Alfred Kohlhäufl in Ekstase: Wenn man gegen den Erzrivalen - sehr zum Leidwesen von "Bomber" Gerd Müller - trifft, kann man schon mal etwas ausgelassener jubeln.
Alfred Kohlhäufl in Ekstase: Wenn man gegen den Erzrivalen - sehr zum Leidwesen von "Bomber" Gerd Müller - trifft, kann man schon mal etwas ausgelassener jubeln. – Foto: Imago Images

Alfred Kohlhäufl - die Löwen-Legende mit niederbayerischem Blut

Niederbayerische Exportschlager: Alfred Kohlhäufl - Teil 1: Der 74-Jährige aus Geiselhöring war in den 60ern und 70ern Kapitän beim TSV 1860 München

Wer hätte es gewusst, dass einer der Vorgänger von "Fußballgott" Sascha Mölders als Kapitän des TSV 1860 München aus Niederbayern kommt? Wohl die Allerwenigsten. In den 60ern und 70er war Alfred Kohlhäufl aus Geiselhöring (Lkr. Straubing-Bogen) nicht nur Teil des Löwen-Kaders, sondern wurde 1966 auch Meister mit Sechzig und führte das Team später sogar als Spielführer aufs Feld. Im ersten Teil des Interview spricht der 74-jährige Niederbayerische Exportschlager über die Essgewohnheiten seines Nachfolgers in Amt und Würden sowie über seine Jahre als Profifußballer in München, Pforzheim, Regensburg und Dortmund.

Alfred, der aktuelle Löwen-Kapitän Sascha Mölders vertilgt nach einem Spiel schon mal sechs Wurstsemmeln oder gönnt sich eine Pizza samt Weißbier. Erste Frage dazu: Deine Meinung zu diesen Essgewohnheiten eines Profis?
Sascha Mölders ist da die große Ausnahme. Man muss schon danach leben, um im Profigeschäft bestehen zu können.

Du findest es also nicht weiter schlimm, dass Sascha Mölders, wie ihm Kritiker vorwerfen, nicht auf seinen Körper achtet?
Mei - ist ja nur 3. Liga. Für weiter oben würde es nicht mehr reichen.

Zweite Frage dazu: Was hältst Du davon, dass im "modernen" Fußball derartige private Angelegenheiten u.a. über die Sozialen Medien an die Öffentlichkeit gelangen?
Wenn die Spieler das wollen, sollen sie es doch machen. Aus meiner Sicht ist von einem Profi nur für die Öffentlichkeit gedacht, was er sportlich leistet.


»Ich muss zugeben, einige Jahre verschenkt zu haben«



Fußballer sind inzwischen nicht mehr nur sportliche Prominenz, sondern auch gesamtgesellschaftliche. Wie war das bei Euch damals?
Mich hat keiner gefragt, was ich in meiner Freizeit mache. Scheinbar war ich zu uninteressant, zu normal. Außerdem blieb für solche Sachen auch keine Zeit. Wir haben - als ich Vollprofi war - zweimal täglich trainiert, nebenbei habe ich studiert.

Die Medien waren in den 60ern und 70ern wohl auch noch nicht so aggressiv.
Ja, das stimmt. Wobei: Beim Training war immer die ein oder andere Zeitung anwesend. Und wenn man auf dem Oktoberfest über die Stränge schlug, wurde das auch gleich thematisiert. Dann hat es eine Geldstrafe gegeben - und aus.

Während heute beispielsweise ein PR- und ein Ernährungsberater Usus sind, "reichte" zu Deiner aktiven Zeit ein Trainer, dessen "Co" und ein Masseur...
(unterbricht die Frage) Ein Manager, der im Hintergrund alles organisiert hat, hatten wir schon auch. Den Hans Ettinger.

... wärst Du aufgrund der nun üblichen Rundum-Betreuung heute lieber Fußballer?
(überlegt) Einen Rentner zu fragen, ob er noch einmal Profi sein möchte. (lacht) Ich könnte es mir nicht mehr vorstellen. (überlegt) Rein vom Finanziellen her möchte ich schon tauschen (lacht herzlich). Spaß beiseite: Wir haben schon auch gutes Geld verdient. Fritz Walter, mein großes Idol, hat beispielsweise einen Bruchteil von dem bekommen, was ich überwiesen bekommen habe - obwohl er so ein toller Fußballer war. Die Zeiten ändern sich einfach.


Der freiwillige Gang in die 2. Liga


Zum Guten oder zum Schlechten?
Für die Spieler ausschließlich Ersteres. Früher, zu meiner Zeit, waren die Eintrittsgelder zu 90 Prozent die Einnahmen des Vereins. Die Werbung die restlichen 10 Prozent. Heute ist es umgekehrt. Deshalb können die Vereine auch in Corona-Zeiten ohne Zuschauer überleben. Damals wäre das nicht möglich gewesen.

Welches Gehalt hast Du zu Deiner besten Zeit bezogen?
(lacht herzlich) Das weiß ich gar nicht mehr.

Du warst Junioren-Nationalspieler mit u.a. Norbert Nigbur und Berti Vogts. Zudem hast Du als junger Bursche dem Meisterkader der Löwen 1965/66 angehört. Letztlich warst Du aber eher in der 2. Liga aktiv und hast für Dortmund und 60 "nur" rund 50 Bundesliga-Spiele bestritten. Bist Du mit einer Karriere zufrieden?
Ja. Doch. Schon. Wobei ich im Nachhinein zugeben muss, einige Jahre verschenkt zu haben.

Inwiefern?
Während junge Spieler, die mit mir in der Jugendauswahl gespielt haben, sich in der 2. Liga im Herrenbereich akklimatisieren konnte - Berti Vogts bei Gladbach, Horst Köppel bei Stuttgart - bin ich gleich zum damaligen Spitzenteam Sechzig gewechselt. Klar, ich bin gleich Meister geworden. Aber gegen die Platzhirschen dieser Mannschaft, darunter viele Nationalspieler, hatte ich als junger Spund keine Chance. Das hat mich zurückgeworfen.

Wie ging es weiter?
Ich bin freiwillig in die 2. Liga gegangen, um einen neuen Anlauf zu nehmen. 69/70 bin ich dann wieder in die Bundesliga gewechselt - zu Borussia Dortmund. Ich war dort Stammspieler, aber dennoch nicht glücklich. Ich bin sehr heimatverbunden und verdiene lieber etwas weniger Geld, spiele dafür aber in Bayern. Deshalb bin ich zum Jahn gegangen und später zu den Löwen zurückgekehrt.

Zu Deinem Kindheitstraum?
Ja, schon. Damals standen die Sechziger noch weit vor den Bayern.

Im zweiten Teil des Interviews spricht Alfred Kohlhäufl über seine Erfahrungen mit und als Trainer. Außerdem erklärt er, warum er sich komplett zurückgezogen hat und der ehemalige Löwen-Kapitän wirft einen Blick auf die aktuelle Situation bei Sechzig.

Aufrufe: 018.3.2021, 06:00 Uhr
Helmut WeigerstorferAutor

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