
Im Bezirksliga-Topspiel gegen den SVN München zeigte Fatih Ingolstadt eine Fair-Play-Aktion, die Ihresgleichen sucht.
Ingolstadt/München – Das erlebt man nicht alle Tage! Im Topspiel gegen Fatih Ingolstadt verletzte sich Mehmet Köse vom SVN München schwer. Da die Neuperlacher ihr Wechselkontingent bereits ausgeschöpft hatten, entschied Ingolstadt-Trainer Fatih Topcu, ebenfalls mit zehn Mann weiterzuspielen.
Aber das Wichtigste zuerst: Mehmet Köse geht es gut. Er konnte das Krankenhaus noch am Sonntag wieder verlassen.
Sechs Minuten Nachspielzeit hatte der Schiedsrichter angezeigt, die zweite lief bereits. In einem hitzigen Topspiel hatte Fatih Ingolstadt längst zur Schlussoffensive geblasen. Nach sieben Siegen in Folge lag das formstärkste Team der Liga zu Hause mit 1:2 gegen den ungeschlagenen Tabellenführer SVN München zurück.
Bei einem Eckball für Fatih prallte SVN-Keeper Wassim Zormati in seinen Mitspieler Mehmet Köse. Dieser blieb liegen, bekam keine Luft mehr. Der Krankenwagen musste ihn abtransportieren. Das Spiel war für gut 25 Minuten unterbrochen.
Schwere Verletzungen sind gerade im Amateurfußball leider keine Ausnahme, wie Fatih Ingolstadt darauf reagierte aber schon.
„Ich konnte leider nicht aufs Spielfeld, weil ich schon die Gelb-Rote Karte gesehen hatte“, sagte Ingolstadt-Trainer Fatih Topcu, „aber mein Spieler Akif Abasikeles kam zu mir und hat gefragt: ‚Die können nicht mehr wechseln, wie sollen wir weiterspielen?‘“
Nach kurzer Rücksprache mit SVN-Trainer Dennis Magro entschied Topcu, selbst einen Spieler vom Feld zu nehmen und die verbliebenen drei Minuten mit zehn gegen zehn zu spielen. „Es geht nicht immer um das Ergebnis. Das Fairplay muss auch im Vordergrund stehen“, begründete Topcu seine Entscheidung.
Und weil der Fußball, auch wenn er gerade zur Nebensache geworden ist, die besten Geschichten schreibt, traf eben dieser Akif Abasikeles in der 27. Minute der Nachspielzeit zum 2:2-Endstand.
Geärgert hat sich darüber niemand, vielmehr beglückwünschte SVN-Trainer Magro den Gegner, der an diesem Nachmittag keiner war: „Ich kann nur unseren größten Respekt für das Verhalten von Fatih Ingolstadt ausdrücken. Sie haben eindrucksvoll bewiesen, dass es im Fußball wichtigeres gibt, und sowas gehört auch belohnt. Deswegen ist mir der späte Ausgleich, auf Deutsch gesagt, auch scheißegal.“
Und obwohl viel auf dem Spiel stand, kam auch Topcu zum gleichen Schluss: „Das 2:2 war nicht mehr wichtig. Hauptsache, dem Spieler geht es gut.“