Seit sieben Jahrzehnten schreibt der FC Energie Cottbus eine Fußballgeschichte, die auch vom Underdog handelt. Vor dem möglichen nächsten großen Kapitel am Samstag blicken wir auf jene Liga-Partien und Ausscheidungsspiele zurück, in denen für den Verein alles auf dem Spiel stand – von dramatischen Aufstiegsduellen bis zu nervenaufreibenden Entscheidungsspielen zwischen 1973 und 2024.
In der eigenen Hand
Acht Jahre nachdem die BSG Energie Cottbus gegründet worden war, konnte man endlich an den Aufstiegsspielen 1972/1973 teilnehmen. Die Rot-Weißen waren davor immer wieder mal nahe dran. Für den großen Wurf reichte es jedoch nicht. Da der BFC Dynamo II als Reserve nicht teilnahmeberechtigt war, durfte der FCE an den Endspielen teilnehmen.
Vor dem achten und letzten Spieltag der Endrunde lag man hinter Stahl Riesa auf Platz 2 der Tabelle. Mit zwei Punkten Vorsprung auf Vorwärts Stralsund musste man nun gegen selbige spielen. Eine Woche zuvor setzte es eine 0:7-Klatsche bei Stahl Riesa. Und auch das erste Duell gegen die Stralsunder ging mit 0:1 in dieser Endrunde verloren. So war ein Remis nötig, um in die Oberliga aufzusteigen. Klaus Stabach brachte den FCE in der ersten Halbzeit mit 1:0 in Führung. Allerdings verpasste man, alles klarzumachen, da Klaus Grebasch einen Foulelfmeter in der 65. Spielminute verschoss. Vier Minuten später glichen die Norddeutschen zum 1:1 aus, was gleichzeitig auch das Endergebnis gewesen ist. So hieß es 1973/1974 zum ersten Mal „DDR‑Oberliga“ für Energie.
Zwischen Hoffen und Bangen
Nach nur einem Jahr DDR-Oberliga musste man 1974/1975 wieder zweitklassig spielen. Jedoch setzte man sich als Staffelsieger durch, sodass erneut die Aufstiegsspiele mit dem FCE stattfanden.
Am letzten Spieltag hatte Energie spielfrei, da das Teilnehmerfeld eine ungerade Zahl betrug. Mit einem 2:0-Erfolg gegen Wismut Gera erledigte die Kupferschmidt-Elf die Hausaufgaben. Durch ein Eigentor und einen Treffer von Lothar Schulz war man zum Sieg gekommen. So kam es am letzten Spieltag darauf an, wie Gera gegen Chemie Leipzig spielen würde. Ein Sieg mit 4 Toren Unterschied für Gera hätte für den FCE Platz 3 und den Nichtaufstieg zur Folge gehabt. Bei einem 3-Tore-Erfolg wäre es noch einmal zu einem Duell mit Energie gekommen. So führte Gera gegen Leipzig zwischenzeitlich mit 2:0. Doch das 2:2 am Ende ließ Energie in die DDR-Oberliga aufsteigen. Erneut musste man nur nach einem Jahr wieder absteigen.
Erst unterlegen, dann der Primus
1978/1979 scheiterte man fast kläglich in den Ausscheidungsspielen. Da war am letzten Spieltag nichts mehr zu retten. 1979/1980 war es dabei sehr knapp gewesen. So wäre ein Sieg gegen Chemie Böhlen nötig gewesen, um Platz 2 zu sichern. Doch man trennte sich 2:2, sodass Böhlen zwar punktgleich mit Energie, aber mit einem besseren Torverhältnis die Lausitzer hinter sich ließ. In beiden Duellen kam der FCE nicht über ein Remis hinaus.
