2024-07-11T13:55:35.092Z

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So sehen Meister aus: die SV Erzhausen nach dem entscheidenden 3:1 bei Croatia Griesheim.	Foto: Thomas Zöller
So sehen Meister aus: die SV Erzhausen nach dem entscheidenden 3:1 bei Croatia Griesheim. Foto: Thomas Zöller

Erzhausen spielt wieder auf größerer Landkarte

SV Erzhausen ist nach zwölf Jahren zurück in der Kreisoberliga +++ Viel ändern wird sich dennoch nicht

Erzhausen. Noch immer wird gefeiert bei der SV Erzhausen, doch allen ist natürlich bewusst, dass der Aufsteiger aus der A-Liga Darmstadt in der kommenden Saison in der Kreisoberliga Darmstadt/Groß-Gerau vor einem ganz harten Programm steht. Das war und ist den meisten aber egal, denn erst einmal wurde der größte Erfolg seit zwölf Jahren gebührend zelebriert: Nach dem 3:1 bei Croatia Griesheim standen die Erzhäuser als Meister der A-Liga und somit als Aufsteiger fest.

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„Wir haben gefeiert wie die Wilden“, sagt Bünyamin Bozkir, der Sportliche Leiter der SVE. Ein Sponsor hatte „bestimmt 20 bis 30 Kisten Bier hingestellt“, dann wurde gemeinsam noch ein bisschen gegeneinander gekickt. „Das ging bis in die Morgenstunden“, sagt Bozkir schmunzelnd. Beste Stimmung also.

Seit dem 13. Spieltag stand der ehemalige Hessenligist auf Platz eins – Zufall war der Erfolg nicht. „Wir haben diesen Platz nicht mehr abgegeben und uns ein Polster aufgebaut“, sagt Bozkir, der schon früher in Erzhausen gewesen ist und dort unter anderem Jugendmannschaften trainiert hatte. „Wir hatten dann ein paar Patzer drin, waren angesichts des Vorsprungs aber eigentlich immer recht entspannt.“ Das war auch im letzten Spiel bei Croatia Griesheim so gewesen, als man das 1:1 kassierte – und dennoch recht locker mit 3:1 gewann. Im Stil einer Spitzenmannschaft sozusagen.

"Einstelliger Tabellenplatz wäre schön"

Wie soll es nun weitergehen? Bozkir denkt lange nach, er will sich eigentlich nicht festlegen. Um dann doch zu sagen: „Ein einstelliger Tabellenplatz wäre schön. Dann wären wir super zufrieden.“ Aber erst einmal gelte es abzuwarten, schließlich sei die Kreisoberliga „eine ordentliche Liga, da gehören wir mit unserer Mannschaft aber irgendwie auch hin“. Es wäre „schon schade, wenn wir in den kommenden Jahren wieder in der A-Liga spielen würden. Und es wäre toll, wenn wir in drei, vier oder fünf Jahren in der Gruppenliga wären.“ Druck will man jedoch keinen machen. Der Kader umfasst aktuell rund 20 Spieler, fünf Neuzugänge stehen bereits fest. Namen mag Bozkir noch nicht nennen, „aber es sind gestandene Kicker und auch junge, talentierte Spieler dabei“.

Einer der Väter des Erfolgs ist Trainer Dragoslav Brkovic, der die Mannschaft gemeinsam mit Bozkir coacht. Erol Demirtas unterstützt Bozkir im Bereich der sportlichen Leitung, auch Co-Trainer Noah Guzman habe großen Anteil am Erfolg. „Dragoslav und ich kennen uns seit vielen Jahren, wir haben früher zusammen Jugendmannschaften hier in Erzhausen trainiert“, sagt Bozkir über den im Sommer 2023 verpflichteten Coach. „Wir hatten uns immer vorgenommen, zusammen noch mal etwas in Erzhausen zu machen. Das hat geklappt. Wir sind ein echtes Gespann, wir machen alles zusammen.“

Trainingskonzept wurde überarbeitet

Die Kommunikationswege sind kurz, in dieser Konstellation wird es weitergehen. In der täglichen Trainingsarbeit soll sich allerdings ein bisschen etwas ändern. Konzepte wurden überarbeitet, unter anderem sollen die Trainingsgruppen kleiner werden, die Anzahl der Trainer wird erhöht. So sollen unter anderem angeschlagene und verletzte Spieler besser und individueller betreut werden. „Ansonsten wird sich nichts ändern, denn es läuft ja alles super“, sagt der Sportliche Leiter. Und er ergänzt lachend: „Auch deshalb werden wir den Fußball sicher nicht neu erfinden.“ In der kommenden Saison fehlt zwar eine A-Jugend, sodass es im Unterbau ein bisschen mangelt. „Aber das werden wir aufholen und demnächst auch aus dem eigenen Nachwuchs wieder Spieler für die erste Mannschaft hochziehen. Ich schaue extrem positiv auf die kommenden Jahre.“

Was Bozkir auch wichtig ist: der Dank an den früheren Trainer Efkan Yildiz, der einst in der Oberliga Hessen für Erzhausen spielte. Der war Ende der neunziger und Anfang der nuller Jahre eine große Stütze der damaligen Mannschaft und Brkovics Vorgänger als Trainer gewesen. „Wir kennen uns seit Jahren“, sagt Bozkir, „wir haben uns im letzten Sommer einvernehmlich getrennt. Es war aber nicht so, dass unter ihm alles schlecht war und danach alles super gelaufen ist. Efkan hat hier wirklich einen ganz tollen Job gemacht.“

Generell sieht man sich in Erzhausen im Aufwind – der Verein ist nach vielen Jahren wieder fester Bestandteil des Dorflebens. „Da entsteht gerade eine Eigendynamik“, sagt Bozkir, „man merkt, dass unheimlich viel kommt, auch aus der Jugend heraus. Gefühlt waren die erste und die zweite Mannschaft früher eher zwei Vereine, jetzt sind sie aber zusammengerückt.“ Und auch der Vorstand mache „unheimlich gute Arbeit“.


Aufrufe: 06.6.2024, 14:00 Uhr
Jan FelberAutor