– Foto: Timo Babic

Energiekrise – die Sportvereine sind in „Habachtstellung“

Energiekrise bei Vereinen in Wiesbaden und dem Rheingau-Taunus-Kreis Dauerthema ++++ Hilfsangebote in Aussicht, Sorgen auf der anderen Seite vielfältig und individuell

Region. „Ohne Finanzhilfen vom Bund und dem Land Hessen gehen in vielen Sportvereinen die Lichter aus. Das ist ein Fakt, der nicht wegzuwischen ist“ – diese Worte von Juliane Kuhlmann, Präsidentin des Landessportbundes Hessen, machten bei der Hauptausschusssitzung in Frankfurt zuletzt auf die Sorgen und Nöte der Sportvereine aufmerksam. Positiv aber, dass der ebenfalls anwesende hessische Ministerpräsident Boris Rhein ein Hilfsprogramm angekündigt hat, das die Vereine unterstützen soll. Der Name: „Hessen steht zusammen“. Konkrete Informationen, wie die Hilfe aussehen wird, sollen zeitnah folgen.

Darauf ist mit Sicherheit auch Helmut Fritz, Vorsitzender vom Sportkreis Wiesbaden, gespannt, der weiß, dass die Energiekrise bei den Vereinen seit Wochen Thema ist: „Alle sind in der Habachtstellung.” Ein Knackpunkt ist, dass die Probleme der Vereine individuell sind, also in unterschiedlichen Bereichen liegen - dementsprechend müsse auch die Förderung zugeschnitten sind. Doch je individueller die Hilfe sei, desto mehr Bürokratie komme ins Spiel. „Das ist ein Teufelskreis”, sagt Fritz, aber macht zeitgleich Hoffnung: „Wenn nur ein Teil der Versprechungen umgesetzt wird, glaube ich nicht, dass die Vereine in der Existenz bedroht sind. Als Sportkreis bieten wir auch immer Hilfe an.”

Markus Jestaedt, Vorsitzender des Sportkreises Rheingau-Taunus und des Mehrspartenvereins TSV Bleidenstadt, verweist zudem auf die vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgeführten kurz-, mittel- und langfristigen Tipps für Sparmaßnahmen, die für die viel zitierte 20-Prozent-Einsparung sorgen könnten. Als Vereinsvorsitzender ist Jestaedt froh über die bereits 2020 erfolgte Installation des LED-Flutlichts und das nagelneue Vereinsheim mit moderner Technik und Dämmung. In Sachen Mitgliederbeiträge geht Jestaedt als Sportkreisvorsitzender davon aus, dass der Monatsbeitrag in den meisten Rheingau-Taunus-Vereinen unter zehn Euro liegt. „Ausgehend von 120 Euro im Jahr für vielfältige Angebote und noch dazu Kontakte ist das sehr preiswert“, stellt er mit Blick auf die Faktoren Pandemie, Energiekosten und Übungsleiter-Salär fest.

Erwin Rock, Fußballchef des Mehrspartenvereins TuS Breithardt, verweist auf selbst getroffenen Einsparmaßnahmen, die ein böses Erwachen bei den Energiekostenrechnungen verhindern sollen. „Beim Flutlicht gibt es einen Schlüssel, mit dem wir den Betrieb auf halbe Kapazität einstellen können. Im nächsten Jahr planen wir die Umrüstung auf sparsame LED-Strahler. Im Vereinsheim bleibt unter der Woche die Heizung aus, aber der Warmwasserbetrieb ist gewährleistet. In dieser Hinsicht gibt es von der Gemeinde Hohenstein derzeit keine Vorgaben. Aber wir achten schon sehr darauf, dass eingespart wird. So sind die Kühlschränke abgestellt, das Bier wird draußen kaltgestellt“, umreißt Rock die aktuelle Lage.

In Wiesbaden kommt den Vereinen derweil zu Gute, dass die städtischen Sportstätten umsonst zur Verfügung gestellt werden. Diese Nulltarif-Regelung bezeichnet der Sportkreisvorsitzende Helmut Fritz als „Geschenk des Himmels”, ist sie doch im Vergleich mit anderen Städten alles andere als eine Selbstverständlichkeit. Zudem ist beschlossen, dass der Energiekostenzuschuss für Vereine, die vereinseigene Anlage haben, einmalig verdoppelt wird. Was Taunusstein angeht und damit auch den TSV Bleidenstadt, sei für das laufende Jahr und das Jahr 2023 eine Entlastung geplant, die vor der Verabschiedung in der Stadtverordnetenversammlung stehe, schildert Jestaedt. Demzufolge trage die Stadt Taunusstein die Differenz der Mehrkosten beim Energieverbrauch. Wobei in Taunusstein seit einigen Jahren die Vereine 50 Prozent der Energiekosten zu tragen haben. Was wiederum in den Kommunen unterschiedlich gehandhabt wird.

Derweil dürften alle Vereine davon profitieren, dass bekanntermaßen Gas- und Fernwärmekunden ihre Abschlagszahlung für den Dezember erstattet bekommen sollen. Denn das soll auch für Vereine gelten, wie der Landessportbund Hessen auf Anfrage dieser Zeitung erklärt. Ein ausführlicher Bericht mit weiteren Einschätzungen von Helmut Fritz, Markus Jestaedt und Erwin Rock sowie weiteren Stimmen von Vereinsverantwortlichen und Informationen zu in Aussicht gestellten Hilfen ist beim Wiesbadener Kurier (Plus-Text) zu lesen.

Aufrufe: 022.11.2022, 05:00 Uhr
Stephan Neumann und Stephan CreceliusAutor

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