2026-03-09T15:40:23.061Z

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Ex-Bayern-Talent: „Habe den Traum vom Profifußball gelebt – aber anders“

Nitzl im großen Interview

von Sarah Georgi · Heute, 17:30 Uhr · 0 Leser
In der U19 des FC Bayern durfte Alexander Nitzl mit der Kapitänsbinde auflaufen.
In der U19 des FC Bayern durfte Alexander Nitzl mit der Kapitänsbinde auflaufen. – Foto: Sven Leifer

Er hatte den Traum, Profifußballer zu werden. Am Ende hat er seinen Traum gelebt, aber anders. Jetzt ist Alexander Nitzl zurück im Münchner Amateurfußball.

Früher spielte er im Nachwuchsleistungszentrum des FC Bayern München, war Junioren-Nationalspieler und kurz vor dem Sprung in die Bundesliga. Es schien, als könnte Alexander Nitzls Traum der Profikarriere wahr werden. Statt in der Bundesliga kickt der beim TSV Neuried groß gewordene Nitzl seit einigen Wochen beim SV Untermenzing in der Bezirksliga. Gelebt hat er seinen Traum in den vergangenen Jahren trotzdem, wenn auch etwas anders als erwartet. Der defensive Mittelfeldspieler oder Abwehrspieler im Interview mit Fussball Vorort:

Hallo Alexander, dein Traum war es, Profifußballer zu werden. Was ist seit der U19 beim FC Bayern alles passiert?

Mein Vertrag bei Bayern ist nach meinem ersten U19-Jahr ausgelaufen. Ich hatte Vertragsverhandlungen, aber habe mir in Hoffenheim die größere Chance ausgerechnet, es in den Profibereich zu schaffen. Ich wollte mir nach dem Abitur dafür ein Jahr Zeit nehmen. Bei der TSG habe ich sehr erfolgreich in der U19 gespielt, hatte in der U23 jedoch zwei eher unerfolgreiche Jahre. Meine Entwicklung ist etwas stagniert.

Woran hat es gelegen?

Ich hatte keinen Trainer, der zu 100 Prozent auf mich gesetzt hat. Der Zeitraum, in dem ich nicht gespielt habe, wurde immer länger. Ich habe festgestellt, dass es in Hoffenheim nicht weitergeht. Nebenbei habe ich begonnen, online zu studieren. Corona war ohnehin zu der Zeit. Gute Kontakte präsentierten mir dann die Möglichkeit, nach Amerika zu gehen, was ich im Januar 2021 gemacht habe. Dort habe ich mein „Full-Stipendium“ gemacht, also durch den Fußball, die Uni und Lebensgebühren finanziert.

Alexander Nitzl in einem Spiel für die University of Maryland.
Alexander Nitzl in einem Spiel für die University of Maryland. – Foto: Tony Quinn/Icon Sportswire via www.imago-images.de

Was ist dann aus dem Traum geworden, Profifußballer zu werden?

Mit dem Schritt nach Amerika ist der Profi-Traum nach hinten gerutscht. Davor hatte ich alles daran gesetzt, Profi zu werden. In Amerika habe ich dann gemerkt, ich muss realistisch mit mir selbst sein. Ich wollte nicht dieser Spieler werden, der den Absprung verpasst. Ich hatte keine Lust, jedes Jahr einem Vertrag zwischen Fünfter und Dritter Liga hinterherzujagen, ohne Kontrolle über mein Leben. Wir hatten in Amerika trotzdem absolut professionelle Bedingungen wie im Profibereich in Deutschland – nur mit weniger Aufmerksamkeit.

„Ich habe den Traum vom Profifußball trotzdem gelebt, aber anders, als das von meinem jugendlichen Ich erträumt war.“

Alexander Nitzl sieht seinen Traum vom Profifußball nicht als gescheitert, sondern ist glücklich mit seinem Weg.

Ich konnte Fußball spielen und nebenbei noch studieren, was mir auch krass viel Spaß gemacht hat. Fünf Jahre im Ausland leben, die Welt sehen, studieren, immer noch geilen Fußball spielen. Ich habe den Traum vom Profifußball trotzdem gelebt, aber anders, als das von meinem jugendlichen Ich erträumt war.

Warum nun gerade der SV Untermenzing in der Bezirksliga?

Ich habe nach meiner Rückkehr nach München ein paar Monate gar nicht Fußball gespielt und dabei schnell gemerkt: „Ich mach es wahnsinnig gern.“ Von meinem engeren Freundeskreis spielen recht viele beim SV Untermenzing. Ich habe ein paar Mal mittrainiert. Das Trainerteam, die Jungs und das Gesamtkonzept haben gepasst, sodass ich gesagt habe: Ich steige da jetzt ein und lasse mich mal Vollgas auf den Amateurbereich ein.

Was sind deine Ambitionen in Untermenzing?

Ich will mir ein Leben mit einer guten Balance aus Arbeit, Freizeit und Sport aufbauen. Der Fußball macht mir am meisten Spaß, deswegen bin ich sehr dankbar, dass ich jetzt wieder regelmäßig Fußball spielen kann. Dadurch, dass wir jetzt nicht wie früher sechsmal die Woche trainieren, habe ich auch Zeit, anderen Sportaktivitäten nachzugehen und muss mein Leben nicht komplett dem Fußball unterordnen – kann es aber, wenn ich möchte. Mit Untermenzing will ich die Rückrunde möglichst positiv gestalten.

„Was sich von früher zu heute verändert hat, ist der Traum, Profi werden und vom Fußball leben zu wollen.“

Alexander Nitzl über die Wichtigkeit des Fußballs für ihn.

Was bedeutete dir der Fußball früher und was bedeutet er dir heute?

Ich liebe den Fußball. Ich liebe das Leben, das ich lebe, die Erfahrungen, die ich gesammelt habe und auch noch weiterhin sammeln werde. Ich bin dankbar, so viele Menschen in meinem Leben zu kennen, die ich nur durch den Fußball kennengelernt habe. Der Fußball wird immer einen sehr, sehr großen Stellenwert in meinem Leben darstellen. Was sich von früher zu heute verändert hat, ist der Traum, Profi werden und vom Fußball leben zu wollen. Das ist es jetzt nicht mehr, aber das schmälert nicht, wie wichtig mir der Fußball ist.