2026-01-09T09:36:09.492Z

Allgemeines
– Foto: Privat

Fankultur in der Kreisliga: Die Geschichte der "Lindberger Jungs"

Die Anhänger des TSV verblüffen immer wieder mit aufwändigen Choreographien +++ Wer steckt dahinter? FuPa hat sich auf Spurensuche begeben

Verlinkte Inhalte

präsentiert von
ZF BKK

Der TSV Lindberg hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Sportlich ist der ehemalige Landesligist nach Jahren in der Versenkung wieder wer im Bayerischen Wald. Mehr noch aber hat der Verein aus der 2000-Seelen-Gemeinde direkt am Nationalpark durch seine Anhängerschaft von sich reden lassen. Ein fester Bestandteil sind dabei die "Lindberger Jungs", die engagierte Fanszene des Vereins, die seit dem Aufstieg in die Kreisliga Straubing für Aufsehen sorgt. Was einst als kleine Gruppe begann, hat sich mittlerweile zu einer organisierten und leidenschaftlichen Fangemeinschaft entwickelt, die weit über die Region hinaus Anerkennung findet.

Die Geburtsstunde der Fangemeinschaft lässt sich auf das erste Jahr in der Kreisliga Straubing zurückführen. Damals sorgte ein besonders denkwürdiger Moment für Aufsehen: Das große Derby am 19. August 2022 gegen den Nachbarn SC Zwiesel! "Wir trafen uns damals in einer Zwieseler Lokalität und zogen dann mit Trommeln, Megafon und Fahnen in Richtung Jahnstadion", erinnert sich ein Mitglied der "Lindberger Jungs". Dieser Fanmarsch, an dem rund 150 Personen teilnahmen, war ein unvergessliches Erlebnis. "Es war ein richtig geiles Gefühl, als Dorfverein mit so vielen Leuten aufzumarschieren." Im Stadion angekommen wuchs die Zahl der Unterstützer weiter an, sodass im Fanblock fast 250 Personen den TSV Lindberg lautstark unterstützten. Dieser Enthusiasmus markierte den Beginn einer organisierten Fanszene, die seitdem aus Lindberg nicht mehr wegzudenken ist.

– Foto: Privat

Wer sind die "Lindberger Jungs"?

Aber wer sind die Lindberger Jungs eigentlich? "Eigentlich ganz normale Fußballfans, einige von uns sympathisieren beispielsweise auch mit dem FC Bayern", sagt einer der Köpfe der Gruppe. Ihre Namen möchten die Mitglieder lieber nicht in der Presse lesen. Zum einen, weil der Gruppengedanke und nicht der Einzelne im Vordergrund stehen soll. Zum anderen greifen auch die "Lindberger Jungs" auf beliebte Sitlmittel der Ultras zurück. Soll heißen: Rauchtöpfe und Pyro sind schon mal dabei im Repertoire. Bekanntlich wird die Art der Unterstützung vom Verband nicht gerne gesehen. Strafen gegen Vereine und Einzelpersonen nicht ausgeschlossen.

– Foto: Privat


Apropos Ultras: Wenn im Fußball die Rede von Choreographien und bedingungsloser Unterstützung ist, landet man schnell bei den Hardcore-Fans - den "Ultras". Seit Jahren geben in deutschen Fankurven die "Ultras" im wahrsten Sinne des Wortes den Ton an und orchestrieren die Unterstützung. Meistens gibt ein Vorsänger auf dem Zaun vor, was intoniert wird. Würden sich die "Lindberger Jungs" denn auch selbst als Ultras bezeichnen? "Nein, eher nicht würde ich sagen. Wir wollen tatsächlich als Lindberger Jungs auftreten und wahrgenommen werden, nicht als Ultras. Natürlich schnappen wir immer mal wieder was auf, was große Ultragruppierungen beispielsweise für Choreos auf die Beine stellen. Das muss nicht nur aus dem Fußball sein, das kann auch zum Beispiel mal aus dem Eishockey kommen. Aber wir haben jetzt nicht speziell ein Vorbild, das wir nachahmen. Das wollen wir auch explizit nicht. Wir wollen auf unsere Weise einzigartig sein."

Besonders stolz sind die "Lindberger Jungs" auf die Rückmeldung, die sie von professionellen Partnern erhalten haben, die üblicherweise Fahnen oder Ähnliches für Fanszenen aus dem Profibereich drucken. "Zweimal wurden wir gefragt, ob wir wirklich in der Kreisliga spielen", erzählt ein Mitglied schmunzelnd.

– Foto: Privat


Leidenschaftliche Choreografien und kreative Fahnen.

Der Enthusiasmus der "Lindberger Jungs" zeigt sich besonders in den Derbys gegen den SC Zwiesel, aber auch zu anderen Partien gibt`s immer wieder Choreos. Und die herzustellen, das ist enorm zeitaufwändig. Sieben Personen kümmern sich mittlerweile um die Koordination und Organisation solcher Aktionen. "Pauschal kann man das nicht sagen, wie lange wir für die Vorbereitung einer Choreo brauchen. Aber bei großen Sachen, so will ich es mal nennen, wie zu den Derbys, da sind wir alles in allem schon etwa zwei volle Tage beschäftigt." Auch bei Auswärtsspielen sind die "Lindberger Jungs" präsent. Zahlreiche organisierte Busfahrten, darunter sogar zweimal mit einem Doppeldecker, sorgten dafür, dass von Heimvorteil keine Rede mehr sein konnte. "Zum Teil haben wir Auswärtsspiele zu Heimspielen gemacht."

– Foto: Privat

Ein besonders wichtiger Moment war die Frühjahrsrunde der vergangenen Saison in der Kreisliga, als der TSV Lindberg zur Winterpause mit lediglich sieben Punkten das Tabellenende zierte und die Lage aussichtslos schien. Doch den Kopf in den Sand stecken, das war keine Option: "Lindberg gibt nie auf", lautete das Motto, das auf einem Spruchband verewigt wurde und die Mannschaft in jedem Spiel begleitete. Am Ende wurde der Kampfgeist mit dem nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt belohnt.

Der Kult um die "Lindberger Jungs" nimmt unterdessen immer mehr zu. Mittlerweile werden auch Fanartikel vertrieben, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Die Kollektion mit Shirts und Schals ist für viele Anhänger ein Muss. Der nächste große Feiertag steht am 12. Oktober an, wenn der SC Zwiesel wieder zum Derby kommt. "Die Fans dürfen sich wieder auf eine spektakuläre Inszenierung gegen den SC freuen", kündigen die "Lindberger Jungs" an. Bleibt zu guter Letzt eigentlich nur noch die simple , aber doch recht schwierige Frage: Warum macht man das in der 8. Liga? "Uns verbindet der Zusammenhalt und die gemeinsame Leidenschaft für Fußball und den TSV Lindberg. Deshalb machen wir das. Und weil wir es lieben..."

– Foto: Privat

Aufrufe: 05.8.2024, 17:15 Uhr
Mathias WillmerdingerAutor