
Es ist tatsächlich kein Einzelfall, in einer Relegation aber doch eine Premiere. 2010 stieg der TSV Dühren aus der Kreisliga ab. Letztlich entscheidend dafür war eine 4:6-Niederlage am letzten Spieltag gegen den TB Richen. Das Besondere dabei: Richens damaliger Spielertrainer Heiko Hafendörfer heuerte zu Beginn der darauffolgenden Saison als Trainer in Dühren an und gehörte beim 4:6 zu den Torschützen. Mit einem Remis hätte der TSV zumindest die Relegation erreicht. Stattdessen durfte der punktgleiche VfL Mühlbach in die Saisonverlängerung und hielt mit einem Sieg über die SG Waibstadt die Kreisliga.
Aus Sicht des TSV Dühren soll sich diese Geschichte am Sonntag in Helmstadt (Anpfiff, 15.30 Uhr) auf keinen Fall wiederholen. Als Drittletzter der Kreisklasse A will der Sinsheimer Stadtteilverein mit einem Relegations-Sieg über den B-Klassen-Vizemeister SC Siegelsbach die Liga halten. Dort hat aktuell mit Björn Schweter und Kai Feßenbecker das für die Saison 2026/27 schon längst verpflichtete neue Dührener Trainerduo das Sagen.
"Die Situation ist der absolute Horror für uns", sagt Schweter. Der 38-Jährige ist ein sehr kommunikativer Mensch und hat deshalb mit allen Siegelsbacher und Dührener Verantwortlichen im Vorfeld ausgiebig gesprochen. "Es hilft ja alles nichts, wir nehmen es sportlich und werden daher alles dafür geben, um aufzusteigen", erläutert er die klare Zielsetzung für Sonntag, "die der schöne Abschluss für vier Jahre SC Siegelsbach für uns sein soll, zu deren Beginn wir die A-Klasse als großes Ziel ausgerufen haben. Außerdem ist ein Aufstieg etwas, das selbstverständlich jeder gerne in seiner Vita stehen hätte."
Dennoch, und da gibt es wahrscheinlich niemanden, der andere Meinung ist, Schweter und Feßenbecker sind alles andere als zu beneiden bei einer derart kuriosen Ausgangslage. "Es haben sich tatsächlich einige Trainer aus dem Kreis bei uns gemeldet und wollten wissen, wie wir damit umgehen", so Schweter.
Zwischenzeitlich ging sogar das Gerücht um, die beiden würden beim Relegationsspiel nicht auf der Siegelsbacher Bank sitzen. "Keine Ahnung, wo das hergekommen ist, aber das wäre ja Wahnsinn", so Schweter, der klarstellt, "wir nehmen das an und ab nächster Woche können wir uns um Dühren kümmern." Es ist bemerkenswert und nötigt einem großen Respekt ab, wie offen und reflektiert der Siegelsbacher Coach damit umgeht.
Ein Relegationsspiel ist aber stets für beide Teams eine nervenaufreibende Veranstaltung. Beim TSV Dühren ist es gleichzeitig das Abschiedsspiel von Rico Unser. Für den Spielertrainer enden sechs TSV-Jahre, in denen er mit der B-Klassen-Meisterschaft und dem Pokalsieg 2023 das Double und somit Vereinsgeschichte geschrieben hat. Den 1:0-Siegtreffer im damaligen Endspiel gegen seinen Ex-Klub SV Rohrbach/S. erzielte – wie könnte es anders sein – er selbst mit einem Traumtor.
Nun trägt er noch einmal für 90 Minuten plus X das rot-weiße TSV-Trikot, ehe er im Sommer den Klub, aber nicht die Farben wechselt. Der 33-Jährige heuert beim FC Weiler an. "Schon das letzte Wochenende war sehr emotional", gibt er einen Einblick in seine Gefühlslage und stellt klar, "nach sechs größtenteils sehr erfolgreichen Jahren geht man nicht einfach so."
Der Klassenerhalt wäre der gelungene Abschluss und dafür hat er seine Schützlinge nach dem 5:1-Erfolg gegen den SV Adelshofen am letzten Liga-Spieltag eingeschworen: "Wir haben uns in den vergangenen Wochen Vieles anhören müssen, wurden schon abgeschrieben, haben aber immer an uns geglaubt und mit den zwei Siegen zum Abschluss ist das Momentum zurück."
In Dühren herrscht also Optimismus und was die Kaderzusammenstellung betrifft, besitzt der A-Ligist zweifellos größeres Überraschungspotenzial. In der Saisonschlussphase hat der ein oder andere eigentlich schon zurückgetretene Kicker noch einmal die Fußballschuhe geschnürt, um dem Verein in dieser schwierigen Phase zu helfen. Es ist davon auszugehen, dass in der Relegation manch ein Routinier dabei sein wird. "Am Sonntag haben wir 20 Mann im Kader, zuletzt war die Trainingsbeteiligung auch wieder sehr gut", sieht Unser seine Truppe gerüstet.
Einzig Carlos Thier fehlt. Der 23-jährige sechsfache Torschütze aus der abgelaufenen Runde ist von Bayerns Jungstar und Ex-Hoffenheim-Profi Tom Bischof nach Ibiza eingeladen worden. Bei Abwehrmann Moritz Hildenbrand könnte es reichen. Er hat einen dicken Knöchel, nachdem er umgeknickt ist.
Ein Thema bei einem Entscheidungsspiel ist immer auch ein mögliches Elfmeterschießen. "Ja, wir haben Elfmeter trainiert und haben ein paar Experten dafür in der Mannschaft", sagt Schweter. Generell ist der SC voll besetzt. Der Trainer klärt auf: "Wir haben einen 20-Mann-Kader, der in dieser Konstellation am Mittwoch und Freitag zusammen trainiert hat."
In Dühren standen am Dienstag im Training ebenfalls Elfmeter auf dem Plan. "Feste Schützen haben wir aber noch nicht zugeteilt, das ergibt im Vorfeld keinen Sinn", sagt Unser, der aber davon überzeugt ist, dass man gewisse Elemente des Elfmeterschießens üben kann.
Mit dem Endspielort sind beide einverstanden. "Helmstadt ist optimal, da ist eine tolle Anlage und wir hoffen ganz einfach auf eine große Kulisse", sagt Schweter. Das sieht auch Unser so: "Helmstadt ist perfekt, der Verein ist immer top organisiert – ein würdiger Gastgeber eben."