
Als Nico Stracke in der letzten Minute wenige Schritte passieren würde. hinter der Mittellinie mit dem Ball am Fuß kurz den Blick nach oben nahm und aus dem Augenwinkel sah, dass Mettmanns Keeper Semih Demirhat weit vor seinem eigenen Tor postiert war, war wohl fast jedem der gut 100 Zsuchauer auf der Anlage an der Vennhauser Allee klar, was kurz darauf folgen würde. Stracke nahm Maß und beförderte den Ball im hohen Bogen aus über 40 Metern Entfernung ins verwaiste Gästetor. Es war der Treffer zum 6:2-Endstand aus Sicht der TSV Eller 04, die im Topspiel gegen den ASV Mettmann in Halbzeit zwei die Muskeln spielen ließ.
Treibende Kraft war dabei nicht nur aufgrund seines Kunststücks Nico Stracke. Erst zur Pause beim Stand von 1:2 in die Partie gekommen, schnürte der 28 Jahre alte Sturmtank innerhalb von nur 40 Minuten einen lupenreinen „Viererpack“. „Was soll man dazu noch sagen, Nico hat uns heute zu drei Punkten geschossen“, freute sich Ellers Trainer Kerim Kara nach Spielschluss mit seinem „Edeljoker“.
Als Stracke noch auf der Ersatzbank saß, deutete zunächst nicht viel auf einen derart hohen Erfolg der Gastgeber hin. Zwar gingen die Hausherren durch den ebenfalls auffälligen Rasim Syuleyman zunächst in Führung (16.), doch die Freude darüber verflog schnell. Nachdem Mettmanns Justin Lüdtke nach einer Ecke ungestört zum 1:1 einköpfen konnte (18.), ein weiterer Treffer von Syuleyman wegen einer Abseitsstellung zurückgenommen wurde (19.) und Ahmet Kizilisik den Ball im Gegenzug mit links zum 1:2 ins TSV-Gehäuse schlenzte (20.), war es zunächst vorbei mit der Elleraner Herrlichkeit.
„So etwas kann einer Mannschaft, die noch die letzten beiden Niederlagen im Hinterkopf hat, natürlich einen Knacks versetzen“, meinte Kara. Doch Ellers Coach, der auf Adnan Hotic (gesperrt), Tim Kasparek, Julien Augarde (krank), Sascha Bechert und Kevin Lobato (verletzt) verzichten musste, baute seine Elf in der Halbzeitpause auf.
„Ich habe den Jungs gesagt, dass wir nichts mehr zu verlieren und noch alle Chancen auf den Sieg haben, wenn jeder noch einmal ein paar Prozent mehr aus sich herausholt.“ Gesagt, getan. Mit seinem herausragenden Pass auf Fabian Stutz zum 2:2 (47.) gab Syuleyman den Startschuss zu einer fulminanten zweiten Hälfte, in der sich Nico Stracke als gnadenloser Vollstrecker hervortat. Sein Volleyschuss nach Flanke von Stutz war sehenswert (50.). Der zweite Streich, wieder vorgelegt von Stutz fiel eher in die Kategorie „überlegt“ (57.). Einmal im Flow verwandelte Stracke dann auch noch den heiß diskutierten Foulelfmeter, den Syuleyman gegen Jonas Schulte herausgeholt hatte (61.).
Der deutsche Beachsoccer-Nationalspieler im Mettmanner Dress regte sich über den Pfiff so sehr auf, dass er direkt im Anschluss mit „Gelb-Rot“ unter die Dusche musste. Auch von den Mettmanner Anhängern waren im zweiten Abschnitt nicht alle einverstanden mit der Leistung von Schiedsrichter Stefan Semir. Der lag in einem insgesamt fairen Spitzenspiel auch nicht immer richtig, hatte ohne Linienrichter aber keinen einfachen Stand und war abgesehen davon auch nicht Schuld daran, dass die Gäste derart unter die Räder kamen. Die Niederlage hatte sich der ASV schon selbst zuzuschreiben, weil er sich mit zunehmender Dauer zu wenig auf Fußball und schon gar nicht mehr auf die Defensivarbeit konzentrierte. Und dann war da ja auch noch ein Gegner, der nicht nur einen Torjäger „on fire“ hatte.
„Die Mannschaft hat in der zweiten Hälfte eine Bombenleistung gezeigt“, frohlockte Kerim Kara. Der Lohn stellte sich promt ein: Eller ist nach dem neunten Spieltag wieder Spitzenreiter in Gruppe 1 der Bezirksliga.