1980/1981 sollte dann die Gunst der Stunde für das Team von Dieter Schulz kommen. Mit nur einer Niederlage in der gesamten Saison und elf Punkten Vorsprung auf Platz 2 war die Qualifikation für die Aufstiegsrunde bereits früher gesichert. In eben solcher stand der dritte Aufstieg in die Oberliga bereits einen Spieltag vor Schluss fest. Als Tabellenführer erzielte Bernd Deutschmann das wichtige 1:0 gegen den zweitplatzierten Buna Schkopa. Zum anderen hatte der drittplatzierte Union Berlin bereits alle Spiele dieser Runde absolviert. Energies 5:2-Sieg am letzten Spieltag gegen Motor Suhl zeigte noch einmal deutlich die Entwicklung dieser Mannschaft. Doch ein Jahr später hieß es erneut „DDR‑Oberliga“, da drei Zähler zu Sachsenring Zwickau fehlten, um die Klasse zu sichern. Gingen doch beide Duelle gegen die Sachsen verloren.
Direkter Aufstieg, dann knapp im Oberhaus gescheitert
Der Ligawechsel konnte direkt sichergestellt werden, da es keine Aufstiegsrunden mehr gab. Vor dem 34. Spieltag stand der BFC Dynamo II bereits als Staffelsieger fest. Der Zweitplatzierte Energie war für den Aufstieg berechtigt. Am 33. Spieltag gewann man nach einem frühen 0:1-Rückstand mit Toren von Maik Pohland und Hans-Dieter Paulo mit 2:1. So hatte man einen Zähler Vorsprung auf Chemie Leipzig am letzten Spieltag.
Post Brandenburg war im Stadion der Freundschaft zu Gast. Die Nerven flatterten hier bei Energie nicht, sondern eher der Ball im Post-Tor. Mit 4:0 wurde der Gegner abgefertigt. Und sogar Jens Melzig ließ sich als Torschütze zum 4:0 in die Statistik eintragen. Erneut musste man in der Saison darauf wieder absteigen.
Das Erreichen des Klassenerhalts war in greifbarer Nähe. Energie erfüllte seine Aufgabe am letzten Spieltag 1986/1987, indem man mit 1:0 bei Stahl Brandenburg gewann. Frank Vogel erzielte den Treffer des Tages. Doch es kam darauf an, wie Lok Leipzig gegen Stahl Riesa spielen würde. Zum Leidwesen der Bohla-Elf schaffte Riesa ein 1:1 in Leipzig. So war man mit letzteren punktgleich. Jedoch sprach die deutlich schlechtere Tordifferenz gegen den FCE.
Rückkehr in die DDR-Oberliga mit erstmaligem Klassenerhalt
Der Aufstieg in die DDR-Oberliga 1987/1988 wurde mit sechs Punkten Vorsprung auf Platz 2 bewerkstelligt. Bei insgesamt vier Niederlagen, davon nur einer in der Rückrunde, unterstrich man seine Ambitionen, Großes zu erreichen.
Und tatsächlich gelang der Klassenerhalt zweimal in Folge in der Oberliga. Doch die Wendejahre brachten den FC Energie ins Wanken, sodass man in die Amateur-Oberliga abrutschte. 1993/1994 rückte die 2. Bundesliga mit vier Ausscheidungsspielen in greifbare Nähe. Doch mit vier Niederlagen in der Gruppe reichte es nur zur Eingliederung in die drittklassige Regionalliga Nordost. Von da an übernahm Eduard Geyer das Zepter.
Wiederauferstehung mit „Ede“ Mit Geyer ging es stetig bergauf. Im ersten Jahr der Regionalliga erreichte man Platz 7 der Tabelle. Im zweiten Jahr war es dann Platz 3. Und 1996/1997 Platz 1. Vier Spieltage vor Schluss machte man mit einem 2:1-Erfolg bei Sachsen Leipzig den Staffelsieg vorzeitig klar. So bekam man es in der Relegation mit Hannover 96 zu tun. Beim 0:0 im Niedersachsen bot man einen großen Kampf. Denn Jens-Uwe Zöphel flog in der 65. Spielminute mit Gelb-Rot vom Platz.
