
Eigentlich kaum vorstellbar: Der VfL Denklingen und Coach Markus Ansorge gehen nach dieser Saison getrennte Wege. Der Noch-Coach wünscht sich „einen sauberen Abschied“.
Konstanz auf der Trainerposition ist im Amateurfußball eher eine Seltenheit. Zwei bis drei Jahre beim gleichen Klub in ein und der selben Funktion sind meistens schon das Höchste der Gefühle. Der Kader eines Vereins auf dem Land ist über jahre bisweilen annähernd der gleiche, das kann den Abnutzungsprozess rapide beschleunigen. Es gibt aber auch Ausnahmen: Der VfL Denklingen und sein Coach Markus Ansorge dienen hierfür als Paradebeispiel.
Ansorge, der selbst gerne mit dem Radl in den Bergen unterwegs ist, führte den Fußball im beschaulichen Ort im Grenzgebiet der Landkreise Weilheim-Schongau und Landsberg auf einen steilen Erfolgspfad. Von der Kreisliga ging‘s schnurstracks in die Bezirksliga, in der die Denklinger seit der Saison 2021/22 ihre sportliche Heimat haben. Auch in dieser Saison schaut es nach anfänglicher Unwucht wieder stark nach Ligaverbleib aus. Wichtig für Ansorge, der sich einen „sauberen Abschied“ von dem Verein wünscht, den er wie keinen anderen zuvor in sein Herz geschlossen hat. In der Tat: Am Saisonende endet eine nicht alltägliche Beziehung, danach gehen Klub und Trainer getrennte Wege.
Inzwischen ist die Trennung auch offiziell verkündet worden. In Gesprächen mit der Vorstandschaft kamen beide Seiten übereinstimmend zu diesem Entschluss. Ansorge betont, er hätte sich „sowohl Verbleib als auch neue Herausforderung“ vorstellen können. Die Vorstandschaft um Ludwig Kichbichler nimmt ihm diese Einschätzung ab. „Alleine so eine Entscheidung zu treffen, tut schon weh“, erläuterte Kichbichler, dem das Unwohlsein in der Stimme anzumerken ist. „Aber manchmal musst du sie eben treffen.“ So paradox es klingen mag: Es war keine Entscheidung gegen Ansorge, sondern eine, die Wertschätzung suggeriert. Kirchbichler spricht von einer „langen, erfolgreichen Zeit, die auf viel Gegenliebe beruht.“
Unter Ansorge erlebte der VfL die „sportlich erfolgreichste Zeit“ der Vereinshistorie. Doch wissen die Denklinger auch, dass sich das auch schnell ändern kann. Die goldene Generation hat ihren Leistungszenit zu weiten Teilen überschritten. Lebensschwerpunkte ändern und Verletzungsanfälligkeiten häufen sich. „Bei einigen Leistungsträgern wird es immer schwieriger“, weiß Ansorge. „Das ist der Zahn der Zeit.“ Spieler von außerhalb nach Denklingen zu locken, allein um der Bezirksliga wegen, deckt sich nicht mit der Denkweise des als bodenständig bekannten Klubs. „Der Verein kennt mein Erfolgsdenken“, sagt der 58-Jährige. Zwei Ansichten, die nicht recht zusammenpassen. Daher haben Verein und Trainer ein Abkommen getroffen, das „allen schwerfällt“, aber aus Vernunftgründen wohl das beste ist. „Beide Seiten können gut damit planen“, unterstreicht Kirchbichler die Sinnhaftigkeit der Übereinkunft.
Wie sich der VfL in Sachen „neuer Trainer“ ausrichten wird, ist ebenso ungewiss wie Ansorges künftiges Betätigungsfeld. Kirchbichler sagt, man werde sich in der Abteilungsleitung „über den Winter“ die Zeit nehmen, um ein Anforderungsprofil zu erstellen. Denklingens Bezirksliga-Team steht ein nicht unerheblicher Umbruch bevor. „Den müssen wir moderieren“, so der Spartenchef. Ansorge indes wirft seine Angeln in alle Richtungen aus, gleichwohl mit dem Etikett „nicht unterhalb der Bezirksliga“. Das ist keine Arroganz, sondern vielmehr der eigene Anspruch eines akribischen und ehrgeizigen Trainers. Beim künftigen Arbeitgeber müssen schlicht „Vereinsphilosophie und Vorstellungen“ passen.
In Denklingen übergibt Ansorge im kommenden Mai ein bestelltes Feld. Seinen Berechnungen nach benötigt die Mannschaft an den verbleibenden zwölf Spieltagen der Bezirksliga Süd noch fünf Siege, um mit dem Abstieg nichts zu tun zu haben. Seit der Umstellung auf ein 3-4-3-Systen war der Stolperstart rasch vergessen. In den beiden letzten Partien vor der Winterpause hätten zwar die Kräfte etwas nachgelassen, „wir sind aber in einer guten Ausgangslage“. Zumal personeller Zuwachs ansteht. Mit Elias Greinacher (28) kommt ein zentraler Mittelfeldspieler vom SV Kißlegg (Kreisliga Allgäu) zum VfL. Überdies werden nach der Winterpause mit Peter Kinast und Vorstand Kirchbichler zwei Langzeitverletzte zurückerwartet.