2026-06-01T10:27:43.393Z

Ligabericht

»Einmaliger Typ«: Etzenrichts Urgestein Martin Pasieka sagt Servus

Der 33-jährige Stürmer hatte am Samstag seinen letzten Auftritt im Dress des SVE – Ein Happy End in Form des Klassenerhalts blieb aus

von Florian Würthele · Heute, 11:50 Uhr · 0 Leser
Emotionaler Moment: Martin Pasieka (Nummer 9) am vergangenen Samstag auf seinen letzten Metern als Spieler des SV Etzenricht. Beide Teams standen Spalier.
Emotionaler Moment: Martin Pasieka (Nummer 9) am vergangenen Samstag auf seinen letzten Metern als Spieler des SV Etzenricht. Beide Teams standen Spalier. – Foto: Florian Würthele

Längst war der „Drops gelutscht“ am Samstagnachmittag. Beim Spielstand von 0:3 zugunsten des SV Wenzenbach war ein jedem, der es für den SV Etzenricht hielt, klar, dass es nach einem Jahr wieder runtergeht in die Bezirksliga. Trotzdem wurde es wenige Minuten vor dem Ende des Relegationsspiels nochmal so richtig emotional. Sogar die Gästespieler eilten herbei, um Spalier zu stehen. Und das aus einem guten Grund. Martin Pasieka wurde ausgewechselt, verließ ein allerletztes Mal das Spielfeld am Siegfried-Merkl-Platz. Nach 14 Jahren im Trikot „seines“ SV Etzenricht sagt der 33-jährige Angreifer Servus. Ihn zieht es bekanntlich zu seinem Heimatverein SVSW Kemnath.

Ein Abklatschen hier, eine Umarmung dort. Dann vorbei an den Fans zur Auswechselbank. Pasiekas letzte Schritte als Spieler des SV Etzenricht waren von viel Emotion verbunden. Sicherlich musste sich der Etzenrichter „Dauerbrenner“ da die ein oder andere Träne verdrücken. Abteilungsleiter Manfred Herrmann brachte es am Stadionmikrofon auf den Punkt, bezeichnete Pasieka als „wahren Sportsmann“.

In eine ähnliche Kerbe schlägt Andreas Wendl. Etzenrichts Spielertrainer hatte den Stürmer sechs Jahre lang unter seiner Fuchtel. „Der Martin ist wirklich ein einmaliger Typ und zwar in ganz vielerlei Hinsicht. Wer ihn besser kennt, weiß genau, was ich damit alles meine. Da müsste ich jetzt zu weit ausholen, um das alles zu beschreiben. Ich werde ihn auf jeden Fall persönlich sehr vermissen!“, wird auch Wendl sentimental. Im Vorfeld des Relegations-Rückspiels gegen Wenzenbach hatte er gesagt: „Es werden am Samstag sicherlich einige Tränen bei Spielern, Fans und Verantwortlichen fließen, wenn wir diesen herausragenden Spieler und vor allem auch Menschen verabschieden (müssen).“

Ein letztes Abklatschen mit den Fans...
Ein letztes Abklatschen mit den Fans... – Foto: Florian Würthele


Freilich hätten sich alle gewünscht, ihre „Maddin“ mit dem Klassenerhalt verabschieden zu können. Der Wunsch sollte unerfüllt bleiben. Schon zur Halbzeit war der Abstieg des SVE so gut wie besiegelt. Vielleicht wäre es ja anders gelaufen, hätte Pasieka in der 16. Minute nicht knapp vorbei, sondern ins Tor geköpft. Nach einem Wenzenbacher Doppelschlag (35./38.) zum 0:2 waren die Resthoffnungen schließlich dahin. Direkt nach dem feststehenden Abstieg sagte Pasieka gegenüber den Oberpfalz-Medien: „Was passiert ist, lässt sich nicht ändern.“ Er versprach ein baldiges Wiedersehen: „Ich werde mir auch künftig das eine oder andere Spiel hier anschauen.“



Kaum ein Name stand in der jüngeren Vergangenheit so für den SV Etzenricht wie Martin Pasieka. Zur Saison 2012/13 als 19-Jähriger von der SpVgg Weiden nach Etzenricht gewechselt, entwickelte sich der Offensivmann über die Jahre zu einem Führungsspieler, einem Sympathieträger und schließlich zu einer echten Ikone bei den Blau-Schwarzen. Fairness, Führungseigenschaft als Leitwolf auf und neben dem Platz sowie Loyalität zu dem Verein, zu den Verantwortlichen und Trainern sind bei ihm fest verankert. Obwohl er in der IT-Branche bei einem namhaften Betrieb tätig ist und auch schon im Ausland unterwegs war, war er beim SVE stets präsent in den vergangenen Jahren. Und blieb dem Klub treu – auch nach dem Abstieg in die Bezirksliga nach 13 Landesliga-Jahren in 2019. „Mister Zuverlässig“ trifft es ganz gut.

Rund 370 Punktspiele absolvierte Martin Pasieka (links) für den SV Etzenricht.
Rund 370 Punktspiele absolvierte Martin Pasieka (links) für den SV Etzenricht. – Foto: Florian Würthele


Allein die nackten Zahlen sind beeindruckend. Rund 370 Ligaspiele bestritt Pasieka für seinen Herzenverein – darunter 244 in der Landesliga Mitte. Dabei trug er sich laut FuPa-Datenbank 185 Mal in die Torschützenliste ein. Inklusive Pokal, Tests und Relegation könnte sogar die 500er-Marke an Einsätzen gefallen sein. Gleich in der ersten gemeinsamen Saison 2012/13 wurde Etzenricht – punktgleich mit dem Rangzweiten – Dritter in der Landesliga Nordost. Das beste Abschneiden der Vereinsgeschichte! Letzten Sommer feierte man den ersehnten Wiederaufstieg in die 6. Liga. Dies war zu einem erheblichen Anteil auch Pasiekas Verdienst. Technisch stark, kämpferisch ebenso, Zug zum Tor, immer die Lufthoheit einnehmend, sind Attribute für den Sturmtank.

Klar entwickelten sich im Laufe der Zeit auch viele Freundschaften. Umso mehr Wehmut schwingt bei Pasieka mit, angesichts des Abschieds nach 14 Jahren. Nichtsdestotrotz gibt es natürlich gute Gründe für seinen Weggang und den Wechsel zum Heimatverein SVSW Kemnath in die Kreisklasse. Der 33-Jährige wohnt in Kemnath; die Fahrstrecke zu den Trainings und Spielen waren nicht Ohne. Schon letztes Jahr hatte Pasieka aus familiären Gründen – nach der Geburt seiner Tochter – und aus zeitlichen Gründen mit einem Abschied geliebäugelt. Mannschaft und Trainer überzeugten ihn von einer Verlängerung bis eben Mai 2026. Seine Ehefrau und seine Mutter sind treue Fans des SV. Mit dem Ziel, künftig „kurze Wege“ mit Blick auf Familie und Beruf zu wählen, zieht es Martin Pasieka nun fußballerisch nach Kemnath. Dort können sich die die Schwarz-Weißen auf einen ganz tollen Sportsmann freuen.