
Der F.C. Hansa Rostock hat am heutigen Samstag im Sportpark Gützkow vor 3700 Zuschauern mit 11:0 (9:0) beim SV Gützkow 1895 gewonnen und das Achtelfinale im Mecklenburg-Vorpommern-Pokal erreicht. Emil Holten traf bei seinem Comeback zweimal, David Kopacz und Yannick Michaelis jeweils dreimal; auch Milosz Brzozowski und Peter Kiedl erzielten ihre ersten Treffer für Hansa. Für André Breitenreiter war es ein gelungener Einstand als Hansa-Trainer.
Die Pflichtaufgabe
Der Klassenunterschied war deutlich, doch für den F.C. Hansa Rostock ging es in Gützkow um mehr als das erwartete Weiterkommen. Beim ersten Pflichtspiel unter André Breitenreiter sollte die Mannschaft eine seriöse Grundlage für die kommenden Aufgaben schaffen. Das gelang: Mit dem 11:0 zog Hansa ohne Umwege in die Runde der letzten 16 ein.
„Wir wollten natürlich respektvoll hier antreten“, sagte André Breitenreiter. Zugleich sei klar gewesen, „dass wir unser Spiel hier durchziehen“. Seine Mannschaft habe dies vor allem vor der Pause „wirklich sehr gut gemacht. Sehr seriös und konkret, so wie man gegen einen Unterklassigen spielen muss, damit relativ schnell klar ist, dass hier heute nichts zu holen ist.“
Holtens Rückkehr
Die wichtigste Personalie stand schon vor dem Anpfiff fest: Emil Holten kehrte nach längerer Verletzungspause direkt in die Startelf zurück. Der Stürmer benötigte wenig Zeit, um sich zurückzumelden, und erzielte mit seinen Treffern zum 1:0 in der 11. und zum 2:0 in der 13. Minute einen Doppelpack.
Für Emil Holten war die Rückkehr vor allem emotional. „Endlich wieder da, endlich wieder auf dem Platz“, sagte er. Sein Deutsch sei „nicht so gut“, erklärte der Angreifer, aber seine Freude war eindeutig: „Ich freue mich sehr über dieses Spiel, über die Rückkehr. Es hat Spaß gemacht.“
Der Stürmer hatte die Zeit außerhalb des Platzes als belastend empfunden. „Es ist nicht lustig, in der Gegend zu sein und die Jungs zu sehen“, sagte Emil Holten. „Aber manchmal geht es nicht so, wie du es dir wünschst. Glücklicherweise bin ich jetzt wieder da.“
Viele erste Treffer
Nach dem frühen Doppelpack von Emil Holten setzte Hansa seine Chancen konsequent um. Sommerneuzugang David Kopacz traf dabei zum 3:0 in der 24. Minute, zum 7:0 in der 34. Minute und zum 9:0 kurz vor der Pause. Es waren seine ersten drei Tore für den Verein.
Auch Yannick Michaelis durfte sich über seine ersten Treffer im Hansa-Trikot freuen. Er erzielte die Tore zum 4:0 und 5:0 sowie zum 8:0. Dazwischen traf Kapitän Franz Pfanne zum 6:0. Bereits zur Halbzeit führte Hansa also komfortabel mit 9:0.
Nach der Pause erhöhte Milosz Brzozowski in der 53. Minute auf 10:0; auch für ihn war es der erste Treffer für Hansa. Den Schlusspunkt setzte Peter Kiedl mit dem Tor zum 11:0 in der 75. Minute. Damit wurde ein Pokalnachmittag, der in erster Linie als Pflichtaufgabe begonnen hatte, zugleich zu einem Abend zahlreicher persönlicher Premieren.
Breiter, zielstrebiger
David Kopacz bewertete die Anfangsphase als entscheidend. „Ich glaube, als Mannschaft muss man immer erst reinkommen. Das dauert am Anfang immer mal die ersten fünf bis zehn Minuten“, sagte er. Nach dem ersten Treffer sei jedoch „ordentlich Zug drin“ gewesen, ergänzt um „gute Kombinationen“.
Mit dem Auftritt war er grundsätzlich zufrieden, wenngleich er noch weiteres Potential sah: „Das eine oder andere Tor hätten wir vielleicht noch mehr machen können. Aber alles in allem war es ein guter Auftritt.“
Nach dem Seitenwechsel veränderte sich das Bild etwas. „Das Spiel war in der zweiten Halbzeit ein bisschen anders“, sagte der Mittelfeldmann. Es sei „alles ein bisschen zentrumslastiger“ gewesen; zu selten habe man den Ball über die Außen in den Strafraum gebracht. „Wenn wir dann mal ein bisschen breiter waren, sind wir wieder gut vor das Tor gekommen.“ Entscheidend blieb für ihn: „Am Ende haben wir die Aufgabe trotzdem gut gelöst, und das war wichtig.“
Gelungener Auftakt
Für André Breitenreiter war das Resultat auch ein erster Eindruck unter Wettbewerbsbedingungen. „Es war ein tolles Spiel, vor allen Dingen auch, weil es ein toller Rahmen heute war“, sagte der Trainer. Er verwies auf das Wetter, die vielen Zuschauer und die Hansa-Anhänger.
Besonders auffällig fand der neue Trainer die Stimmung nach Abpfiff: „Wenn ich jetzt hier gerade nach dem Spiel sehe, wie glücklich die Menschen alle sind, die Kinder, weil sich unsere Spieler auch Zeit nehmen für Autogramme, dann war das ein gelungener Auftakt.“
Intensive erste Woche
Der Erfolg in Gützkow war zugleich Abschluss einer arbeitsreichen ersten Trainingsphase unter dem neuen Trainer. „Gut, positiv, auf jeden Fall intensiv“, beschrieb Kopacz die bisherigen Einheiten. Es sei „schon an einigen Dingen gearbeitet“ worden. Nun solle die Mannschaft die nächste Woche nutzen und „nach Würzburg reisen, um drei Punkte zu holen“.
Auch André Breitenreiter betonte die Belastung der vergangenen Tage. „Wir haben jetzt sehr intensiv gearbeitet, haben großen Umfang gehabt“, sagte er. „Die Spieler haben schon etwas gelitten, weil wir viele Trainingseinheiten stattfinden lassen haben.“ Das sei jedoch bewusst geschehen, weil innerhalb kürzester Zeit viele Inhalte bearbeitet werden sollten.
Davon habe der Trainer bereits Ansätze gesehen: „Das haben wir heute auch im Pokalspiel schon in vielen Momenten gesehen.“ Nun gehe es darum, „einmal kurz abzuschalten und dann richtig hochzufahren für die englische Woche“, um den „nächsten Schritt in der Entwicklung“ zu gehen.
Blick nach Würzburg
Der Pokalabend in Gützkow hat Hansa das Achtelfinalticket gebracht; die Auslosung der Runde der letzten 16 ist für Dienstag, 6. Oktober, im Ostseestadion vorgesehen. Für F.C. Hansa Rostock folgt nun jedoch rasch wieder der Ligaalltag.
Am Samstag, 10. Oktober, tritt Hansa in der Dritten Liga auswärts bei den Würzburger Kickers an. Das letzte Duell beider Mannschaften datiert vom 27. Juni 2020 und endete 3:1 für die Kickers. Nach dem deutlichen Pokalsieg wird sich zeigen, wie viel von der in Gützkow gezeigten Konsequenz Hansa in das erste Ligaspiel unter André Breitenreiter übertragen kann.