2026-05-29T11:52:36.002Z

Allgemeines

Ex-Bundesliga-Spieler Patrick Funk hört auf: „Da hatte ich Gänsehaut“

Nach sieben Jahren beim Oberligisten TSV Essingen beendet Patrick Funk am morgigen Samstag seine Spielerkarriere. Er hat unter anderem für den VfB Stuttgart, den FC St. Pauli, den SV Wehen Wiesbaden und den VfR Aalen gespielt.

von pm · Heute, 14:30 Uhr · 0 Leser
– Foto: Jani Pless

Nach einer langen Profikarriere ist Patrick Funk in Essingen eine sehr geschätzte Persönlichkeit und ein wichtiger Leistungsträger geworden. Nach der siebten Saison ist nun Schluss. Doch Funk wird dem TSV Essingen in einer anderen Funktion erhalten bleiben.



Patrick Funk und der TSV Essingen haben sich gesucht – und gefunden. Der 36-Jährige ist ein prägendes Gesicht der positiven Entwicklung in den vergangenen Jahren, beeindruckte sowohl auf als auch neben dem Platz. Nach dem abschließenden Ligaspiel gegen den SSV Reutlingen am morgigen Samstag wird er seine Spielerkarriere beenden.

Mehr Zeit für die Familie

Dass im Sommer Schluss sein würde, hat Funk den Verantwortlichen bereits im Winter mitgeteilt. Der größte Faktor für diese Entscheidung ist die familiäre Situation: „Meine Frau macht eine Lehrerausbildung. Ich habe es selbst gemacht, weiß wie anspruchsvoll das ist. Sie hat sich immer nach mir orientiert. Jetzt stelle ich mich mal hinten an. Wir haben zwei wunderbare Kids. Ich freue mich darauf, zukünftig mehr Zeit für meine Familie zu haben.“

Auf dem Platz hat Funk in dieser Saison noch einmal abgeliefert, machte 26 Oberligaspiele, davon 23 von Beginn an. Dennoch spürt der 36-Jährige, dass der Körper längere Regenerationsphasen braucht. „Ich merke, dass ich auf der letzten Rille daherkomme. Die Gelenke tun länger weh nach Belastungen.“

Wie eine Abschiedstournee habe sich die Rückrunde aber nicht angefühlt: „Es war wie immer. Man ist die ganze Zeit im Modus, bereitet sich jede Woche auf den Wettkampf vor. Wie emotional es am Samstag wird, weiß ich noch nicht.“

Sehr geschätzte Persönlichkeit

Nach seiner Profikarriere war für Funk klar, dass er noch unterklassig weiterspielen möchte. Rückblickend sagt er aber auch: „Ich hätte nie gedacht, dass ich noch sieben Jahre in Essingen spielen würde. Aber es hat so viel Spaß gemacht. Es sind mit Siad Esber und Lars Eisenmann super Leute hier, mit denen es von Anfang an gepasst hat. Diese Bodenständigkeit, aber dennoch brutal ehrgeizig und ambitioniert – damit kann ich mich identifizieren.“

Trainer Simon Köpf hebt vor allem die Persönlichkeit von Funk hervor: „Er ist ein Vorbild an Fleiß und Einsatz. Zudem immer zuvorkommend und freundlich. Vom ersten Tag, als er in die Kabine kam, war er ein positiver Faktor. Er versprüht immer gute Laune. Zudem hat er einen sehr großen Fußball-Sachverstand.“

Funk wird dem TSV Essingen auch über den Sommer hinaus erhalten bleiben und arbeitet an der Seite von Lars Eisenmann in der sportlichen Leitung. „Ich greife ihm unter die Arme und möchte meinen Anteil leisten. Lars trägt die Verantwortung und trifft die Entscheidungen.“

Köpf freut sich über die neue Rolle von Funk: „Er kann uns auch in der neuen Position sehr viel geben. Er weiß, wie wir alle ticken und was wir brauchen. Da kann er einen großen Teil dazu beitragen, dass es weiterhin erfolgreich läuft.“

Perspektivisch sieht sich Funk auch als Trainer: „Ich bin positiv, motiviere gern. Momentan ist es zeitlich nicht drin, aber langfristig kann ich mir das auf jeden Fall vorstellen.“

Positive Entwicklung

Die Entwicklung in Essingen in den vergangenen Jahren sieht Funk rundum positiv: „Der Aufstieg war natürlich ein Highlight. Das Schönste war das Feiern danach, gefühlt war ganz Essingen auf Malle. Beeindruckend war dann vor allem die zweite Oberligasaison, als wir nach acht Niederlagen zum Start am Ende noch souverän die Klasse gehalten haben. Da hat man mal wieder gesehen, was für eine Mentalität diesen Verein und die Mannschaft ausmacht.“

Vor allem junge Spieler hätten sich laut Funk sehr gut weiterentwickelt: „Wenn ich an Jannik Pfänder oder Besnik Koci denke: Am Anfang waren das kleine, süße Jungs, die schnell verunsichert waren, wenn etwas nicht so funktioniert hat. Jetzt sind sie gestandene Oberligaspieler.“

Prägende Erlebnisse der Karriere

Mit Blick auf seine Profikarriere empfindet Funk inzwischen vor allem Dankbarkeit: „Damals habe ich immer gedacht, es ist selbstverständlich vor 40.000 Zuschauern oder mehr zu spielen. Erst später habe ich realisiert: Das waren richtig geile Erlebnisse.“ In Erinnerung bleibt ihm vor allem das Bundesligaspiel mit dem VfB Stuttgart in Dortmund, als Funk 90 Minuten als rechter Verteidiger auf dem Platz stand. „Ich hatte Gänsehaut, als Dortmund das 1:0 geschossen hat. Das dürfte ich keinem erzählen, aber es war so.“

Vor allem die Zeit beim FC St. Pauli war für Funk prägend: „Diese Zeit war unfassbar. Das lernt man erst später richtig zu schätzen.“

Eine weitere wichtige Erkenntnis hat Funk auch erst während seiner Karriere erlangt: „Fußball ist eine Blase. Man hat das Gefühl, dass sich alles um Fußball dreht. Aber es ist enorm wichtig, einen Ausgleich zu haben. In meiner Zeit bei Wehen Wiesbaden war ich regelmäßig mit Alf Mintzel angeln. Wir haben das ein oder andere Kaltgetränk getrunken und über das Leben gesprochen. Das war dieser Ausgleich, den es gebraucht hat.“

Darüber hinaus weiß Funk die jahrelange Unterstützung seines nahen Umfeldes zu schätzen: „Meine Frau hat mir immer zu 100 Prozent den Rücken freigehalten, meine Eltern haben mich immer unterstützt. Das ist enorm wertvoll, solche Menschen um sich herum zu haben.“

Patrick Funk

Geboren am 11.2.90 in Aalen

146 Pflichtspiele (8 Tore) für den TSV Essingen
Neun Bundesligaspiele für den VfB Stuttgart
56 Zweitligaspiele für den FC St. Pauli
179 Drittligaspiele für den SV Wehen Wiesbaden
32 Drittligaspiele für den VfR Aalen