
Drei Mannschaften kämpfen um das Ticket für die Landesliga. Dabei haben sich die Wege der Kontrahenten bislang weder in Freundschafts- noch in Pflichtspielen gekreuzt. Vor dem Auftaktduell zwischen dem SC Germania Reusrath und Rot-Weiss Essen II herrscht daher noch Ungewissheit darüber, wie die Kräfteverhältnisse innerhalb der Gruppe tatsächlich aussehen.
Reusraths Trainer Marco Schobhofen verzichtete im Vorlauf auf eine intensive Analyse der möglichen Gegner. "Befasst habe ich mich nicht mit den Gegnern, habe mir aber über meine Kontakte ein ungefähres Bild machen können“, sagt er. Dabei wurde ihm auch die vermeintliche Rollenverteilung aufgezeigt. "Die motivierendste Rückmeldung sagte: 'Ich würde euch das von Herzen gönnen, aber gegen RWE habt ihr gar keine Chance.‘“

Tatsächlich stellen die Essener keine handelsübliche Bezirksligamannschaft. RWE gewann 16 von 17 Rückrundenspielen und verfügt über einen prominent besetzten Kader. Marvin Platzek gehörte über Jahre zum festen Bestandteil der ersten Mannschaft in der Regionalliga West. Seine 47 Saisontore im gehobenen Fußballeralter von 36 Jahren sprechen für sich. Hinzu kommt Spielgestalter Kevin Grund, der ebenfalls lange für RWE und den 1. FC Bocholt in der Regionalliga aktiv war. Ergänzt wird das Aufgebot durch Talente wie den wieselflinken Mehmet Demirci oder Mittelfeldmotor Orcun Mengenli. In der Rückrunde sammelte zudem der 18-jährige Nicolai Schulte-Kellinghaus mehrere Einsätze in der Defensive. Der Youngster hat bereits einen Profivertrag unterschrieben.
Eine öffentliche Kampfansage war RWE-Trainer Stefan Lorenz dennoch nicht zu entlocken. "Alle drei Teams haben den Anspruch aufzusteigen“, betont er. Bereits in den finalen Wochen der Bezirksliga-Saison hatte sich der 44-Jährige mit möglichen Relegationsgegnern beschäftigt. "Reusrath hat eine starke Saison gespielt und ist nur knapp am direkten Aufstieg gescheitert. Wir erwarten eine gefestigte und geordnete Mannschaft, die ein sehr gutes Umschaltspiel mit schnellen offensiven Außenbahnspielern besitzt. Zudem haben sie eine gute Mischung aus erfahrenen und jungen Spielern.“
Schobhofen will derweil seiner Linie treu bleiben. "Wir werden nichts ändern. Wir werden versuchen, eklig zu sein, kompakt zu stehen und unsere Qualitäten nach vorne auszuspielen“, erklärt der Germania-Coach.
Ein Blick auf die Abschlusstabellen zeigt dabei durchaus Parallelen. Sowohl Reusrath als auch die Essener Reserve beendeten ihre Saison punktgleich mit dem jeweiligen Tabellenführer, müssen aufgrund des verlorenen direkten Vergleichs aber den Umweg über die Relegation antreten. Besonders ärgerlich verlief der letzte Spieltag für die Germania. Konkurrent SV Solingen ließ mit einer Niederlage die Tür zum direkten Aufstieg offen, doch Reusrath konnte die Steilvorlage beim 2:2 gegen den HSV Langenfeld nicht nutzen.
"Es ist am Sonntag natürlich bitter gelaufen, aber wir haben keine Zeit, uns damit zu befassen“, sagt Schobhofen. "Wir werden jetzt gut regenerieren und den Fokus auf Mittwoch legen.“
Da in der Dreiergruppe bereits ein Ausrutscher den Unterschied zwischen Aufstieg und Ligaverbleib ausmachen kann, könnten Kleinigkeiten entscheidend werden. Ob das erste Spiel in der Entscheidungsrunde ein Nachteil ist? Schließlich können die Sportfreunde Broekhuysen als dritter Teilnehmer der Verlosung zunächst die Konkurrenz beobachten. Lorenz sieht das anders: "Nein, wir freuen uns riesig auf das erste Spiel. Wir sind motiviert, fokussiert und auf Reusrath optimal vorbereitet.“
Während RWE personell aus dem Vollen schöpfen kann, steht hinter dem Einsatz von Gian Luca Schumann, dem zweitbesten Scorer der Reusrather, noch ein kleines Fragezeichen. Dafür kehren der zuletzt gesperrte Paul Degner sowie Kevin Luginger in den Kader zurück.