
18 Gelbe, eine Gelb-Rote, eine Rote: In Anbetracht dieser erstaunlichen Kartensammlung im Rahmen der vergangenen Saison - er hat 29 Spiele absolviert - , könnte man vielleicht meinen, Patrick Weimar ist einer der Fußballer-Typen, die sich nur mit Fouls helfen können. Einer, der den Gegnern in der Bayernliga Nord unterlegen ist und unfair sein muss, um nicht unterzugehen. Doch das genaue Gegenteil ist der Fall. Als ehemaliger Drittliga-Spieler und Ex-Profi gehört er zu den besten Akteuren der 5. Liga - und bekommt aus diesem Grund so viele persönliche Strafen.
Als Sechser ist der 28-Jährige, der beim Club Junioren-Bundesliga spielte und später bei der SpVgg Bayreuth große Fußspuren hinterlassen hat, immer mittendrin statt nur dabei. Der Mittelfeldspieler ist dort, wo es brennt – und dann auch keiner, der zurücksteckt. Er ist aber nicht nur der Robert Andrich des TSV Neudrossenfeld, sondern auch der Toni Kroos. Also der, der das Spiel lenkt und zerstört. "Ich setzte mit Vorliebe auf spielerische Lösungen", betont Patrick Weimar. "Wenn's sein muss, lange ich auch mal hin."
Der langjährige Regionalliga-Spieler betont aber, dass er nicht zur Rüpel- und Treten-Sorte gehört, die aus Spaß an der Freude gegnerische Schienbeine polieren. Seine Körperlichkeit hätte, so paradox es vielleicht klingen mag, mit Spielintelligenz, Taktik und Antizipation zu tun. "Die meisten gelben Karten bekomme ich nicht für brutale Grätschen, sondern für taktische Fouls und Trikotzupfer." Was für seine Interpretation seiner Kartensammlung spricht und auch dafür, dass er viele Verwarnungen ganz bewusst in Kauf nimmt, ist die Tatsache, dass es nur einmal zu einer gelb-roten Karte gekommen ist.
"Ich bin ja nicht dumm", betont Weimar. "Jeder Platzverweis wäre eine Schädigung für meine Mannschaft. So etwas gilt es unter allen Umständen zu verhindern." Dass da aber einer ist im Mittelfeld des TSV Neudrossenfeld, der sich nichts gefallen lässt, hat sich herumgesprochen. Man hat Respekt vor dem 24er der Oberfranken. Er wird in Anlehnung an Mark van Bommel als "Aggressive Leader" gesehen. Eine Bezeichnung, mit der sich Daniel Stöcker, Sportlicher Leiter der Drusserfelder, nicht so recht anfreuden kann. "Man könnte ihn sicher so bezeichnen. Das ist mir aber immer zu sehr auf Zweikämpfe reduziert und wird oft mit einem Rüpel verbunden."

Vielmehr sei Weimar, wie er sich bereits selbst als Fußballspieler charakterisiert hat, "hart und kompromisslos, aber auch clever“. Stöcker betont an dieser Stelle, dass der glatte Platzverweis gegen den ASV Neumarkt am 4. Spieltag aus seiner Sicht eine Fehlentscheidung gewesen sei. Insgesamt beschreibt der TSV-Vertreter seinen zentralen Mann als "Führungsspieler, der unheimlich wichtig ist für das Team".
Patrick Weimar scheint angekommen – in Neudrossenfeld, in der Bayernliga, zurück auf Amateurniveau. Und auch im defensiven Mittelfeld. Zu Beginn seiner Karriere war er nämlich noch Außenspieler. Erst von Timo Rost in der Altstadt wurde er umfunktioniert. Die Zeit in Bayreuth will er nicht nur deshalb nicht missen. Auch das Profidasein war ein "schönes Kapitel". Das Vergangene ist vergangene. "In Neudrossenfeld habe ich die beste Gelegenheit, gehobenen Amateurfußball mit Familie und Beruf zu vereinen. Es passt einfach!" Selbe Worte könnten von den Verantwortlichen um Daniel Stöcker kommen. Denn sie wissen, dass sie da einen haben, der auf dem Spielfeld immer weiß, was er tut...
