
Marc Kleefisch, bis Sommer sieben Jahre lang in Diensten des FC Wegberg-Beeck und als Torschützenkönig der Mittelrheinliga gegangen, trifft nun auch für Landesligist Germania Lich-Steinstraß fast nach Belieben: Nach fünf Spielen führt „Klee“ die Torschützenliste mit bereits neun Toren mit großem Vorsprung an. Was freilich keine Überraschung ist – der 27-Jährige verfügt nun einmal über einen herausragenden Torriecher.
In der Mittelrheinliga führt dieses Ranking zurzeit Luke Eismann von der U23 Fortuna Kölns mit fünf Treffern an. Direkt dahinter liegt mit je vier Toren ein Beecker Duo: Salim Chekrouni (dazu zwei Assists) und Donovan Agyemang (ein Assist). Und das ist eine faustdicke Überraschung. Denn von diesen beiden Youngstern, die in Beeck zu den vielen neuen Spielern gehören, waren derartige Bilanzen wahrlich nicht zu erwarten.
Da ist zum einen Chekrouni. Der 18-Jährige, der aus der U19 Alemannia Aachens kam, bis 2020 das kleine Fußballeinmaleins aber beim 1. FC Heinsberg-Lieck gelernt hatte, war in der Vorbereitung eigentlich gar nicht mal so auffällig. Sein Talent zeigte er zwar auch da schon, doch da deutete noch nicht so viel auf eine Leistungsexplosion in der Meisterschaft hin. „Der Sprung aus der Jugend in die raue Männer-Mittelrheinliga ist nun einmal sehr groß – gerade, wenn man wie Salim aus einem Nachwuchsleistungszentrum kommt, wo grundsätzlich viel Wert aufs Spielerische gelegt wird.
An das Körperliche, die vielen Zweikämpfe, musste sich auch Salim erst mal gewöhnen – und das hat er ungewöhnlich schnell geschafft“, urteilt sein Trainer Danny Fäuster – und schiebt nach: „Dazu ist Salim ein sehr intelligenter Spieler, der sich gut in den Räumen zu bewegen weiß. Vom Naturell her ist er zudem ein Strahlemann, der immer ein Grinsen im Gesicht hat.“
Chekrouni ist zudem ein Musterbeispiel für einen Umstand, von dem Beeck schon häufiger profitiert hat – konkret: der fehlende beziehungsweise mangelhafte Unterbau Alemannia Aachens. Denn etliche Jahre unterhielt der Drittligist überhaupt keine Reserve – und aktuell spielt die nur in der Kreisliga A. Die ist für aus der U19 kommende Akteure, die so realistisch sind einzusehen, dass sie – zumindest vorerst – keine Chance auf die 3. Liga haben, natürlich höchst unattraktiv. Folglich suchen sie einen hochklassig spielenden Amateurverein in der Nähe und landen so häufig in Beeck.
Das war schon bei Tom Geerkens so, nun Stammspieler bei Drittligist Fortuna Köln, das war vor zwei Jahren auch bei Leo Mirgartz so, nun Topspieler bei der U23 Fortuna Düsseldorfs – zwei herausragende Beispiele, die Beeck erfolgreich als Sprungbrett für noch höhere Aufgaben genutzt haben. Was eine klassische Win-Win-Situation war – und auch Beecks Vereinsprofil entspricht. „Wir sind ein Ausbildungsverein“, betont Beecks Vorsitzender Tim Banerjee gerne und häufig.
Nicht von Aachens U19, sondern aus der U19 des VfL Bochum kam Agyemang. Den konnte man in der Vorbereitung zwangsläufig noch gar nicht beurteilen – der kam schließlich erst nach dem Liga-Auftaktspiel, dem 1:1 beim SV Hohkeppel. „Donovan ist ein variabel einsetzbarer Offensivspieler, der sowohl im Sturmzentrum als auch auf den Außenbahnen spielen kann. Besonders zeichnen ihn seine Schnelligkeit und seine Abschlussstärke aus.
Diese Fähigkeiten konnte er bereits im Training unter Beweis stellen und hat dabei einen sehr positiven Eindruck hinterlassen“, hatte Fäuster nach den ersten Trainingseindrücken über den 19-Jährigen gesagt, dessen Familie in Aachen wohnt – nun darf sich Beecks Coach vollauf bestätigt sehen. „Donovan bringt zudem eine Qualität mit, die in dem Kader so noch nicht vorhanden war: seine Dribbelkünste, seine Stärke im eins gegen eins“, ergänzt Fäuster nun.
Die Kombination aus Dribbel- und Abschlussstärke zeigte Agyemang auch vergangenen Freitag: Da erzielte er exakt auf diese Weise das 2:1-Siegtor im sehr intensiven Derby gegen den 1. FC Düren – Beecks vierter Sieg in Serie.
Auf den fünften hoffen die Kleeblätter am Sonntag. Da spielen sie bei der SpVg. Porz, an die diejenigen, die schon in der Vorsaison dabei waren, höchst unangenehme Erinnerungen haben. Denn im Saison-Auftaktspiel im Waldstadion gab es gegen den Verein aus dem Kölner Südosten ein reichlich ernüchterndes 3:3, und das Rückspiel in Porz vor gut sieben Monaten verlor Beeck gar 1:3.
Am Ende standen für Porz zwar nur 25 Punkte auf der Habenseite, doch das reichte dennoch locker zum Klassenerhalt, da das Abstiegstrio Weiden/Sportfreunde Düren/Pesch zusammen gerade mal 38 Punkte holte – die mit weitem Abstand schlechteste Bilanz, die je Mittelrheinliga-Absteiger zusammen vorgelegt haben.
Bei Porz ist weiterhin der Trainer der Star: Jonas „Jonny“ Wendt hält seit Jahren den Laden erfolgreich zusammen – und das mit dem wohl kleinsten Etat der Liga. Die SpVg. nahm Fäuster vergangenen Sonntag in Hohkeppel unter die Lupe: „Auch wenn Porz am Ende 1:4 verloren hat: Über 80 Minuten war Porz gleichwertig, hatte beim Stand von 1:1 sogar selbst zwei ganz dicke Gelegenheiten, um in Führung zu gehen. Nach einer tollen Einzelleitung ging Hohkeppel in der 80. Minute dann in Führung, und danach gingen bei Porz die Köpfe runter.“
Die Aufgabe werde daher alles andere als leicht: „Porz kommt sicherlich von der Mentalität, und die lebt der Trainer vor. Doch die Jungs können auch zocken, das habe ich in Hohkeppel eindeutig gesehen.“ Dennoch strebe man mit derselben Energie und Intensität wie bislang den nächsten Dreier an, betont Fäuster umgekehrt auch. Personell hat sich gegenüber der Vorwoche nichts geändert.