
Eine Woche nach der bitteren 0:1-Niederlage gegen den FC Büderich, in der die Uerdinger zahlreiche hochkarätige Chancen vergeben hatten, wollte der KFC Uerdingen dieses Spiel vergessen machen und im Derby gegen den SC St. Tönis die richtige Reaktion zeigen. Doch trotz langer Überlegenheit ließ sich das Team von Coach Julian Stöhr vom Nachbarn abkochen und verlor mit 1:3 (0:2). Schon in der Vergangenheit sah man gegen St. Tönis selten gut aus, das 2:1 im Hinspiel war der erste Erfolg gegen den Sportclub, in der Grotenburg unterlagen die Uerdinger in den beiden Spielen gar zwei Mal mit 1:4.
Stöhr hatte im Vergleich zum Büderich-Spiel in der Vorwoche zwei Veränderungen vorgenommen. Für den erkrankten Mohamed Benslaiman Benktib, der es zumindest in den Spieltagskader geschafft hatte, begann Adam Tolba, der das Offensivspiel gegen Büderich belebt hatte. In der Verteidigung gab Winterzugang Jesse Sierck sein Startelf-Comeback in Blau und Rot, für ihn musste Anthony Oscasindas auf der Bank Platz nehmen.
Die ersten Minuten des Spiels gehörten klar den Hausherren. Nicht einmal eine Minute war gespielt, als Nedzhib Hadzha einen langen Ball auf die rechte Seite schlug. Die Flanke von Alexander Lipinski wurde zur ersten Ecke abgeblockt. Die erste richtige Schusschance hatte Verteidiger Seongsun You, der im Rückraum etwas zu lange brauchte, um sich zu sortieren. So verpasste er es, ausreichend Druck hinter den Ball zu bringen, der Abschluss war leichte Beute für SC-Schlussmann Tim Schrick (8.). Nach einer Viertelstunde war es Etienne-Noel Reck, der sich nach Zuspiel von Hadzha durchtankte, aus spitzem Winkel den Ball aber nicht aufs Tor bringen konnte. Immer wieder setzten die Uerdinger die Gäste früh unter Druck und zwangen den Sportclub tief in der eigenen Hälfte zu risikoreichen Bällen, allerdings zunächst ohne daraus Kapital schlagen zu können.
Vom SC St. Tönis war in der Offensive über weite Strecken des ersten Spielabschnitts rein gar nichts zu sehen. Ein Abschluss, der eher Richtung Eckfahne anstatt Richtung Tor ging und so die Bezeichnung „Chance“ nicht verdient hatte, beschreibt die Offensivbemühungen der Gäste gut. Erst in den letzten fünf Minuten vor der Pause tauchte der SC in dem Uerdinger Strafraum auf.
Vollkommen aus dem Nichts gingen die Gäste dann in Führung, weil der Ball am langen Pfosten noch mal scharfgemacht wurde und Maximilian Pohlig in der Mitte sträflich freistand (41.). In der Schlussphase der ersten Halbzeit zeigte sich der KFC dann merklich verunsichert, St. Tönis gewann Oberwasser. Das mündete in einem mustergültigen Konter nach leichtem Ballgewinn im Mittelfeld, Morten Heffungs konnte in der Mitte den Ball in der Nachspielzeit im Tor unterbringen. Zur Pause gab es daher einige Pfiffe von der Tribüne, die sich aber zum Großteil gegen die Unparteiischen gerichtet haben dürften. Vor dem 0:1 wähnten die Fans ein Foul an einem Uerdinger, das nicht gepfiffen wurde.
Der nächste Rückschlag für den KFC Uerdingen folgte in der Halbzeitpause. Für Stürmer und Torjäger Reck ging es nicht weiter, er wurde durch Dave Fotso Youmssi ersetzt. Noah Tomson rückte auf die Zehn vor, Tolba wich auf links aus und Ephraim Kalonji übernahm Recks Position in vorderster Front.
Wenig überraschend versuchte der KFC auch nach dem Seitenwechsel, das Spiel zu machen und Druck nach vorne zu erzeugen. In den meisten Fällen blieb es allerdings bei dem Versuch. Der SC St. Tönis stand nun etwas höher und lauerte mehr und mehr auf Ballgewinne und schnelles Umschaltspiel, schließlich musste der KFC irgendwann das Risiko erhöhen. Den ein oder anderen unsauberen Konter spielte der SC nicht zu Ende und verpasste es so, den Sack zuzumachen. Wie schon gegen Büderich erspielte sich der KFC eine Vielzahl von Ecken, doch erneut führte dies kaum zu gefährlichen Situationen.
Gefährlich wurde es dafür über die linke Seite. Eine Flanke wurde scharf in die Mitte gezogen, dort lief Mittelfeldmotor Hadzha ein und köpfte den Ball in die lange Ecke (67.). Wenige Minuten später hatte der eingewechselte Dave Fotso Youmssi den Ausgleich auf dem Fuß, als der ebenfalls eingewechselte Joshua Salonen ihn über rechts bedient hatte. In der 78. Minute war es erneut der ehemalige Jugendspieler des MSV Duisburg, der den Abschluss suchte, und nur knapp an Keeper Schrick scheiterte.
Auf der anderen Seite, mitten in die Druckphase der Uerdinger, mimte der Sportclub dann den Spielverderber. Verteidiger You rutschte weg und bekam den Ball im Fallen unglücklich an den Arm – Elfmeter. Den Strafstoß verwandelte Julian Suaterna (80.). Unglücksrabe You und Lipinski gingen nach dem neuerlichen Gegentor vom Platz, Ibuki Noguchi und Anthony Oscasindas als Brechstange kamen auf den Rasen. Die späten Wechsel blieben aber ohne Wirkung. Am Ende bleibt es beim 1:3 – und wieder schallten Pfiffe von der Tribüne.