2026-01-09T09:36:09.492Z

Allgemeines
– Foto: Horst Vogler

„Es geht nur gemeinsam“

Lupos Teammanager Tahar Gritli über Vorbereitung, Umbruch und den Kampf um den Klassenerhalt

Wenn Tahar Gritli über die vergangenen Monate spricht, tut er das ruhig, überlegt und ohne Ausflüchte. Die Hinrunde war hart, die Tabelle unbarmherzig. Doch wer meint, Lupo Martini Wolfsburg gehe geschlagen in die Winterpause, irrt. „Wir wussten, dass es schwer wird mit dem Umbruch“, sagt Gritli. „Aber die Mannschaft ist in den letzten Wochen viel näher zusammengerückt und eine Einheit geworden.“ Es ist ein Satz, der zu dieser Saison passt – und zu einer Mannschaft, die sich trotz Rückschlägen immer wieder aufrappelt.

Am Sonntag begann die Wintervorbereitung. Die Plätze waren gesperrt, also verlegte das Team seine ersten Einheiten ins Fitnessstudio: Spinningkurse, Kraftzirkel, zwei Gruppen im Wechsel. Es klingt nach Übergangslösung, doch Gritli sieht es anders. Der Rhythmus sei entscheidend, und der solle gar nicht erst verloren gehen. Bevor die Testspiele beginnen, ist eine Teambuilding-Maßnahme geplant. „Wir werden uns beim Paintball messen“, sagt er und lacht. Es sind diese Momente abseits des Platzes, die eine Mannschaft formen – besonders eine, die schwere Monate hinter sich hat.

Die Vorbereitung ist eng getaktet: Wernigerode am 24. Januar, Bleckenstedt am 31., Bavenstedt am 7. Februar. Kaum ist ein Trainingsrhythmus gefunden, steht am 15. Februar schon das Nachholspiel in Wilhelmshaven an. „Ein harter Start“, sagt Gritli. Aber auch eine Chance, den Schwung aus den letzten Auftritten mitzunehmen.

Ein langer Herbst – und eine Mannschaft, die nicht zerbrach

Der Herbst hatte tiefe Spuren hinterlassen. Verletzungen, Umstellungen, fehlende Eingespieltheit – kaum ein Wochenende, an dem Trainer Kevin Schulze seine Wunschformation aufbieten konnte. „Bei manchen Spielern war lange die Spielpraxis nicht da, bei anderen ist die Oberliga komplettes Neuland“, sagt Gritli. Dazu kam der Trainerwechsel, der die Mannschaft forderte. „Es war nicht leicht für einige, erneut eine neue Philosophie umzusetzen.“

Doch trotz aller Schwierigkeiten gab es auch eine Konstante: die Stimmung. „Die war immer positiv. Egal, wie viel wir unverdient an Niederlagen eingesteckt haben. Es sind tolle Charaktere dabei“, sagt Gritli. Dass die Mannschaft nach außen hin kämpferisch wirkte, hat viel mit dem Zusammenhalt zu tun, der intern gewachsen ist.

Was funktioniert – und was nicht

In einem Tabellenbild, das wenig Raum für Interpretationen lässt, findet Gritli dennoch klare Fortschritte. Die Defensive wirkt stabiler, das Umschaltspiel präziser, das Verständnis für die taktischen Abläufe gewachsen. „Der Tabellenplatz spiegelt nicht das, was wir auf dem Platz zeigen“, sagt er.

Was fehlt, ist das, was in engen Spielen entscheidet: Tore. „Die Chancenverwertung muss besser werden“, sagt Gritli. „Da fehlt noch das Glück, was sich erarbeitet werden müsste – obwohl die Arbeit gemacht wird.“ Es sind Worte, die klingen wie eine Diagnose über weite Teile der Hinrunde: engagiert, strukturiert, aber oft ohne Ertrag.

Bewegung im Kader

Im Winter hat sich dennoch etwas verändert. Zwei Spieler haben den Verein verlassen:
Arlind Sadiku, der zum 1. FC Wunstorf zurückkehrt, und Filip Pavlovic, der nach langer Verletzung eine Pause einlegt, sein weiterer Weg offen.

Zugänge seien schwierig, sagt Gritli. Dafür sollen „zwei bis drei U19-Spieler und eventuell ein Spieler aus der zweiten Herren“ in der Vorbereitung vorspielen. Lupo Martini hängt sich an keinen Wintertransfer, sondern an die Entwicklung des eigenen Kaders.

Wo der Weg hinführt

Die Rückrunde ist weniger Formel als Überzeugung. „Der Weg ist, am Ende der Saison über dem Strich zu stehen“, sagt Gritli. Es ist die nüchternste und gleichzeitig wichtigste Zielsetzung, die ein Team im Tabellenkeller formulieren kann. Dass der Staff und das Trainerteam an die Mannschaft glauben, ist mehr als eine Floskel. „Das geht nur gemeinsam im Kollektiv. Mannschaft, Staff, Verein.“

Dass Gritli die Lage nicht beschönigt, zeigt sein Blick auf den Rest der Liga. „Gegen den Abstieg werden ab Platz zwölf alle spielen“, sagt er. Meister? Schwer zu sagen. „Die ersten fünf Mannschaften werden das unter sich ausmachen.“

Ein Winter der Möglichkeiten

Die kommenden Wochen werden darüber entscheiden, ob die Schritte, die Lupo in der Hinrunde gegangen ist, ausreichen, um sich zu befreien. Die Mannschaft hat sich stabilisiert, der Zusammenhalt ist gewachsen, und mit jedem Spiel scheint die Idee des Trainers klarer sichtbar. Was fehlt, sind Punkte – und die Zuversicht, dass das Erarbeitete irgendwann belohnt wird.

Vielleicht steckt die Antwort auf die Frage, wie Lupo aus dieser Saison kommt, schon in Gritlis Worten: „Es hat einige Zeit gedauert, bis jeder verstanden hat, was man von einem verlangt.“ Jetzt, in der Ruhe des Winters, scheint dieser Prozess seinen nächsten Schritt zu machen. Und vielleicht beginnt die Rückrunde nicht einfach nur mit einem Spiel in Wilhelmshaven, sondern mit dem Gefühl, dass diese Mannschaft noch nicht fertig erzählt ist.

Aufrufe: 012.1.2026, 17:40 Uhr
ckAutor