2026-06-12T06:52:44.557Z

Ligabericht

»Er braucht das!« Der doppelte Josef Rodler ist süchtig nach Fußball

Der 32-Jährige ist Bayernliga-Spieler und Bezirksliga-Trainer bei der SpVgg SV Weiden. Wie ist das vereinbar?

von Helmut Weigerstorfer · Heute, 06:00 Uhr · 0 Leser
Trainer sucht Frau, Spieler sucht Frau: Den Wunsch von Josef Rodler, möglichst schöne Bilder von ihm zu verwenden, "weil ich ja zu haben bin", kommt FuPa gerne nach.
Trainer sucht Frau, Spieler sucht Frau: Den Wunsch von Josef Rodler, möglichst schöne Bilder von ihm zu verwenden, "weil ich ja zu haben bin", kommt FuPa gerne nach. – Foto: Nachtigall, Becker

Spricht Josef Rodler über Fußball, wirkt er eigenartig deprimiert. Er weiß, dass das, was er macht, komplett irre ist. Und auch, dass bei seinem Pensum ein "normales" Leben mehr oder weniger nicht möglich ist. "Fakt ist, dass meine persönliche Beziehungen darunter gelitten haben." So hat der 32-Jährige zum eigenen Leidwesen noch keine Kinder - und ist seit einigen Monaten auch wieder Single. Den Preis der Einsamkeit fernab des Fußballplatzes zahlt er jedoch gerne. Er ist Bayernliga-Spieler und Bezirksliga-Trainer bei der SpVgg SV Weiden - bedingungslos, alternativlos, aus purer Leidenschaft.

Gerade jetzt, nach der Sommerpause, ist es "richtig stressig. Da habe ich für kaum was anderes Zeit", stellt Rodler nüchtern fest - und schmunzelt erst mit etwas Abstand, weil ihm dann wieder einmal bewusst wird, dass er "jeden Tag auf dem Fußballplatz" steht, was man auch aus seiner Sicht als unnormal bezeichnen kann. In der trainingsintensiveren Vorbereitung ist Dauerfeuer angesagt - als Kadermitglied der Bayernliga-Mannschaft und als Coach der Reserve. Zu viel wird es ihm aber nie. Ganz im Gegenteil.

"Ich bin halt einfach fußballverrückt", sucht er nach einer Erklärung für seine - ja, man kann es sicher so nennen - Sucht nach dem runden Leder. Erst seit der vergangenen Winterpause schnürt er wieder selber die Schuhe - nicht irgendwo auf Kreisebene, sondern in der 5. Liga. Während sich andere in seinem Alter langsam aber sicher vom aktiven Bereich verabschieden, gibt Rodler also noch einmal so richtig Gas.

Und während es eigentlich üblich ist, die Zeit an der Linie erst nach der Spielerkarriere zu starten, ist der Lehrer wieder einmal anders. "Mein Vater hat mich vor einigen Jahren überredet, eine Jugendmannschaft zu trainieren." Erst leitete er die U15 an, dann die U17 und U19, ehe die Zweitvertretung in der Bezirksliga rief. Zugute kommt dem Spielertrainer - bei ihm hat dieses Wort eine andere Bedeutung als herkömmlich - ,dass er inzwischen nur eine Auto- bzw. vier Fahrradminuten vom Weidener Sportgelände entfernt wohnt. Er lebt praktisch in einer WG mit dem Verein.

Obwohl, wie eingangs erwähnt, sein Privatleben darunter leidet und er mehr auf dem Rasen zu finden ist als in den eigenen vier Wänden, ist es für Josef Rodler ausgeschlossen, einen seiner beiden Jobs zu quittieren. "Ich bin schon oft gefragt worden, was ich eher aufgeben würde - die Spielerkarriere oder den Trainerjob", berichtet er. Die Antwort war uns ist für ihn stets eindeutig: "Gar nichts! Gerade die Abwechslung ist es ja, was die Sache so schön macht."

Tritt er in der Bayernliga selber gegen den Ball, gibt es nur diesen, ihn und vielleicht noch den Trainer und die Mitspieler. Dann denkt er - überspitzt formliert - mit den Beinen. Gibt er in der Bezirksliga die Marschroute vor, "passiert unglaublich viel im Kopf". Sein Doppelleben führt innerhalb beider Teams seinen Angaben zufolge zu keinerlei Problemen, eher erleichtert es ihm seine jeweiligen Aufgaben. "Ich bin immer noch der Kaspar in der Kabine. Sobald es auf den Platz geht, zählt aber nur das."

Weil sich Josef Rodler auf seine Mitstreiter - darunter vor allem sein "Co" Stefan Graf - verlassen kann, bleibt dann doch mal Zeit zum Durchatmen.
Weil sich Josef Rodler auf seine Mitstreiter - darunter vor allem sein "Co" Stefan Graf - verlassen kann, bleibt dann doch mal Zeit zum Durchatmen. – Foto: Mario Wiedel

Im Vergleich zu jungen Jahren kann er gewisse, vor allem strategische Entscheidungen der Verantwortlichen nun besser einordnen - weil er reifer ist, aber vor allem, weil er doppelt Erfahrung sammeln konnte, die jeweils andere Seite kennt. "Ich gehe es voll mit, dass es der Weg des Vereins ist, auf junge Spieler zu setzen", sagt der Bayernliga-Spieler, der auch seine Rolle akzeptiert, wenn er mal auf der Bank sitzt. Diese Worte kommen aber auch vom Bezirksliga-Trainer, der verstärkt Talente einbaut - und auch Michael Riester, den Trainer der Ersten, unterstützt, wo es nur geht.

Dass sie da am Wasserwerk einen ganz besonderen Fußballer und Menschen haben, wissen die Verantwortlichen, ohne es als selbstverständlich einzustufen. "Ich habe noch nie jemanden gesehen, der so viel Zeit auf Fußballplätzen verbringt", sagt Manager Rüdiger Hügel über Josef Rodler. Dass der 32-Jährige selbst bei Jugendspielen zuschaut, sei Standard - genauso, dass er für jede Zusatzeinheit zu haben ist. "Er ist genau der Typ von Mensch, der im Fußball als positiv verrückt völlig zurecht bezeichnet werden darf. Dass er diese Doppelfunktion hat, ist für mich nicht überraschend. Er braucht das!"

Der Fußball ist für Josef Rodler wie eine Droge. Sieht er keinen Ball, hat er Entzugserscheinungen. Und genau dann wirkt er eigenartig deprimiert. Dann weiß er, dass er komplett irre ist. Gott sei Dank kommt er nur in solch wemütigen Situationen, wenn er nicht auf einem Sportplatz steht - und das ist bekanntlich äußerst selten...