
Der TSV Lindberg hat in den vergangenen Jahren eine erstaunliche Entwicklung hingelegt. Sportlich ist der ehemalige Landesligist nach Jahren in der Versenkung wieder wer im Bayerischen Wald. Mehr noch aber hat der Verein aus der 2000-Seelen-Gemeinde direkt am Nationalpark durch seine Anhängerschaft von sich reden lassen. Ein fester Bestandteil sind dabei die "Lindberger Jungs", die engagierte Fanszene des Vereins, die seit dem Aufstieg in die Kreisliga Straubing für Aufsehen sorgt. Was einst als kleine Gruppe begann, hat sich mittlerweile zu einer organisierten und leidenschaftlichen Fangemeinschaft entwickelt, die weit über die Region hinaus Anerkennung findet.
Die Geburtsstunde der Fangemeinschaft lässt sich auf das erste Jahr in der Kreisliga Straubing zurückführen. Damals sorgte ein besonders denkwürdiger Moment für Aufsehen: Das große Derby am 19. August 2022 gegen den Nachbarn SC Zwiesel! "Wir trafen uns damals in einer Zwieseler Lokalität und zogen dann mit Trommeln, Megafon und Fahnen in Richtung Jahnstadion", erinnert sich ein Mitglied der "Lindberger Jungs". Dieser Fanmarsch, an dem rund 150 Personen teilnahmen, war ein unvergessliches Erlebnis. "Es war ein richtig geiles Gefühl, als Dorfverein mit so vielen Leuten aufzumarschieren." Im Stadion angekommen wuchs die Zahl der Unterstützer weiter an, sodass im Fanblock fast 250 Personen den TSV Lindberg lautstark unterstützten. Dieser Enthusiasmus markierte den Beginn einer organisierten Fanszene, die seitdem aus Lindberg nicht mehr wegzudenken ist.

Aber wer sind die Lindberger Jungs eigentlich? "Eigentlich ganz normale Fußballfans, einige von uns sympathisieren beispielsweise auch mit dem FC Bayern", sagt einer der Köpfe der Gruppe. Ihre Namen möchten die Mitglieder lieber nicht in der Presse lesen. Zum einen, weil der Gruppengedanke und nicht der Einzelne im Vordergrund stehen soll. Zum anderen greifen auch die "Lindberger Jungs" auf beliebte Sitlmittel der Ultras zurück. Soll heißen: Rauchtöpfe und Pyro sind schon mal dabei im Repertoire. Bekanntlich wird die Art der Unterstützung vom Verband nicht gerne gesehen. Strafen gegen Vereine und Einzelpersonen nicht ausgeschlossen.


Der Enthusiasmus der "Lindberger Jungs" zeigt sich besonders in den Derbys gegen den SC Zwiesel, aber auch zu anderen Partien gibt`s immer wieder Choreos. Und die herzustellen, das ist enorm zeitaufwändig. Sieben Personen kümmern sich mittlerweile um die Koordination und Organisation solcher Aktionen. "Pauschal kann man das nicht sagen, wie lange wir für die Vorbereitung einer Choreo brauchen. Aber bei großen Sachen, so will ich es mal nennen, wie zu den Derbys, da sind wir alles in allem schon etwa zwei volle Tage beschäftigt." Auch bei Auswärtsspielen sind die "Lindberger Jungs" präsent. Zahlreiche organisierte Busfahrten, darunter sogar zweimal mit einem Doppeldecker, sorgten dafür, dass von Heimvorteil keine Rede mehr sein konnte. "Zum Teil haben wir Auswärtsspiele zu Heimspielen gemacht."

Ein besonders wichtiger Moment war die Frühjahrsrunde der vergangenen Saison in der Kreisliga, als der TSV Lindberg zur Winterpause mit lediglich sieben Punkten das Tabellenende zierte und die Lage aussichtslos schien. Doch den Kopf in den Sand stecken, das war keine Option: "Lindberg gibt nie auf", lautete das Motto, das auf einem Spruchband verewigt wurde und die Mannschaft in jedem Spiel begleitete. Am Ende wurde der Kampfgeist mit dem nicht mehr für möglich gehaltenen Klassenerhalt belohnt.

Der Kult um die "Lindberger Jungs" nimmt unterdessen immer mehr zu. Mittlerweile werden auch Fanartikel vertrieben, die sich großer Beliebtheit erfreuen. Die Kollektion mit Shirts und Schals ist für viele Anhänger ein Muss. Der nächste große Feiertag steht am 12. Oktober an, wenn der SC Zwiesel wieder zum Derby kommt. "Die Fans dürfen sich wieder auf eine spektakuläre Inszenierung gegen den SC freuen", kündigen die "Lindberger Jungs" an. Bleibt zu guter Letzt eigentlich nur noch die simple , aber doch recht schwierige Frage: Warum macht man das in der 8. Liga? "Uns verbindet der Zusammenhalt und die gemeinsame Leidenschaft für Fußball und den TSV Lindberg. Deshalb machen wir das. Und weil wir es lieben..."

