
Freitagabend, Flutlicht, Kreis-Derby – das klingt nach guten Zutaten für das Spiel der Fußball-Oberliga (19.30 Uhr) zwischen dem Spitzenreiter Ratingen 04/19 und den Sportfreunden Baumberg (SFB). Sorgen, dass es nicht so attraktiv werden könnte, wie all das klingt, äußert aber Salah El Halimi. „Ein großer Faktor ist der Platz“, sagt der Gäste-Trainer vor dem Duell im Ratinger Stadion.
Dort war zwar der Naturrasen, der schon lange in der Kritik gestanden hatte, in der Sommerpause ausgetauscht worden, doch auch das neue Geläuf ist noch nicht in einem Zustand, der aus Fußballersicht wünschenswert wäre. Nach der ersten Partie des inzwischen nicht mehr so neuen Jahres, der Ratinger 1:2-Niederlage gegen den VfB 03 Hilden Ende Januar, hatte die Stadt den Rasen erst einmal wieder gesperrt für Aktivitäten des kickenden Personals. Erst am 13. März fand dort das zweite Spiel in diesem Jahr statt, gegen den TSV Meerbusch rettete 04/19 durch einen von Georgios Touloupis in der Nachspielzeit verwandelten Elfmeter ein 2:2.
Und genau diese Partie nimmt El Halimi in den Blick. „Ich habe gehört, dass der Rasen da nicht gut gewesen sein soll“, sagt der SFB-Trainer. „Da sind Spieler weggerutscht, der Ball ist gehoppelt – und alle vier Tore in diesem Spiel fielen nach Standards. Ich glaube, der Platz ist in einem Zustand, dass man darauf nicht gut Fußball spielen kann.“
Das verändere seine Vorbereitung, unterstreicht El Halimi auch mit Blick auf das mit 1:0 gewonnene Hinspiel noch auf dem „alten“ Platz an der Sandstraße: „Bei uns auf Kunstrasen wussten wir, wie der Ball läuft, egal ob die Sonne scheint oder es regnet. Da konnte man überlegen, wie man das fußballerisch löst. Jetzt brauche ich einen Plan A und einen Plan B, je nachdem wie die Ratinger auf ihrem Platz spielen, den sie ja immerhin kennen.“
Wobei sie nicht darauf trainieren, und deswegen sagt 04/19-Cheftrainer Damian Apfeld auch: „Ich kann über den Rasen gar nicht so viel sagen, ich war nicht drauf. Er wird bestimmt besser sein als gegen Meerbusch, aber sicher immer noch nicht so optimal, wie man es von einem Rasen erwarten würde, der neu gemacht wurde.“ Hoffnung auf Besserung ist in Sicht, allerdings nicht nah. „Ich bin gespannt, wie der Rasen wird, wenn in neun oder zehn Wochen der neue Rasenmäher da ist, der eine Walze hinten dran hat“, sagt Apfeld und ergänzt: „Ein Rasen muss halt auch gewalzt werden, und das wurde er bisher nicht. Ohne geht es aber nicht.“
Generell glaubt der 04/19-Trainer aber auch: „Die Baumberger müssen sich keine Sorgen machen – und sie haben sicher auch andere Themen als den Rasen in Ratingen. Personelle zum Beispiel. Viel hängt bei ihnen von einzelnen Spielern ab, und auf welchen Positionen sie zum Einsatz kommen. Außerdem mussten sie vor dem 0:4 zu Hause gegen Hilden am vergangenen Samstag noch am Mittwoch 90 Minuten gegen Uerdingen spielen. Das ist für eine personell gebeutelte Mannschaft brutal.“
Tatsächlich muss El Halimi erst einmal durchzählen, wer ihm alles in Ratingen nicht zur Verfügung stehen wird. Dann sagt er: „Dennis Sitter, Enis Villa, der sich gegen Uerdingen eine Gehirnerschütterung zugezogen hat, Ben Harneid, Timo Hölscher, Batuhan Özden, Tim Knetsch, Robin Schnadt und Farhan Ghaznawi, der zweite zentrale Stürmer und eigentliche Back-Up für Robin. Ein Fragezeichen steht noch hinter dem Einsatz von Milan Burovac. Wenn er das Abschlusstraining ohne Beschwerden im Knie mitmachen konnte, könnte er in den Kader kommen.“ Positiv sei immerhin: „Bilal Sezer und Baris Sarikaya sind zurück im Kader. Sie brauchen aber noch Zeit“, sagt El Halimi.
