2026-05-15T09:36:57.455Z

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„Europameister? Das habe ich bis heute nicht realisiert“

Titel in Belfast, Glückwünsche in Frankfurt: Mia Giesen und Fiona Itgenshorst sind U17-Europameisterinnen. Die Spielerinnen von Borussia Mönchengladbach sprechen über ihre Erlebnisse während des Turniers und in Nordirland – und wie der EM-Sieg gefeiert wurde.

von Daniel Brickwedde · Heute, 09:30 Uhr · 0 Leser
Deutschlands U17-Juniorinnen sind Europameister
Deutschlands U17-Juniorinnen sind Europameister – Foto: Roland Schäfer

Am Montagnachmittag durften Mia Giesen und Fiona Itgenshorst am DFB-Campus in Frankfurt noch einige wichtige Hände schütteln. DFB-Präsident Bernd Neuendorf gratulierte, ebenso wie Geschäftsführer Sport Andreas Rettig und Vizepräsidentin Heike Ullrich. Gewiss ein erinnerungswürdiger Moment. Das größere Erlebnis fand für Giesen und Itgenshorst jedoch am Abend zuvor in Belfast statt – und war der Grund, weshalb beide mit dem deutschen Nationalteam in Frankfurt im Mittelpunkt standen: der Gewinn der U17-Europameisterschaft. Im Endspiel gab es einen 1:0-Sieg gegen Frankreich.

Die anschließende Nacht dürfte kurz gewesen sein. Doch solche Augenblicke müssen ausgekostet werden. Mit Eltern, Freunden und Familie sei es nach dem Abpfiff noch ins Hotel gegangen, anschließend habe das Team den Abend in kleinerer Runde ausklingen lassen – und die Momente genossen. Was die beiden 17-Jährigen erreicht haben, ist noch nicht ganz bei ihnen angekommen. „Ich habe bis heute noch nicht richtig realisiert, dass wir Europameister sind. Es war einfach eine Überwältigung der Gefühle“, sagt Itgenshorst am Montag. Giesen beschreibt es treffend als „ein absolutes Gefühlschaos“.

Giesen leitet das Tor zum EM-Sieg ein

Für beide war es das erste Turnier mit dem Nationalteam. Der Titel bei der Europameisterschaft in Nordirland war das klare Ziel. Das hatte Itgenshorst bereits vor dem Turnier gesagt. Diese Zuversicht, unschlagbar zu sein, verankerte sich im Verlauf der EM immer stärker im Team von Bundestrainerin Sabine Loderer. Daran änderte auch der späte Anpfiff des Endspiels um 20 Uhr Ortszeit nichts. Nervosität vor dem großen Spiel? Laut Giesen und Itgenshorst kaum vorhanden. „Wir hatten einfach die Überzeugung, dass wir das gewinnen. Und das haben wir am Ende auch getan“, sagt Giesen.

Giesen leitete später mit einer Flanke den 1:0-Siegtreffer gegen Frankreich ein, den Marie Kleemann in der 29. Minute per Abstauber erzielte. Die Gefühlswelt nach dem Abpfiff? „Man hat gesehen, wie jeder daran geglaubt hat und wie emotional das war, weil es wirklich jede wollte. Und dann war man einfach froh, dass man es geschafft hat“, sagt Giesen. Itgenshorst ergänzt: „Ich war einfach total erleichtert und extrem stolz auf dieses Team, auf uns alle.“ Um 22 Uhr Ortszeit gab es dann den Lohn: den EM-Pokal im Konfettiregen im Windsor Stadion von Belfast.

Halbfinal-Krimi gegen Spanien

Der Weg zum Titel hat trotzdem Kraft gekostet. Zumal die Spielerinnen einen Rhythmus von fünf Spielen in wenigen Tagen aus ihren Vereinen nicht gewohnt sind. „Da muss man ein ganz großes Lob an unsere Physios und generell an alle Betreuer aussprechen. Sie haben alles getan, damit wir für das nächste Spiel so frisch wie möglich sind“, sagt Itgenshorst. Gleichzeitig räumt sie ein: „Aber natürlich hat man zum Ende gemerkt, dass es knackiger wurde und man nicht mehr so frisch war wie am Anfang der Gruppenphase.“

Dramatischer Höhepunkt war der Halbfinalsieg im Elfmeterschießen gegen Spanien. „Bei jedem Treffer war es pure Freude – und es fiel ein Stein vom Herzen. Am Ende haben alle gejubelt und sind gesprungen. Das war Wahnsinn. Ich war mega stolz auf alle, die geschossen haben“, sagt Itgenshorst.

Zwar traten Itgenshorst und Giesen im Elfmeterschießen nicht an, beide waren trotzdem unverzichtbare Leistungsträgerinnen auf dem Weg zum EM-Triumph. Itgenshorst stand als zentrale Mittelfeldspielerin in jedem der fünf Turnierspiele in der Startelf. Giesen fehlte nur im bedeutungslosen letzten Gruppenspiel gegen Nordirland – der einzigen Partie, die Deutschland beim Turnier verlor (0:1). Dafür erzielte die Flügelspielerin beim 3:1-Vorrundenerfolg gegen Norwegen das erste deutsche EM-Tor.

Familie als Anker und Auszeit an der Küste

Stets dabei und auf der Tribüne lautstark am Anfeuern waren die Familien der Spielerinnen – ein wichtiger Anker für Itgenshorst und Giesen während der zehn Tage. „Manchmal haben sie sogar mehr mitgefiebert als wir, weil sie alles nur von außen erleben. Aber diese Momente nach dem Spiel, sie in den Arm zu nehmen und zu sehen, wie stolz sie sind – das gibt unglaublich viel Kraft“, sagt Itgenshorst.

Als Abwechslung zum Turnieralltag kam auch das Gastgeberland nicht zu kurz. Zwischen Gruppenphase und Halbfinale hatte der DFB-Tross drei Tage Pause und unternahm einen Ausflug an die Küste bei Belfast. „Einfach mal durchatmen und wieder das Grüne sehen. Das hat uns extrem gutgetan. Weg vom Fußball, einfach genießen“, sagt Itgenshorst.

Für Deutschland war es insgesamt der neunte U17-EM-Titel. Zu den Gewinnerinnen der jüngeren Vergangenheit zählen unter anderem die aktuellen A-Nationalspielerinnen Jule Brand, Sjoeke Nüsken und Lena Oberdorf. Ob Itgenshorst und Giesen eine ähnliche Karriere einschlagen – wer weiß das schon? Die Bezeichnung U17-Europameisterin haben sie aber mit diesen Namen nun gemeinsam.