
Mit einem hart erkämpften 2:1-Auswärtssieg beim SV Wehen Wiesbaden hat Alemannia Aachen am Freitagabend den ersten Erfolg unter dem Interimsduo Ilyas Trenz und Carsten Wissing gefeiert – und zugleich den ersten Pflichtspielsieg in der Klubgeschichte bei den Hessen überhaupt. Es war ein Abend der klaren Reaktionen auf die sportliche Krise, der sich durch taktische Disziplin, kompromisslose Abwehrarbeit und einen überragenden Jan Olschowsky im Tor auszeichnete.
Nach der Trennung von Cheftrainer Benedetto Muzzicato unter der Woche setzten Trenz und Wissing gleich mehrere personelle Akzente. Valmir Sulejmani rückte für den angeschlagenen Niklas Castelle in die Startelf, außerdem begannen Faton Ademi und Lamar Yarbrough. Die Aachener präsentierten sich von Beginn an deutlich strukturierter als zuletzt und suchten mit frühem Anlaufen immer wieder den Ballgewinn im Aufbau der Wiesbadener.
In der 21. Minute führte genau dieses Pressing zum Erfolg: Sulejmani wurde im Strafraum von Justin Janitzek gefoult, den fälligen Strafstoß verwandelte Lars Gindorf sicher unten rechts zum 0:1. Wiesbadens Torhüter Florian Stritzel ahnte zwar die Ecke, kam aber nicht mehr an den Ball.
Nur acht Minuten später kombinierte sich die Alemannia sehenswert zum 0:2. Bentley Baxter Bahn setzte im Strafraum mit einem Hackenpass Mika Schroers in Szene, der aus spitzem Winkel überlegt in die lange Ecke abschloss (29.). Zwei Angriffe, zwei Tore – die Alemannia zeigte sich effizient und nervenstark.
Mit dem Rückstand im Nacken erhöhte der SV Wehen Wiesbaden die Schlagzahl. In der 37. Minute bot sich die große Chance zum Anschluss: Nach einem Foul von Jan Olschowsky an Lukas Schleimer trat Nikolas Agrafiotis zum Elfmeter an – der Aachener Keeper tauchte blitzschnell ab und parierte. Es war der Auftakt zu einer ganzen Serie starker Paraden. Kurz vor der Pause entschärfte Olschowsky einen wuchtigen Kopfball von Janitzek und blieb auch gegen Agrafiotis (42.) Sieger.
In der offiziellen Vereinsmitteilung hatte Interimscoach Trenz zuvor klargestellt, worauf es im ersten Spiel nach dem Trainerwechsel ankommen müsse: „Ruhe, Klarheit, Besonnenheit und der Fokus auf das, was jetzt wirklich wichtig ist. Es gilt die Nebengeräusche abzuschalten und die Mannschaft auf die Herausforderung gegen Wehen Wiesbaden vorzubereiten.“
Nach der Pause stabilisierten sich die Gäste zunächst erneut. Danilo Wiebe hatte das dritte Tor auf dem Fuß, scheiterte aber an einem Verteidiger (52.). Im Gegenzug bereitete ein Abwehrfehler von Felix Meyer fast den Gegentreffer vor, doch Schleimer scheiterte erneut am herausragenden Olschowsky (54.).
In der 65. Minute fiel dann doch der Anschlusstreffer. Nach einer Flanke von Jordy Gillekens köpfte Moritz Flotho wuchtig zum 1:2 ein – keine Chance für den Aachener Schlussmann. Wehen drückte anschließend auf den Ausgleich, doch die Gäste verteidigten kompromisslos. Gindorf scheiterte per Freistoß an der Mauer (69.), auf der Gegenseite verzog Kaya aus der Distanz (74.) und Flotho schoss in der Nachspielzeit nur ans Außennetz (90.).
Schon vor dem Spiel hatte Trenz in der Vereinsmitteilung deutlich gemacht, wie eng Anspruch und Wirklichkeit zuletzt beieinanderlagen: „Wir waren in den meisten Spielen nie weit weg davon, sie für uns zu entscheiden. Auf der anderen Seite haben wir nur drei Siege aus elf Spielen eingefahren – das nehmen wir alle persönlich. Deswegen haben wir uns die Wahrheit klar ins Gesicht gesagt, und zwar, dass wir nach Schweinfurt die meisten zugelassenen Großchancen in der Liga haben. Es geht also um Folgendes: Konsequenz im Verteidigen, Klarheit, Kompaktheit und trotzdem die Mannschaft hoch im Feld zu haben, damit wir unsere Stärken ausspielen können. Wir haben tolle Offensivspieler, mit einer hohen individuellen Qualität und auch schnelle Verteidiger. Was wir jetzt ganz klar einfordern, ist Konsequenz, Klarheit und Stabilität.“
Diese Haltung spiegelte sich über weite Strecken im Spiel wider. Trenz betonte außerdem: „Wir haben keine Angst und große Zuversicht in das, was wir tun.“
Mit dem Sieg klettert die Alemannia in der Tabelle und sendet ein wichtiges Lebenszeichen. Die Mannschaft zeigte genau die Eigenschaften, die ihr Interimstrainer gefordert hatte – Konsequenz, Klarheit und Stabilität. Es war zugleich der erste Sieg der Vereinsgeschichte in Wiesbaden und der erste unter dem neuen Trainerduo.
Am kommenden Spieltag wartet mit dem Heimspiel gegen den 1. FC Saarbrücken die nächste Herausforderung. Kann die Alemannia auch dort punkten, könnte aus dem erlösenden Sieg von Wiesbaden der Startpunkt einer Trendwende werden.