2024-07-17T10:40:36.325Z

Ligabericht
Offizielle Meisterehrung mit BFV-Bezirksspielleiter Dominik Frauenholzer, Mauricio Göhlert und Rüdiger Hügel.
Offizielle Meisterehrung mit BFV-Bezirksspielleiter Dominik Frauenholzer, Mauricio Göhlert und Rüdiger Hügel. – Foto: Werner Franken

Eventuelle Störfälle am Wasserwerk: »Wir sind leiderprobt«

Das Auf und Ab der SpVgg SV Weiden führt die Oberpfälzer wieder einmal in die Bayernliga - dieses Mal langfristiger?

Auch wenn es in der Relegation gegen den SV Schwandorf-Ettmannsdorf eine enge Kiste war, ist die SpVgg SV Weiden im Sommer 2023 nach nur einem Jahr Bayernliga verdient gleich wieder abgestiegen. Daraus machte Manager Rüdiger Hügel damals keinen Hehl - und auch im Rückblick ist er davon überzeugt. Die Gemengelage rund um das Wasserwerk stimmte seinerzeit einfach nicht, "auch der Kader war zu klein und hätte besser zusammengestellt sein können". Beim oberpfälzischen Traditionsverein weiß man also, an welchen Stellschrauben gedreht werden muss, damit es dieses Mal mit einem längeren Aufenthalt in der 5. Liga klappt.

Noch einmal 12 bzw. 24 Monate zurück: Diese Bayernliga-Episode hatte für Weiden einen alles andere als idealen Start. Noch bevor der Ball ein erstes Mal rollte, trennte man sich von Sportchef Hannes Beer. Aufstiegstrainer Andreas Scheler trat daraufhin zurück. So lag von Beginn an ein Schatten auf der Spielzeit, der nur sehr, sehr langsam wieder Sonnenschein wich. Dieses Personalbeben sei aber nicht die "Patentursache" (Zitat Hügel) für die schnelle Landesliga-Rückkehr gewesen. "Wir hatten auch kein Matchglück in wichtigen Partien", betont er.

Vergangenheit, die aber noch nicht abgehakt ist. Ganz bewusst. Denn man hat, so betont der Sportliche Leiter, aus den Fehlern von damals gelernt. "Die Kommunikation aller entscheidenden Beteiligten ist wesentlich besser geworden, die Arbeitsweise transparenter", berichtet Rüdiger Hügel. Danach gefragt, ob das vor seiner Zeit nicht so war, antwortet er: "Scheinbar nicht. Aber ich will mir nicht anmaßen, über meine Vorgänger zu urteilen." Überzeugt ist der leitende Funktionär aber, "dass es dieses Mal nicht zu einem derartigen Super-GAU kommen" wird. Hügel erwartet zwar, dass es nur um den Klassenerhalt gehen wird, schielt aber insgesamt auf eine stabile Saison.

Das liegt auch daran, dass etwas gewachsen ist am Wasserwerk in der vergangenen Landesliga-Runde. "Dass wir vorne mitspielen werden, war uns klar. Die Deutlichkeit war aber dann schon überraschend." Nachdem sich Rodler & Co. nach dem Abstieg gesammelt und neu gefunden hatten, dominierten die Oberpfälzer scheinbar nach Belieben die Mitte-Staffel. Am Ende landete man 14 Punkte vor Vizemeister Seebach. Unglaubliche 22 Spiele in Folge konnten zwischenzeitlich gewonnen werden. "Nach dem durchwachsenen Start haben wir einige Entscheidungen getroffen und Umstellung vorgenommen. Offensichtlich die richtigen, wie sich herausgestellt hat."

Dass Tradition, und davon hat die SpVgg SV Weiden wahrlich genug, oft mit einer gewissen, oft zu hohen Erwartungshaltung verbunden ist, ist den Verantwortlichen um Rüdiger Hügel klar. "Auch dieses Mal wird wieder einiges an Druck von außen gemacht werden. Aber wir sind vorbereitet." Einerseits, weil die Leistungsträger um David Bedzicka und Moritz Zeitler nach einem Ab- und einem Aufstieg einen Schritt weiter sind. Andererseits, weil man sich mit Spielern wie dem prägenden Mauricio Göhlert klug verstärken konnte. Und insgesamt, weil die Führungsebene nun für Ruhe sorgt. "Der Fisch stinkt nicht mehr vom Kopf her", wie es Rüdiger Hügel formuliert.

Und dennoch wird der anvisierte Klassenverbleib kein Selbstläufer. "Meines Erachtens ist diese Liga extrem ausgeglichen und auch stärker als die Süd-Staffel." Es wartet also, obwohl man viele Gegner kennt, gewissermaßen eine Reise ins Ungewisse. Man kennt die Stärken und Schwächen der anderen Vereine. Und genau deshalb ist man sich bei der SpVgg SV Weiden einig, dass in jedem Spiel alles möglich ist – selbst gegen scheinbar offensichtliche Außenseiter wie die beiden Mitaufsteiger Karlburg und Münchberg. Zu klein machen will man sich aber auch nicht im Norden Bayerns: "Wir haben mehr Qualität und Quantität als vor zwei Jahren."

Hinzu kommt, wie bereits eingangs erwähnt: "Die Operation am offenen Herzen ist geglückt" (Hügel). Und nach dem fulminanten Landesliga-Jahr hat der Patient Weiden nun auch das Krankenhaus verlassen. Er ist zurück in seiner trauten Umgebung. Dort, wo er sich am wohlsten führt. In der Bayernliga. Bleibt nur zu hoffen, dass die Genesung weiter gut voranschreitet und es zu keinen Rückschlägen kommt. Und auch dann weiß man sich bei sich selbst inzwischen in guten Händen. "Wir sind leiderprobt", unterstreicht Rüdiger Hügel. "Auf einen Traditionsverein wie die SpVgg SV Weiden kommt immer einiges zu. Wir sind gefasst darauf!"

Aufrufe: 010.7.2024, 12:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor