Auf dem Weg zum nächsten Treffer: Der Aachener Vinzent Zingel (Mitte) wurde in den USA als „Player of the Year“ ausgezeichnet.
Auf dem Weg zum nächsten Treffer: Der Aachener Vinzent Zingel (Mitte) wurde in den USA als „Player of the Year“ ausgezeichnet. – Foto: BILLSABO/CSU-PUEBLO ATHLETICS
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Eine besonders wertvolle Auszeichnung

College-Fußballer Vinzent Zingel kämpft sich nach zwei Schulter-OPs zurück und wird „Player of the Year“ in den USA.

Als die Nachricht auf seinem Handy erschien, ahnte Vinzent Zingel noch nicht, welche Tragweite sie haben würde. „Ich habe gerade mit einem Freund in Deutschland telefoniert und dachte, dass es nur eine ganz normale Info meiner Teamkollegen sei“, sagt der gebürtige Aachener, der an der Colorado State University (CSU)-Pueblo Gesundheitsförderung studiert. Das war es aber nicht, „deshalb bin ich auch komplett ausgerastet, als ich sie gelesen habe“. Die Rocky Mountain Athletic Conference hatte die besten Fußballer der Saison bekanntgegeben, und Zingel hatte es nicht nur in die Jahresauswahl geschafft, er wurde sogar als „Player of the Year“, also Spieler des Jahres, ausgewiesen.

MLS-Traum ist in Gefahr geraten

„Ich habe mich wahnsinnig gefreut. Diese Auszeichnung ist für mich ganz besonders wertvoll, weil das vergangene Jahr sehr viel Kraft gekostet hat“, sagt der 20-Jährige. Sein Traum von der Major League Soccer (MLS), der höchsten Spielklasse im amerikanischen und kanadischen Fußball, war nämlich akut in Gefahr geraten, nachdem er Verletzungen erlitten hatte, die zwei Operationen nach sich zogen: Erst musste die rechte Schulter operiert werden, dann die linke.

Seine erste Saison in den USA hatte der ehemalige Nachwuchsspieler von Alemannia Aachen und Hertha Walheim nur unter Schmerzen absolvieren können, und doch lief sie so gut, dass er den Titel „Freshman of the Year“, also Neuling des Jahres, erhielt. Mehrfach hatte er sich schon die Schulter ausgekugelt, „aber damals habe ich mir noch nicht viel dabei gedacht“.

Als die Corona-Pandemie dafür sorgte, dass er den Campus in Colorado verlassen musste, kehrte er im Sommer 2020 nach Aachen zurück. Er hielt sich bei Arminia Eilendorf und Eintracht Verlautenheide fit, im Training kugelte sich Zingel aber erneut die Schultern aus. Beide, in unregelmäßigen Abständen, auch beim Schwimmen und Basketballspielen.

Da die Schmerzen stärker wurden, unterzog er sich einer Untersuchung, die ergab, dass er sich auf beiden Seiten einen Riss des Knorpelrings zugezogen hatte, hinzu kam auf der rechten Seite noch ein Bizepssehnenriss. „Das war im ersten Moment eine sehr niederschmetternde Diagnose“, sagt Zingel. Da das Studieren aufgrund der Zeitverschiebung schwierig geworden wäre, entschloss er sich dazu, ein Semester auszusetzen und nach seinen Operationen im Herbst an seinem Comeback zu arbeiten. Mehrere Physiotherapie-Einheiten, Einzel-Training auf dem Fußballplatz mit seinem ehemaligen Walheimer Jugendcoach Sebastian Wirtz und Dauerläufe standen auf seinem Wochenplan, mit dem Ziel, schnellstmöglich wieder in Form zu kommen und dann im Jahr 2021 in die USA zurückzukehren.

Der Plan ging auf. Zingel wurde für seine Quälerei belohnt, auch wenn zu Beginn noch nicht alles so lief, wie sich der quirlige Zehner seine Rückkehr vorgestellt hatte. „Am Anfang hat der Kopf noch nicht mitgespielt, das Vertrauen in die Schultern war noch nicht da.“ Der neue Trainer der CSU-Thunderwolves, Oliver Twelvetrees, war dennoch überzeugt von den Qualitäten des 1,70 Meter großen Spielmachers und schickte ihn im ersten Saisonspiel im März auf den Platz. „Der Knoten ist dann aber erst im ersten Heimspiel geplatzt“, sagt Zingel.

Gegen die Metropolitan State University of Denver steuerte er ein Tor und zwei Vorlagen zum 3:0-Sieg bei, „und ich wurde zum ,Man of the Match’ erklärt“. Von da an lief es rund, in der aufgrund der Pandemie verkürzten Herbst-Saison, die in den Frühling verlegt worden war, kam er auf fünf Treffer und fünf Assists in neun Spielen. Im Viertelfinale platzte der Traum vom Titelgewinn, „ein Golden Goal kurz vor Ablauf der Verlängerung hat uns aus dem Wettbewerb geworfen“, trauert Zingel noch immer der verpassten Chance nach.

Aus der Bahn wirft ihn so ein Ereignis sicher nicht, vor allem, wenn man bedenkt, was er im vergangenen Jahr erlebt hat. Die Saison ist zwar beendet, Fußballspielen kann er unter strenger Einhaltung der Corona-Regeln aber auch weiterhin: In der Summer League läuft er für die Tri-Cities Otters in der USL League Two auf, eine Liga, die auch die Scouts der großen MLS-Clubs im Blick haben. Vielleicht kommt Zingel seinem großen Traum in diesem Sommer ja dann wieder einen kleinen Schritt näher.

Aufrufe: 4.5.2021, 21:00 Uhr
Benjamin Jansen | AZ/ANAutor

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