2026-06-09T05:59:15.975Z

Interview

„Enttäuschend“: Lampert erklärt Abschied von TuS Marienborn

Nach dem Aufstieg in die Landesliga verlässt Trainer Stephan Lampert die TuS Marienborn II - mit einen Drittel des Kaders +++ Im Interview erklärt er, was ihn bei der TuS gestört hat

von Torben Schröder · Heute, 13:00 Uhr · 0 Leser
Wechselt von der TuS Marienborn II zu Kastel 06: Trainer Stephan Lampert.
Wechselt von der TuS Marienborn II zu Kastel 06: Trainer Stephan Lampert. – Foto: Kristina Schäfer - Archiv

Mainz. Als Trainer eines historischen Aufstiegs verlässt Stephan Lampert die künftigen Landesliga-Fußballer der TuS Marienborn II und wechselt – gemeinsam mit einem Drittel des Kaders – zu Kreisoberligist Kastel 06. Ein Gespräch über Erfolge, Enttäuschungen und neue Ziele.

Dieser Text wird euch kostenlos zur Verfügung gestellt von der Allgemeinen Zeitung.

Herr Lampert, Glückwunsch zum Aufstieg! Wie war die Party?
Die Party innerhalb der Mannschaft war gut, die Jungs haben das Beste daraus gemacht. Leider war es vom Verein ein bisschen enttäuschend, da haben die Jungs mehr erwartet. Da war der Frust über den Abgang einiger Spieler wohl größer als die Freude über den Erfolg. Dabei haben die Jungs TuS Marienborn bis zum Ende optimal vertreten. Wir haben nach 60 Minuten 3:0 geführt. Dass da nicht mal ein Kasten Bier oder zwei, drei Flaschen Sekt stehen – ist das normal? Für viele Zuschauer, Freunde und Familien der Spieler war es das nicht.
Eigentlich erweckt die TuS einen intern recht homogenen, familiären Eindruck. Ihr Eindruck ist ein anderer?
Im Bezug auf die erste Mannschaft ist das sicher so, die zweite Mannschaft läuft in vielen Vereinen eher am Rand. Vom Familiären haben wir nicht so viel gespürt. Der Zuspruch vom Verein bei den Aufstiegsspielen war wirklich enttäuschend.

Sie kamen 2021 zu einer abstiegsgefährdeten Landesliga-U19, wurden zweimal Meister und Pokalsieger. Dann ging es sogar in die U19-Regionalliga hoch. Jetzt ist die A-Jugend quasi wieder auf dem Rückweg. Können Sie beide Entwicklungen erklären?

Als ich kam, habe ich mein Netzwerk spielen lassen und den ein oder anderen überzeugt, nach Marienborn zu kommen, mit der Perspektive auf die Zukunft. Ich habe den Verbandsliga-Kader zusammengestellt und Trainer Massimo Vallone installiert, die dann eine Top-Saison gespielt haben. Danach war ich gar nicht mehr involviert. In der 1b habe ich einen neuen Kader aufgebaut und so viele A-Jugendliche wie möglich hochgezogen. Leider wurde das Interesse an uns immer geringer. Aber wir konnten frei arbeiten. Wir haben immer wieder Spieler nach oben abgegeben, wobei leider oft die Kommunikation gefehlt hat. Als Armin Paulus hochgezogen wurde, wurde mit mir nicht mal mehr geredet.

Abschied: „Thema Wertschätzung hat eine Rolle gespielt“

Nun stellt die TuS die allererste zweite Mannschaft eines Amateurclubs aus Mainz in der Landesliga Südwest. Wie konnte das gelingen?

Wir haben einfach eine gute Truppe. Eine junge, laufstarke Mannschaft mit Physis, aus der nur selten Spieler für die erste Mannschaft weggenommen wurden. Viele spielen schon länger zusammen. Fußball ist nicht nur Können, da muss auch Glück dazu kommen.

In der Hinrunde kristallisierte sich heraus, dass es mit Chefcoach Ali Cakici nicht weitergehen würde. Wären Sie gern sein Nachfolger geworden?

Ich hätte mir zumindest gewünscht, dass der Verein mit mir spricht. Das hätte ich logisch gefunden. Die Entscheidung ist dann Sache des Vereins. Leider habe ich sie aus der Zeitung erfahren.

Ist der Abgang eine Reaktion darauf, dass Sie nicht gefragt wurden?

Das Thema Wertschätzung hat schon eine Rolle gespielt. Ich hatte das Gefühl, dass man mich nicht mehr wollte. Dann hört man sich auch mal eine Anfrage an. Deswegen habe ich schnell festgelegt und kommuniziert, dass es in Marienborn nicht weitergeht.

Zehn Spieler wechseln mit Lampert nach Kastel

Manche Marienborner Stimmen sagen, Sie würden zu viel kritisieren. Was sagen Sie?
Ich bin schon ein Typ, der den Finger in die Wunde legt. Man will sich ja weiterentwickeln. Seit der Teilnahme der ersten Mannschaft an den Oberliga-Aufstiegsspielen ging es ja nicht mehr wirklich aufwärts. Durch die Abstiegsgefahr war Druck da, das hat auf die Stimmung geschlagen. Da liegt es in der Pflicht eines Trainers, Dinge anzusprechen. Wenn man seine Meinung sagt, ist das manchmal unangenehm, aber ehrlich und authentisch zu sein, gehört
für mich dazu.
Wie viele Spieler nehmen Sie mit nach Kastel?
Es sind voraussichtlich zehn Spieler, inklusive zwei Spielern aus der A-Jugend.
Was ist beim neuen Club das Ziel: Wieder der Aufstieg?
Wir gehen mit Sicherheit nicht nach Kastel, um um Platz acht zu spielen. Aber wir haben eine ganze Reihe Neuzugänge, die integriert werden müssen. Wenn es gelingt, aus der Mannschaft eine Mannschaft zu machen, ist die Qualität da, oben mitzuspielen.
Was wünschen Sie der TuS zum Abschied?
Ich wünsche der ersten Mannschaft, dass sie eine ruhige Saison spielt, mit diesem Kader hoffentlich wieder in der oberen Hälfte. Es wäre schön, wenn die zweite Mannschaft die Liga hält. Dem Verein wünsche ich, dass mehr auf die zweite Mannschaft geguckt wird.