Sein Gegenüber kann Bestbesetzung stellen, selbst die zuletzt angeschlagenen Jimmy Can Atila, Slone Matondo und Phil Spillmann sind an Bord. Über die SFB-Ausfälle und -Fragezeichen sagt Apfeld: „Beispielsweise bei einem Timo Hölscher merkt man schon, ob der auf dem Platz steht oder nicht. Gleiches gilt für einen fitten Bilal Sezer – das sind Unterschiedsspieler in der Liga, mit denen die Sportfreunde eine komplett andere Struktur haben.“ Allerdings gilt gleichwohl auch: „Sie haben weitere Qualitätsspieler in der Mannschaft – siehe das Hinspiel, das gegen uns gelaufen ist.“
In diesem Kalenderjahr haben die SFB allerdings erst einen Sieg einfahren können bei je drei Unentschieden und drei Niederlagen. „Natürlich sind wir damit nicht zufrieden, trotz der Umstände“, sagt El Halimi. „Wir hätten ein paar Punkte mehr haben müssen. Manchmal sind die Spiele unglücklich gelaufen, manchmal haben wir uns nicht clever angestellt, manchmal waren es Kleinigkeiten, die die Spiele entschieden haben.“ Der wichtigste Punkt sei aber weiterhin: „Durch die Ausfälle der Stürmer fehlt uns die nötige Durchschlagskraft. Bis ins letzte Drittel sieht es oft gut aus, aber dann machen wir oft einen Kringel zu viel.“ Ein Rezept dagegen: „Du musst die Qualität von Stürmern aus anderen Spielern herausholen“, sagt El Halimi, der deshalb zuletzt vermehrt Abschlüsse mit wenigen Kontakten trainierte.
Während die SFB als Tabellen-13. im breit gefächerten Abstiegskampf stecken, sind die Ratinger im extrem engen Titelrennen gefordert – die Punkte am Freitagabend sind also für beide eminent wichtig. Apfeld findet: „Wir sind in einer Rolle, zumal in einem Heimspiel, in der es für uns nur um drei Punkte geht, unabhängig vom Personal des Gegners.“ El Halimi möchte aber ebenfalls „Punkte mitnehmen“ und will dafür „die spielerische Qualität Ratingens eindämmen“, wissend: „Mit Leuten wie Emre Demircan, Umut Yildiz, Sven Kreyer oder Rinor Rexha, der im letzten Spiel zwei Tore geschossen hat, kommt da viel auf uns zu. Wenn der Motor läuft, ist das Formel 1.“
Das angesprochene letzte Spiel von 04/19 brachte nach einem 0:1-Rückstand noch einen 2:1-Sieg in der Nachspielzeit durch Rexhas zweiten Treffer beim VfL Jüchen. Der erst spät ins Spiel gekommenen Joker, der auch schon im Heimspiel gegen den SV Sonsbeck das entscheidende 3:2 geschossen hatte, hat laut Apfeld „eine Torquote in dieser Trainingswoche, die er die ganze Saison noch nicht hatte. Man hat das Gefühl, da geht jeder Ball rein“. Dabei war Rexha nur in der Hälfte der 24 Saisonspiele ein Startelfspieler bei 04/19 und kam ja auch in Jüchen von der Bank. „Das hängt immer davon ab, welchen Spielertypen wir auf dem Platz haben wollen“, erklärt sein Trainer und ergänzt: „Er hatte schon in den vergangenen 14 Tagen eine gute Trainingsleistung, die er jetzt nach seinen zwei Toren noch einmal gesteigert hat. Daher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er am Freitag startet, recht hoch.“
Dass gerade die zweite Halbzeit in Jüchen nicht so überzeugend war, wie man es von einem Tabellenführer erwarten kann, weiß Apfeld. „Wir haben davor nicht die Augen verschlossen, sondern Dinge angesprochen, die ich zu monieren hatte. Wir sammeln da zweite Bälle nicht ein, sind zu viel in der Beobachtungsrolle, haben zu viel Begleitung statt Zweikampfführung und brechen aus Positionen raus, aus denen wir nicht ausbrechen wollen. Das haben wir aufgezeigt und hoffentlich behoben.“
Dass der Punkte-Schnitt von 2,06 pro Spiel aus der Hinrunde in den ersten sieben Spielen der Rückrunde auf 1,71 gefallen ist, weiß der 04/19-Trainer, hält aber dagegen: „Wir spielen jetzt auch keine katastrophal schlechte Rückrunde. Wenn wir gegen Baumberg gewinnen, nähern wir uns dem Zwei-Punkte-Schnitt wieder an. Lassen wir die Niederlage gegen Hilden weg und betrachten nur die letzten sechs Spiele, haben wir den Zwei-Punkte-Schnitt. Das war auch die einzige Niederlage in den letzten 16 Meisterschaftsspielen.“ Vor diesem Zeitraum hatte es ein 0:1 gegeben – in Baumberg. An einem Freitag. Auf Kunstrasen.