselmann und Markus Lendrich (MOVE2GETHER Ballschule Thüringen e.V.) zogen ein rundum positives Fazit: „Ein sportreiches Wochenende liegt hinter uns – und wir könnten kaum zufriedener sein. Das Domstadt Banden Masters war für uns als Veranstalter ein voller Erfolg. Das Feedback der Teams, Gäste und Fans war durchweg positiv. Besonders am Sonntag war die Stimmung überwältigend. Auch wenn die Zuschauerzahlen am Freitag und Samstag hinter unseren Erwartungen zurückblieben, sind wir überzeugt, dass ein zukünftiges Turnier noch stärker angenommen wird. Fast alle Mannschaften haben bereits nach einer Neuauflage gefragt.“
Ein Turnier, das sportlich überraschte, atmosphärisch begeisterte – und ganz sicher nach einer Wiederholung schreit.
