2026-01-15T09:41:53.693Z

Interview
Frank Bonfig (links), hier noch mit Ludwig Niklaus in Hesselbach kurz vor dem Aufstieg der SG Üchtelhausen
Frank Bonfig (links), hier noch mit Ludwig Niklaus in Hesselbach kurz vor dem Aufstieg der SG Üchtelhausen – Foto: Michael Horling

"Es war zu erwarten, dass dies ein schweres Jahr wird!"

Der SC Hesselbach hat Personalsorgen und dürfte vor einer herausfordernden Kreisliga-Saison stehen

Die schönsten und überraschendsten Geschichten schreibt nur der Fußball. Noch zu Beginn des Sommers wusste Frank Bonfig nicht, ob er diese Saison einen neuen Trainerjob annehmen wird und wenn: Wo. Nun startete der 56-Jährige in der selben Gemeinde wie zuvor und an dem Ort, an dem er mit seinem alten Team aufstieg.

Rückblende: Am Sonntagabend, den 26. Mai, fegte die SG Üchtelhausen/ Zell den FC Kleinsteinach mit 4:0 vom Feld, schoss den Gegner zurück in die Fußball-Kreisklasse Schweinfurt und schaffte selbst nach nur einer Saison den sofortigen Wiederaufstieg. In Hesselbach, wo sich Frank Bonfig natürlich freute. Doch zu diesem Zeitpunkt stand bereits fest, dass er nach nur einer Saison die SG schnell wieder verlassen wird. Trotz des sportlichen Erfolges, obwohl er nicht ungern geblieben wäre. Stefan Panhans stand als sein Nachfolger bereits fest.

Und nun... heuerte Bonfig ausgerechnet in Hesselbach an. Beim Nachbar und alten/ neuen Lokalrivalen der Üchtelhäuser. Anfang Oktober kommt es in Hesselbach zum Wiedersehen. Zum Start spielte der SC freilich erstmal auswärts und kam bei Neuling Fatschenbrunn mit 0:5 unter die Räder. Zu all dem sprachen wir mit Frank Bonfig.

Frank, wann hat sich das ergeben mit der neuen Aufgabe in Hesselbach? Vielleicht sogar schon am Tag des Triumphes mit Üchtelhausen?
Frank Bonfig: Nein, der Abteilungsleiter Hesselbach kam vor rund vier Wochen auf mich zu. Ich hatte da noch zwei weitere Optionen. Die Nähe zu meinem Wohnort hat dann auch zusätzlich den Ausschlag gegeben, das Abenteuer Hesselbach zu beginnen.

Frank Bonfig rechts am Rande, als Üchtelhausen in Hesselbach spritzte
Frank Bonfig rechts am Rande, als Üchtelhausen in Hesselbach spritzte – Foto: Michael Horling

Nun lief zum Saisonstart alles gegen Hesselbach. Wie erklärt sich ein 0:5 bei einem Aufsteiger? Sicher nicht nur mit der vielleicht noch anhaltenden Euphorie der Fatschis....
Frank Bonfig: Wir befinden uns in einem totalen Neuaufbau, etablierte Spieler haben den Verein verlassen oder haben aufgehört. Es wird ein sehr schwieriges Jahr, das ist uns aber allen bewusst. Zusätzlich sind einige Spieler durch Studium und Arbeit auch oft entweder unter der Woche oder am Spieltag nicht da. Außerdem haben wir noch zwei Langzeitverletzte. Damit ist die Personaldecke auf der letzten Rille. Es müssen letztjährige Spieler der zweiten Mannschaft in die Kreisliga geschmissen werden. Am Sonntag hatten wir bis zum 0:1 gut verteidigt, danach sind wir leider zusammengebrochen.

Wenn man sich Euro Vorbereitung anschaut, dann gab´s da schon eine Niederlage bei A-Klassist Thundorf und das Pokal-Aus bei Kreisklassist Kleinsteinach. War folglich der Fehlstart absehbar?
Frank Bonfig: Wie bereits erwähnt war der Fehlstart unter den beschriebenen Umständen vorhersehbar.

