
Bei einem Blick durch die Vita von Ingmar Putz verfällt sicherlich noch der ein oder andere Beobachter in Nostalgie. Als Spieler erlebte der inzwischen 56-Jährige noch die Glanzzeiten von RW Oberhausen und dem FC Remscheid in der 2. Bundesliga, in seiner Trainerlaufbahn leitete er unter anderem die Geschicke in der Oberliga für den SV Uedesheim. Seit mittlerweile fünf Jahren hat Putz die Zügel für den OSV Meerbusch in der Hand – und könnte mit dem Aufstieg in die Landesliga einen gelungenen Schlussstrich ziehen.
Die rasante Entwicklung in Osterath war bei seinem Amtsantritt im Jahre 2020 noch nicht wirklich abzusehen. Der Verein stand im grauen Mittelfeld der Krefelder Kreisliga A. Putz brachte frischen Wind, aber auch Ecken und Kanten mit: "Egal wo ich war – ich treffe manchmal unpopuläre Entscheidungen", verriet Putz im Gespräch mit FuPa Niederrhein. "Wenn ich irgendwo im Verein bin, versuche ich auch den Verein zu verändern. Das hat auch gut geklappt."
Dabei brauchte es klubintern aber auch immer wieder gelegentliche Überzeugungskraft, um seine Vorstellungen durchzusetzen: "Ich habe gemerkt, dass bei mir dann der Akku irgendwann leer wird. Mir sind viele Diskussionen zu viel geworden", schilderte Putz. Sein Rücktrittsentschluss wurde entsprechend schon vor Saisonbeginn gefällt: "Ich habe dann gesagt, dass ich das noch ein Jahr mache. Mir macht das mit der Mannschaft einen Riesenspaß, das ist eine richtig geile Truppe, hat aber auch ein Stück weit gedauert, bis wir sie so weit hatten."

Profitraining im Amateurbereich war für Putz dafür aber der stets falsche Ansatz, was für ihn besonders auf die geringere Anzahl an Trainingseinheiten zurückzuführen ist. So fokussierte er sich mit seinen Teams auf die klassischen Fußball-Basics: "Je weiter du runterkommst, desto mehr Abstriche musst du machen, was am Anfang für mich nicht immer einfach war", offenbarte Putz und suchte für sich immer nach einem gesunden Kompromiss aus seinen Erfahrungen als Spieler und Trainer: "Ich baue keinen Verkehrsübungsplatz auf, ich trainiere aber auch nicht wie vor 30 Jahren. Was bringt mir die beste Taktikausbildung, wenn sie nach 60 Minuten nicht mehr rennen können? Ich habe mit meinen Mannschaften immer einfache Sachen gemacht. Und wenn ich gemerkt habe: 'Das haben sie begriffen.‘ Dann habe ich das nächste angefangen."
Ob seine Philosophie zum Abschied noch für den ganz großen Wurf reicht, steht in den Sternen. Im Rennen um die Bezirksliga-Spitze hängt der OSV der DJK Gnadental mit zwei Punkten Rückstand im Nacken.
"Ob wir es letztendlich schaffen, ist eine 50:50-Chance. Ich bin angespannt, definitiv. Das merke ich auch. Es wäre vielleicht nicht so, wenn ich nicht komplett aufhören würde", sagte Putz und ließ auch kein Hintertürchen offen: "Für mich ist definitiv Schluss, keine Chance."
Trotz seines nahenden Abschieds lässt Putz den OSV mit einem guten Gefühl zurück: "Ich überlasse eine richtig gute Mannschaft. Und wenn wir es dieses Jahr nicht schaffen, dann schaffen sie es definitiv nächstes Jahr. Wir haben mit dem Freddy Klausner einen Kapitän – so einen Typen hab ich noch nie als Mitspieler gehabt und noch nie als Trainer. Der macht das mit der Mannschaft überragend und nimmt einem auch sehr viel ab."
Ganz ohne Fußball wird es für Putz aber nicht weitergehen – als Betreiber eines Sportgeschäfts bleibt der rollende Ball sein täglicher Begleiter. Aber die Verantwortung als Übungsleiter fällt weg. Das bedeutet aber auch mehr Raum für anderes: "Alles was ich habe, habe ich dem Fußball zu verdanken, aber der hat auch sehr viel Raum eingenommen. Ich wollte jetzt einfach noch ein paar andere Sachen machen. Ich will auch mal freitagabends nach Feierabend zwei Tage irgendwohin fahren."
Noch ein paar Wochen stehen an – mit womöglich großer Bühne zum Schluss: Relegation, Aufstieg, Applaus? Ob Putz seine Trainerlaufbahn mit einem echten Knall beendet, entscheidet sich auf dem Platz.