
Derby-Torschütze und U19-Nationalspieler: Lukas Reich spielt sich beim TSV 1860 München in der 3. Liga in den Fokus. Sein Trainer schwärmt von ihm.
München – Ein kollektives „Ja!“ hallte nach dem Abpfiff am durch Giesing, 1860-Trainer Patrick Glöckner ballte die Faust und klatschte mit seinem Trainerteam ab, während ein junger Bursche beinahe in einer hellblauen Jubeltraube verschwand. Lukas Reich besorgte im S-Bahn-Derby seiner Münchner Löwen gegen das Drittliga-Schlusslicht aus Unterhaching den 1:1-Ausgleichstreffer – und brachte den TSV 1860 so gegen den Nachbarn aus der Vorstadt auf die Siegesstraße.
Es lief die 44. Spielminute im Grünwalder Stadion, als Lukas Reich die zuvor äußerst unglücklich agierenden Löwen zurück ins Spiel schoss. Der gebürtige Erdinger hob einen Ball mit seinem augenscheinlich nicht so schwachen, schwachen linken Fuß aus gut 20 Metern über den überraschten Haching-Schlussmann Kai Eisele hinweg in die Maschen. „Ich weiß selbst nicht genau, wie ich das Tor gemacht habe“, sagte Reich nach dem Spiel im Interview mit MagentaSport. „Ich nehme den Ball an und sehe niemanden, der frei ist. Dann dachte ich mir: Jetzt hau ich da einfach mal drauf. Dass ich den Ball dann so von unten treffe, war nicht geplant, aber umso schöner, dass er hinten reinsegelt“.
„Luki ist extrem reif für sein Alter.“
Patrick Glöckner über 1860-Senkrechtstarter Lukas Reich.
Das Tor des Junglöwen war der Dosenöffner für den Giesinger Derbysieg. Mit dem Heimdreier haben sich die Löwen im Abstiegskampf der 3. Liga wieder Luft zum Atmen verschafft. 1860 holte zehn Punkte aus den letzten vier Partien, was in dieser Saison zuvor noch zu keinem Zeitpunkt gelungen war. „Die letzten vier Spiele waren extrem wichtig für uns und unser Selbstbewusstsein“, sagt Reich und erkennt gleich eine weitere Saison-Premiere: „Zwei Heimsiege hintereinander hatten wir diese Saison überhaupt noch nicht“.
Als Garant für die Heimsiege sieht sich Reich wohl kaum. Als Garant für die 1860-Zukunft dürften ihn dagegen in Giesing viele sehen. Der Erdinger ist hoch veranlagt, kam direkt aus der hauseigenen U19 zu den Profis und stand in der laufenden Saison schon 23-Mal bei den Profis auf dem Feld. „Luki ist extrem reif für sein Alter“, schwärmt Coach Glöckner von seinem Schützling.
Auch den Sprung in die deutsche Junioren-Nationalmannschaft hat Reich schon gemeistert. Für die U19 debütierte der Junglöwe bereits im Oktober letzten Jahres beim 2:1-Sieg gegen Spanien. Erst kürzlich gab es erneuten Grund zur Freude: Reich gehört zur für die EM-Qualifikationsspiele nominierte Auswahl von U19-Nationaltrainer Hanno Balitsch.
„Ich gönne es dem Jungen, er hat es extrem verdient“, sagte Glöckner zur Nominierung. „Es wäre geil, wenn er bei der Nationalmannschaft zum Zuge kommt“. Im Duell gegen Slowenien blieb der Youngster zwar noch ohne Einsatz – gegen Finnland durfte er aber für fast 30 Minuten als Rechtsverteidiger ran.
Stammspieler in der 3. Liga mit 18 Jahren, dazu U-Nationalspieler und in der Defensive zu Hause? Die Parallelen zu FC Red Bull Salzburg-Kicker Leandro Morgalla sind unübersehbar. Der 20-Jährige gehörte, genau wie Reich, als Teenager schon zum Stammpersonal der 1860-Profis und wechselte im Sommer 2023 für etwa 1,8 Millionen Euro nach Österreich. Eine Entwicklung, die auch Lukas Reich zuzutrauen ist, der mit Christian Nerlinger denselben Berater hat.
Die Frage nun: Reicht 1860 Reich noch? Sollte der Löwen-Shootingstar in den kommenden Monaten eine Morgalla-ähnliche Entwicklung durchmachen, empfiehlt er sich zu höherem als für den Kampf um den Drittliga-Klassenerhalt und S-Bahn-Derbys im Grünwalder Stadion. Der Vertrag des 18-Jährigen läuft nur noch bis zum Sommer 2026. (Tobias Höllrich/mbu)