
Der Abschied fällt Harald Haug sichtlich nicht leicht. Nach dann 17 Jahren als Trainer beim TSV Buch endet im Sommer eine Ära, die den Verein über Generationen hinweg geprägt hat. Seit der Saison 2009/10 steht der heute 52-Jährige an der Seitenlinie (bis zur Saison 14/15 erzielte er auch als Spielertrainer das ein oder andere wichtige Tor für den TSV) , führte den Klub mehrfach nach oben und erlebte nur einen Abstieg – nun kündigt er einen bewussten Schnitt an. Seine Worte klingen wie eine Rückschau auf ein ganzes Fußballleben.
Auch sein Trainerkollege Ulrich Klar (39) verabschiedet sich zum Ende dieser Saison, er war seit der Gründung der Spielgemeinschaft mit dem TSV Obenhausen (23/24) für den TSV Buch aktiv.
„Es ist schwer die richtigen Worte dazu zu finden um diese unglaublich tolle und auch sehr verrückte Zeit zu umschreiben: Wenn ich heute zurückblicke, fällt es mir schwer, diese Zeit in Worte zu fassen. 17 Jahre – das ist mehr als nur eine Trainerstation. Das ist ein Lebensabschnitt.“ Haug beschreibt nicht Titel oder Tabellenplätze zuerst, sondern Erinnerungen: „Das sind unzählige Trainingseinheiten, Spiele, Siege, Niederlagen, Gespräche in der Kabine, Diskussionen am Spielfeldrand und Begegnungen, die mich tief geprägt haben.“
Unter seiner Führung stieg der TSV Buch in der Sasion 10/11 aus der Kreisliga A3 Donau/Iller in die Bezirksliga auf, in der Spielzeit 13/14 folgte der Sprung in die Landesliga und nach dem Abstieg 2017 gelang gleich wieder die Rückkehr in die Landesliga. Zur Winterpause steht die Mannschaft mit 23 Punkten auf Rang acht, der Klassenerhalt ist das zentrale Ziel. Doch Haugs Blick geht weit über die aktuelle Tabelle hinaus. „Als ich damals begonnen habe, wusste ich nicht, dass daraus eine so lange Reise werden würde. Ich wollte eine Mannschaft entwickeln, jungen Spielern etwas mitgeben, gemeinsam etwas aufbauen.“ Was folgte, beschreibt er als etwas Größeres: „Was daraus entstanden ist, war weit mehr: eine Gemeinschaft, ein Zusammenhalt, ein Stück Familie.“
Gemeinsame Höhen und Tiefen
Er spricht von gemeinsamen Höhen und Tiefen: „Wir haben gemeinsam gefeiert. Wir haben gemeinsam gelitten. Es gab Spielzeiten, in denen alles lief – und andere, in denen wir kämpfen mussten.“ Gerade diese Phasen seien prägend gewesen: „Gerade diese schwierigen Phasen haben uns als Team stärker gemacht. Ich war immer überzeugt: Entscheidend ist nicht nur das Ergebnis am Sonntag, sondern der Charakter, den man unter der Woche zeigt.“
Besonders wichtig sind ihm die Menschen, die ihn begleitet haben. „In all den Jahren durfte ich mit großartigen Menschen arbeiten – Spielern, Co-Trainern, Betreuern, Funktionären und treuen Fans.“Viele junge Spieler sind als Talente gekommen und als gestandene Persönlichkeiten gegangen. Das erfüllt mich mit Stolz.“ Sein Maßstab war stets mehr als Sport: „Wenn ich etwas weitergeben konnte – Disziplin, Respekt, Teamgeist oder einfach die Liebe zum Fußball – dann war meine Arbeit erfolgreich.“
Dankbarkeit für die vergangene Zeit
Die außergewöhnliche Dauer seiner Amtszeit sieht Haug nüchtern: „Ich habe in Berichten der Zeitung oder bei FuPa oft gelesen, wie außergewöhnlich diese lange Amtszeit sei. Für mich fühlte es sich nie außergewöhnlich an. Es fühlte sich richtig an. Woche für Woche. Jahr für Jahr.“ Dennoch erkennt er den Moment des Abschieds: „Doch irgendwann spürt man, dass es Zeit ist. Zeit für neue Impulse für die Mannschaft. Zeit für einen neuen Lebensabschnitt.“
„Ich gehe nicht im Groll, sondern mit Dankbarkeit. Mit unzähligen Erinnerungen im Herzen. Mit Stolz auf das, was wir gemeinsam erreicht haben.“Aber ein Teil meines Herzens wird immer hier bleiben – auf diesem Platz, in dieser Kabine, bei diesen Menschen.“
Freundschaften, die bleiben
Sein Dank richtet sich an den gesamten Verein: „Ich danke allen, die mich auf diesem Weg begleitet haben. Für das Vertrauen. Für die Unterstützung. Für die ehrlichen Gespräche. Und vor allem danke ich der Mannschaft – von gestern und von heute. Ihr wart der Grund, warum ich 17 Jahre mit Leidenschaft an der Seitenlinie stand. Am meisten Dankbar bin ich allerdings für die Freundschaften, die für immer bestehen bleiben und vorallem für die Liebe die mir dort geschenkt wurde. Jede Träne, die beim Abschied fließen wird ist es dann auch wert.“
Nach den schönsten Momenten gefragt, antwortet er: „Die schönsten Momente sind schwer zu sagen, es waren einige Meisterschaften, Klassenerhalte und sonstige Erlebnisse. Ich würde die ganze Ära als schönsten Moment bezeichnen wollen.“ Auch seine eigene Entwicklung hebt er hervor: „Persönlich haben mich am meisten die Menschen dort geprägt und ich durfte viel lernen und mich extrem weiterentwickeln. Dafür bin ich sehr dankbar.“
Blick nach vorn
An die Zukunft denkt Haug noch zurückhaltend: „Über meine Zukunft habe ich mir noch nicht allzuviel Gedanken gemacht....erstmal stehen noch wichtige Aufgaben, wie der Klassenerhalt an.“ Klar ist nur eines: „Ich werde dem Amateurfussball auf jeden Fall erhalten bleiben, wenn auch nicht mehr unbedingt an vorderster Front.“ Und mit einem Augenzwinkern fügt er an: „Bevor ich zuhause Kochen muss....fällt mir schon das hoffentlich richtige ein 😁“.
Christoph Amann wird neuer Trainer
Der TSV Buch wird zur Saison 2026/27 von Christoph Amann (36) übernommen, der seit der Saison 18/19 Spielertrainer beim FC Heimertingen (aktuell Kreisliga Allgäu Nord) ist. In der aktuellen Spielzeit erzielte er bisher 5 Tore in 17 Spielen. Kurioses am Rande: Damit sinde alle drei Brüder wieder im gleichen Verein, Abteilungsleiter Steffen Amann und Kapitän Dominik Amann sind schon einige Jahre beim TSV.
Co-Trainer wird Stephan Böck (37) der ebenfalls vom FC Heimertingen kommt und dort zusammen aktuell mit Amann das Trainerduo bildet.