Freude am Fußball soll das Modellprojekt Fair-Play-Liga den kleinsten Nachwuchskickern vermitteln. 	F.: Ch. Abarr
Freude am Fußball soll das Modellprojekt Fair-Play-Liga den kleinsten Nachwuchskickern vermitteln. F.: Ch. Abarr

»Etliche Trainer sprechen von Verrat am Fußball«

Über das Modellprojekt »Fair-Play-Liga« für Nachwuchskicker gibt es unterschiedliche Meinungen

Die F-Junioren spielten in der vergangenen Saison in zahlreichen schwäbischen Ligen erstmals in der sogenannten „Fair-Play-Liga“. Unter anderem wurden die Spiele wie früher im Straßenfußball ohne Schiedsrichter ausgerichtet. Die Kinder regelten den Spielverlauf unter sich. Nur im Notfall griffen die beiden Trainer gemeinsam von der „Coaching-Zone“ aus in das Spiel ein. Unser Redakteur Werner Kempf sprach mit dem Allgäuer Kreisjugendleiter Karl Heinz Giegerich über das Modellprojekt.

Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?

Giegerich: Für uns war es als Mitarbeiter des Bayerischen Fußball-Verbandes etwas überraschend, dass die Jugendleiter der Vereine aus der Spielgruppe Sonthofen zu Beginn der vergangenen Saison die Einführung des Modellversuchs Fair-Play-Liga einstimmig befürwortet haben. Der zuständige Jugendspielleiter hat daraufhin alle F-Junioren-Spielgruppen nach dem Fair-Play-Modell – Einrichtung von Fanzone und Coaching-Zone sowie ohne Schiedsrichter – aber weiterhin mit Ergebnissen und Tabellen spielen lassen. Schon nach kurzer Zeit hat sich aber herausgestellt, dass längst nicht alle F-Juniorentrainer und -betreuer in gleichem Maße von diesem Modell angetan waren wie ihre Jugendleiter. Entsprechend hielten sich Zustimmung und Ablehnung so ziemlich die Waage.

Gab es auch Kritik?

Giegerich: Die Kritik richtete sich hauptsächlich gegen das Spielen ohne Schiedsrichter. Etliche Trainer berichteten, dass sich der selbstbewusstere, „stärkere“ Spieler in strittigen Szenen durchsetzt. Andere hätten sich gewünscht, dass mit der Einführung der Fair-Play-Liga gleichzeitig auch die Ergebnismeldung und die Tabellen abgeschafft werden. Die mangelhafte oder zum Teil fehlende Aufklärung der Eltern sowie der Trainer und Betreuer in Sachen Fair-Play-Liga wurde ebenfalls kritisiert.

Wie waren die Rückmeldungen von den Trainern und Betreuern?

Giegerich: Überwiegend wird die Einrichtung der „Fanzone“ mit einem weiteren Abstand der Eltern vom Spielfeld von allen Beteiligten positiv beurteilt. Die Reaktionen der Trainer und Betreuer reichte von Begeisterung bis zur Ablehnung. Für etliche Trainer scheint die Vorstellung, die Kinder einfach nur spielen zu lassen und auf den Schiedsrichter zu verzichten, nach wie vor ein „Verrat“ am Fußball.


Unterschiedliche Reaktionen erhielt der Allgäuer Kreisjugendleiter Karl-Heinz Giegerich bislang auf die Fair-Play-Ligen. F.: M. Becker

Und wie reagierten die Eltern?

Giegerich: Mir sind keine Beschwerden von Seiten der Eltern in puncto Fanzone bekannt. Offensichtlich ist auch von dort aus das Anfeuern der Mannschaften gut möglich.

Wird das Modellprojekt wieder eingestellt oder auch in dieser Saison fortgesetzt?

Giegerich: Der BFV möchte die Fair-Play-Liga ein weiteres Jahr auf freiwilliger Basis testen und erst im kommenden Jahr, vermutlich auf den Kreis- und Bezirkstagen sowie auf dem Verbandstag, soll eine Entscheidung getroffen werden.

Wo besteht Verbesserungsbedarf?

Giegerich: Wir benötigen unbedingt den in Bearbeitung befindlichen Film zur Fair-Play-Liga für unsere Tagungen sowie entsprechende Flyer mit den nötigen Informationen, zum Beispiel zum Spielfeldaufbau. Den Trainern müssen wir eine konkrete Hilfestellung geben, welche Aufgaben sie in der Coaching-Zone haben und wann bzw. wie sie eingreifen müssen. Die Zusammenarbeit der Trainer und Betreuer in der Coaching-Zone kann zudem nur funktionieren, wenn sie die gleiche Einstellung zum Kinderfußball haben.

Wie geht es im Oberallgäu weiter? Gibt es das Projekt bei den F-Junioren auch heuer wieder?

Giegerich: Im Altlandkreis Sonthofen spielen wiederum alle drei F-Juniorengruppen nach dem Fair-Play-Modell, auch im Bereich Kempten gibt es eine solche Spielgruppe. Am stärksten war der Widerspruch im Ostallgäu, obwohl von den fünf Vereinen, die dort in der vergangenen Saison das Modell getestet haben, drei positive schriftliche Stellungnahmen abgegeben hatten.

Wird die Fair-Play-Liga auch auf die D- und E-Junioren ausgedehnt?

Giegerich: An eine Ausweitung ist im Moment noch nicht gedacht. Langfristig könnte ich mir allerdings vorstellen, auch die E-Junioren nach diesem Modell spielen zu lassen. Da wäre allerdings großer Widerstand von den Vereinen zu erwarten, die mit den D-Junioren höherklassig spielen und die davon ausgehen, dass auch ihre E-Junioren bereits ergebnis- und leistungsorientiert spielen müssen.

730 Aufrufe25.9.2013, 19:46 Uhr
Allgäuer Anzeigeblatt / Werner KempfAutor

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