
Worms. Nicht knapp planen, lieber ein paar Minuten früher kommen. Anders als zu Saisonbeginn, als den Oberliga-Fußballern des VfR Wormatia Worms mehrere Tore in den Schlussminuten gelangen, ist aktuell die Anfangsviertelstunde die liebste Zeit der Mannschaft von Trainer Anouar Ddaou. Auch im Spitzenspiel bei der 1:4 (1:3)-Heimniederlage gegen die TuS Koblenz trafen die Wormaten früh. Doch wie zuvor auch im Pokaldrama gegen den FK Pirmasens (8:9 nach Elfmeterschießen), antworteten auch die Koblenzer Gäste darauf prompt.
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Also ging die Partie nach dem Ausgleichstreffer in Minute 14 Minuten wieder von vorne los. Und von da an wirkten die Wormser nicht mehr wie Frühstarter, sondern mehr wie eine schläfrige Truppe, die mit dem Ball wenig Lösungen fand und in der Defensive die wichtigen Zweikämpfe verlor. Wormatia-Kapitän Altin Vrella sagte nach dem Spiel: „Ich bin maximal sauer, weil wir zwei dumme ‘Standardtore’ gefangen haben.“
Frühe Wormser Führung
Die frühe Wormser Führung durch Nico Jäger, der einen Steilpass erlief und vor Koblenz-Keeper Michael Zadach die Ruhe behielt und ihm den Ball durch die Beine schob (2.), konterten die Gäste in Person von Denys Vyrvch zweimal nach einem ruhenden Ball. Zunächst nach einem Eckball (14.), stand Koblenz’ bester Torschütze (Saisontreffer zehn und elf), der kurioserweise alle seine Ligatreffer bislang im heimischen Stadion Oberwerth erzielt hatte, auch nach einem Freistoß goldrichtig (19.).
Für Worms’ Abwehrchef Vrella der Knackpunkt des Spiels. „Koblenz ist gefährlich bei Standards, verteidigt kompakt und schaltet schnell um. Das machen sie wirklich gut. Es ist nicht der schöne Fußball, finde ich, aber am Ende zählen die Punkte und die haben sie.“ Und die Koblenzer, da waren sich am Ende die Besucher des überraschend deutlichen Spiels einig, der verdiente Sieger. Die Gäste agierten anders als die Wormser, im Stile einer abgeklärten Oberliga-Spitzenmannschaft. Sie strahlten eine große Ruhe in ihren Aktionen aus, legten eine große Effizienz an den Tag und waren durch den auffälligen Igor Blagojevic jederzeit gefährlich.
Hinzu kam: Beim dritten Gästetor hatten die Gäste das Quäntchen Glück, dass den Wormsern bei einem Abseits-Tor von Noah Maier (43.) fehlte. Denn auch dieser Treffer fiel aus einer abseitsverdächtigen Position, als Blagojevic einen Ball hinter die Wormser Abwehrkette erlief, den aufgerückten Wormatia-Schlussmann Tobias Edinger umkurvte und zum 1:3 einschob (29.). Für den aufgebrachten Vrella schon auf dem Spielfeld eine Fehlentscheidung, doch anschließend auch auf Video nicht eindeutig zu klären. „Ich spiele auf Abseits, gehe in der Aktion extra noch drei Meter vor und auch mein Gegenspieler sagt zu mir, dass er glaubt, es sei Abseits gewesen.“ Vom Schiedsrichter bekommt Vrella anschließend die Erklärung, dass Außenverteidiger Malick Yerima das Abseits aufgehoben habe. „Es ist auf jeden Fall ein Tor, bei dem man sich streiten kann, ob es Abseits ist oder nicht.“
Abgezockte Koblenzer überrumpeln die Wormatia
Spielentscheidend war dieses Tor jedenfalls nicht. Vielmehr waren die Wormser an diesem Nachmittag nicht gut genug, gegen einen routinierten Gegner, dem seine aktuellen personellen Engpässe nicht anzusehen war. Wie abgezockt die Gäste auftraten und wie leicht sich die Wormaten an diesem Nachmittag überrumpeln ließen, zeigte die Nachspielzeit der ersten Halbzeit. Mert Özkaya schlug für die aufgerückten Wormser einen Freistoß aus dem Halbfeld in den TuS-Strafraum. Die Koblenzer klärten, gewannen auch den zweiten Ball und schickten Blagojevic auf die Reise, der der VfR-Absicherung Vasileios Siontis davon spurtete und erst im Eins-gegen-Eins an Edinger, der wie schon gegen Pirmasens mehrere spektakuläre Paraden zeigte, scheiterte.
Ein ähnliches Bild beim 1:4 des Tages: Aufgerückte Wormser bei einem eigenen Eckball – Überzeugung und Effizienz beim Gegner. Einen perfekt getimten Abschlag von Michael Zadach nahm Blagojevic hinter der Mittellinie gekonnt mit, spielte den Ball in den Fuß von Masahiro Fujiwara und der veredelte den „drei-Stationen-Angriff“ (64.). „Danach war das Ding durch“, erklärte Vrella und sagte: „Wir müssen ehrlich sagen, dass wir heute viel zu wenig Zug zum Tor aufs Feld bekommen haben.“