
Eigentlich braucht die DJK Karlsbach die kommende Saison gar nicht bestreiten. Denn mit der Verpflichtung von Michael Kordick als Spielertrainer steht bereits jetzt fest, dass der Kreisklassen-Absteiger in die Saisonverlängerung muss. "Dann wird das so sein", sagt sein künftiger Partner an der Linie, Christian Penzenstadler, und lacht herzlich. Dann wird er ernst und betont: "Wir wollen sicher nicht um die Goldene Ananas spielen."
Auch der 34-Jährige weiß: Kordick ist Relegation. Und Relegation ist Kordick. Die DJK Schaibing schaffte es unter seiner Führung in den vergangenen drei Jahren hintereinander über den Umweg Entscheidungsspiele das jeweilige Ziel, einmal war es der Aufstieg - zweimal der Klassenerhalt - zu erreichen. Und der 37-Jährige war dabei nicht nur als Coach maßgeblich beteiligt. Rekordverdächtige sieben Tore erzielte er in ebenfalls rekordverdächtigen acht Relegationsspielen seit 2022.
Logischerweise war der Stürmer auch heuer (wieder einmal) erfolgreich - als Trainer, aber auch als Torjäger. Auf dem Weg zum neuerlichen Klassenerhalt in der Kreisklasse wurde erst Grubweg (2:1) aus dem Weg geräumt, dann Holzfreyung (1:0). 180 Minuten, zwei Spiele, zwei Siege, drei Tore, zwei davon durch Michael Kordick. Besonders die Bude in Thyrnau gegen den VfB Passau ist in Erinnerung geblieben. Eine Bogenlampe wurde immer länger und länger – und schlug am Ende ein. Allein dieser Treffer wirft die Frage auf: Ist es Zufall, Schicksal oder Glück, dass der 37-Jährige immer da ist, wenn es wichtig ist?
Bei einer Antwort auf diese Frage übt sich der 37-Jährige zunächst einmal in Galgenhumor. „Kurz vor dem Treffer habe ich mir den Mittelfuß gebrochen. Und das war wohl der Grund, warum ich den Ball so komisch getroffen habe." Obwohl eine längere Ausfallzeit bevorsteht – gegen Holzfreyung spielte er mit großen Schmerzen - , kann der Wahl-Waldkirchener lachen. Einerseits, weil der zurückliegende Erfolg viele Wunden heilt. Andererseits, weil er sich ein Relgations-Torphänomen selber nicht so richtig erklären kann. Schon 2022 erging es ihm so, als in Patriching gegen Würding ein Ball im Lattenkreuz hängen blieb - ein regulärer Treffer. Eigenartig? Besonderes in besonderen Spielen...

"Entscheidungsspiele sind einfach geil. Das sind die Spiele, für die man Fußball spielt", versucht er seine Treffsicherheit in der Saisonverlängerung zu erklären. Alleine die Tatsache, dass er weiter ausholt, macht deutlich, dass es nur ein Versuch ist – und es dabei wohl auch bleibt. "Die Atmosphäre, die Emotionen - das ist einmalig." Und ermöglicht einmalige Erinnerungen. Egal, ob es Schicksal, Glück oder Zufall ist, was zählt, ist, dass die Dinger drin sind. "Und auch Zufall muss man sich ja erarbeiten", ist Kordick überzeugt. Simon Lemke, Sportlicher Leiter der DJK Schaibing, kennt da schon eher das Geheimnis des "Mr. Relegation": "Er hat die nötige Geilheit für so ein Spiel. Zudem hat er inzwischen eine gewisse Routine."
Außergewöhnlich nervös ist er nicht vor den Begegnungen in der 5. Jahreszeit, die exklusiv dem Amateufußball gehört. "Das ist eher eine positive Anspannung, Vorfreude", beschreibt er das Gefühl, das eigentlich nicht beschrieben werden kann. "Das sind genau die Momente, für die ein Fußballspieler lebt. Genau deshalb läuft man im Winter. Das habe ich auch meinen Jungs gesagt, als sie gejammert haben, weil sie wieder Relegation spielen müssen." Kordick geht da stets mit gutem Beispiel voran, was mittlerweile Tradition hat. Selbst nachgezählte 16 Rele-Spiele hat er in seiner Karriere bisher bestritten - egal ob in Diensten von Heimatverein Schaibing, Oberdiendorf oder Wildenranna.
Um bei diesen „unnormalen“ Aufeinandertreffen dabei zu sein, nimmt der Stürmer einiges auf sich. Vor dem Holzfreyung-Spiel musste er wegen angesprochener Mittelfuß-Verletzung "fast auf Krücken" gehen. "Aber für so ein Spiel beißt man dann auf die Zähne. Dank dem Adrenalin spürt man da nicht mehr viel." Und es rentiert sich. Denn Relegation ist für Kordick positiv behaftet. Kollektiv, aber auch individuell. In Schaibing weiß man das inzwischen – und wohl bald auch in Karlsbach...