Auch im Rückspiel musste Energie knapp dreißig Minuten in Unterzahl auskommen. Denn beim Stand von 1:1 erwischte es dieses Mal Jens Melzig. Zuvor hatte Thomas Hoßmang Energie mit einem direkten Freistoß mit 1:0 in Führung gebracht (38.). Hannover glich nur vier Minuten später durch Fabian Ernst aus. Im zweiten Durchgang war 96 am Drücker. Dann fiel das Flutlicht aus. Als alles wieder seinen gewohnten Gang hatte, vollendete Detlef Irrgang nach Vorlage von Frank Seifert zum 2:1 (72.). Das 3:1, ebenfalls durch Irrgang, ließ alle Dämme brechen. Energie war in der 2. Bundesliga angekommen.
Sechs Jahre im OberhausIn der Saison 1999/2000 gelang sogar der Aufstieg in die 1. Bundesliga. Am 30. Spieltag verlor Energie bei Alemannia Aachen mit 0:1. Dabei flogen sowohl Franklin (15.) als auch Steffen Heidrich (43.) mit Gelb-Rot vom Platz. Auch Aachens Trainer Eugen Hach musste auf die Tribüne, da er Franklin gewürgt hatte (9.). Der Trotz brachte Energie: vier Siege in den verbleibenden vier Partien, sodass man drei Jahre in der 1. Liga verblieb.
2003/2004 spielte man lange oben mit. Aber in der Endphase der Rückrunde verspielte man jeglichen Vorsprung, sodass man zwar am Ende punktgleich mit Mainz 05 war, die aber das deutlich bessere Torverhältnis hatten. Erst 2006 glückte die Rückkehr ins Oberhaus, als unter Petrik Sander am letzten Spieltag gegen 1860 München der Sieg perfekt gemacht wurde. Nach Rückstand erzielte Gregg Berhalter das 1:1 kurz vor dem Pausenpfiff. Dann brachten Vragel da Silva mit dem 2:1 und Kevin McKenna mit dem 3:1 das Stadion zum Beben. Auch dieses Mal blieb man drei Jahre in der 1. Liga.
Amateurfußball statt ProfifußballZwar schnupperte man in der Saison 2010/2011 lange an den oberen Rängen, musste sich aber dann mit einem sechsten Tabellenplatz in der 2. Liga zufriedengeben. Besser wurde es in den folgenden Jahren nicht mehr. Stattdessen stand im Jahr 2014 der bittere Gang in die 3. Liga an. Zwei Jahre später folgte der Absturz in die viertklassige Regionalliga Nordost.
2016/2017 spielte man zwar eine gute Rolle, aber an den späteren Aufsteiger FC Carl-Zeiss Jena war kein Vorbeikommen. Dennoch stand nach dem Umbruch ein guter zweiter Tabellenplatz. 2017/2018 gelang der vorzeitige Staffelsieg. In der Relegation spielte man gegen Weiche Flensburg in Kiel 3:2, nachdem man schon sicher 3:0 geführt hatte. Im Rückspiel wurde dann ein 0:0 gehalten, was für eine Rückkehr in die 3. Liga reichte. Nach nur einem Jahr musste man wieder absteigen, was dann mit fünf Jahren Regionalliga Nordost geprägt war.
Nur Energie!
Nach dem Staffelsieg in der Saison 2022/2023 standen die beiden Relegationsspiele gegen die SpVgg Unterhaching an. Das Hinspiel in Cottbus verlor Energie knapp mit 1:2. Im Rückspiel war dann die Rückkehr in die 3. Liga verspielt, als Unterhaching 2:0 gewann.
2023/2024 gelang dann der direkte Aufstieg, welchen man am 33. Spieltag gegen den FSV Luckenwalde vor den eigenen Fans klarmachen konnte. Allerdings lag man zur Halbzeit 0:3 zurück. Am Ende hieß es dann 3:3. Tim Campulka hatte kurz vor Schluss sehenswert getroffen. Im letzten Spiel bei Hertha BSC II schaffte man ein 2:0 nach Toren von Joshua Putze (16.) und Maximilian Pronichev (24.). Und jetzt scheint sogar der noch größere Wurf möglich zu sein. Immer vorwärts, Energie!