Nun folgt Heimspiel eins, ausgerechnet gegen Meisterschaftsanwärter TV Haßfurt. Danach geht´s nach Königsberg zu einem weiteren furios gestarteten Neuling, ehe der amtierende Vizemeister aus Ebelsbach bei Euch spielt. Droht die anhaltende Null zum Auftakt?
Frank Bonfig: Ja, das kann passieren. Wir dürfen uns aber nicht verrückt machen lassen. Es war zu erwarten, dass dies ein schweres Jahr wird. Sollte es dann am Ende nicht für den Klassenerhalt reichen, müssen wir es als Übergangsjahr ansehen. Aus Fehlern lernen und dann im nächsten Spieljahr vielleicht eine Klasse tiefer besser machen. Dann soll aber nicht heißen, dass wir jetzt schon aufgeben.

Kapitän Jannik Müller (am Boden grätschend) ist einer der wenigen Verbliebenen im Hesselbacher Kader.
Kapitän Jannik Müller (am Boden grätschend) ist einer der wenigen Verbliebenen im Hesselbacher Kader. – Foto: Michael Horling

Geht´s mutmaßlich nach den Plätzen elf und zwei Mal zehn rein um den Klassenerhalt und darum, irgendwie den eigenständigen Fußball in Hesselbach aufrecht zu erhalten?
Frank Bonfig: Dazu fehlt mir nach der Kürze der Zeit noch der tiefere Einblick. Aber es ist richtig, wir müssen die Jungs bei der Stange halten und wieder auf nachrückende Jugendspielern hoffen. So geht es inzwischen vielen kleinen Vereinen.

Wer fehlte denn zum Saisonstart und warum?
Frank Bonfig: Ich möchte da gar keine Namen nennen. Wie bereits geschrieben, haben wir mit Julian Mauder nach Nasen-OP und Björn Schlereth nach einer Knie-Operation zwei Langzeitverletzte. Außerdem meldeten sich noch drei Spieler kurzfristig am Sonntag ab.

Was hat es denn mit dem ausgefallenen Testspiel beim TSV Langenhaslach südlich von Günzburg auf sich? Warum kein Kick, warum der Plan, dort anzutreten?
Frank Bonfig: Die Hesselbacher haben mit dem TSV Langenhaslach eine Fußball-Freundschaft. Leider konnten wir an diesem Wochenende nicht genügend Spieler aufbringen. So wurde dann halt am Sonntag mit zehn Spielern in Hesselbach trainiert.

Die letzten Jahre war Teambuilding beim SC Hesselbach angesagt
Die letzten Jahre war Teambuilding beim SC Hesselbach angesagt – Foto: privat

Das Wiedersehen mit Üchtelhausen findet erst im Herbst statt. Was ist geblieben an den Kontakten zur SG nach der einen, erfolgreichen Saison?
Frank Bonfig: Wir durften ja gleich in meinem ersten Spiel für Hesselbach im Gemeindepokal gegen Üchtelhausen antreten. Ich hatte das Gefühl bis auf ein paar Ausnahmen war es ein freudiges Wiedersehen. Mit dem ein oder anderen besteht Kontakt über WhatsApp oder man trifft sich beim Fußball.

Hast Du am Wochenende geschaut, wie Üchtelhausen unter Deinem Nachfolger spielte? Die SG führte 2:0 und 3:2 in Breitbrunn, lag dann zurück und traf durch Timo Kraffts drittes Tor in der 95. Minute per Elfmeter. Gut für Dein Herz, dass Du nicht dabei warst?
Frank Bonfig: Klar verfolge ich die Spiele von Üchtelhausen. Ich war da gerne Trainer und der Erfolg war ja auch da. Der Spielverlauf wäre sicher nichts für meine Nerven gewesen. Aber Timo ist halt ein Goalgetter. Ich nehme an, dass Üchtelhausen am Ende der Saison deutlich über dem Strich steht.

Wir danken für das Gespräch und wünschen alles Gute!

Aufrufe: 031.7.2024, 15:00 Uhr
Michael HorlingAutor